Die beiden Piloten Mark Stucky und Frederick Sturckow erreichten nach einer 60 Sekunden dauernden Zündung der Raketentriebwerke eine Flughöhe von 82,7 Kilometer. Foto:  

Ein Raumschiff des privaten Unternehmens Virgin Galactic hat bei einem Testflug den Weltraum erreicht. Die „VSS Unity“ habe sich 83 Kilometer von der Erde entfernt, teilte das Unternehmen mit. Die Piloten dürfen sich jetzt Astronauten nennen.

Mojave - Ein bemanntes Raumflugzeug von Virgin Galactic hat das All erreicht und damit den privaten Raumfahrt-Tourismus einen Schritt näher gebracht. Die „VSS Unity“, ein Raumflugzeug vom Typ SpaceShipOne des Herstellers The Spaceship Company, erzielte bei dem Testflug am Donnerstag (13. Dezember) eine Höhe von 83 Kilometern, so hoch, dass die beiden Piloten die Schwerelosigkeit spüren und die Erdkrümmung sehen konnten.

Ein Trägerflugzeug hatte das Raumschiff zunächst in eine Höhe von 13 Kilometern gebracht und dann freigesetzt. „VSS Unity“, bemannt mit zwei Piloten, zündete daraufhin die Triebwerke und setzte die Reise Richtung Weltall fort. Nachdem das Raumschiff 83 Kilometer Höhe erreicht hatte, setzte es wieder zum Sinkflug an.

Erster Flug 2014 endete in einer Katastrophe

Der Flug ist ein bedeutender Fortschritt in diese Richtung. Das erste experimentelle Raumschiff von Virgin Galactic zerbrach 2014 während eines Testflugs. Dabei kam der Kopilot ums Leben.

Virgin-Chef Richard Branson zeigte sich sichtlich bewegt und umarmte andere Zuschauer, die sich in der Wüste Kaliforniens zu dem etwa einstündigen Flug versammelt hatten. Nach der sicheren Landung des Raumflugzeugs kündigte er weitere Flüge in den kommenden Monaten an.

Piloten dürfen sich jetzt Astronauten nennen

Die Höhe von 83 Kilometern liegt über der Schwelle von 50 Meilen (80,5 Kilometer), die vom US-Militär und der Raumfahrtbehörde Nasa als Grenze zum Weltraum betrachtet wird. Die beiden Piloten dürfen sich damit nach den Vorgaben der US-Flugaufsicht FAA Astronauten nennen. International wird dagegen die gedachte Karman-Linie in Höhe von 100 Kilometern als Grenze betrachtet.

Von den privaten Raumfahrtunternehmen hat sie eine „New Shepard“-Rakete des Amazon-Gründers Jeff Bezos bislang erreicht, jedoch bei einem unbemannten Flug.

Weltraum-Pioniere Branson, Bezos und Musk

Branson und Bezos gehören wie SpaceX des Tesla-Gründers Elon Musk zu einer Reihe von Unternehmen, die darum wetteifern, als erste zahlende Passagiere in den Weltraum zu befördern. Kritiker werfen Branson vor, seine Versprechen in den vergangenen Jahren nicht eingehalten zu haben.

Bislang haben fast 700 Personen Geld für einen Flug in einem Virgin-Raumflugzeug hingelegt, darunter der Schauspieler Leonardo DiCaprio und der Popstar Justin Bieber. Ein 90-minütiger Flug soll 250 000 Dollar kosten.

Erst im Februar war die Trägerrakete „Falcon Heavy“ des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ins All katapultiert worden. Die ist auf dem Weg zum roten Planeten. Die „Falcon Heavy“ ist die derzeit stärkste Trägerrakete der Welt. Die 69,2 Meter hohe Rakete wird mit RP-1, einem flüssigen Gemisch aus Kohlenwasserstoff, angetrieben. Sie soll schwere Satelliten sowie das SpaceX Dragon-Raumschiff in die Erdumlaufbahn transportieren.

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