Schulleiter Timothy Kelley ist mit seinem Büro wegen der Raumnot in einen Container umgezogen. Foto: Tilman Baur

Seit Jahren kämpft die International School in Stuttgart-Degerloch um staatliche Zuschüsse vom Land und der Stadt Stuttgart. Das Geld braucht die Schule auch, um die stetig wachsende Schülerzahl zu versorgen. Ein Erweiterungsbau soll die Container im Schulhof ersetzen.

Stuttgart - Timothy Kelley hat sein Büro als Schulleiter der International School Stuttgart (ISS) in einen der vier Container auf dem Schulhof verlegt. Da die Raumnot groß ist, will auch der Chef ein Zeichen setzen. 860 Schüler besuchen die Schule, davon 700 in ihrem Stammsitz in Degerloch – vier Prozent mehr als im Vorjahr, Tendenz weiter steigend. Die Schüler kommen aus mehr als 40 Nationen, die Fluktuation ist groß, die Schulsprache Englisch, der Abschluss ist das internationale Baccalaureate. Die ISS ist die einzige Schule in Stuttgart, die das anbietet. Für Kinder, deren Eltern in internationalen Großunternehmen oder Forschungseinrichtungen tätig sind und die oft ihren Wohnort wechseln müssen, gibt es eigentlich keine Alternative. Auch 20 Prozent deutsche Kinder besuchen die Schule. „Wir führen eine Warteliste“, berichtet Schulsprecher Matthias Krusch – die sei im Moment abgearbeitet. „Wir bemühen uns, niemanden abzuweisen.“ Aber räumlich sei man am Limit. Die Fachräume seien überlastet, wegen der aktuell 70 Elftklässler und 68 Zwölftklässer brauche man aber ein erweitertes Kursangebot und genügend Raum für Naturwissenschaften. Denn für die Oberklassen müssen auch die Schüler aus der Außenstelle Sindelfingen nach Degerloch wechseln. „Da passt kein Blatt mehr dazwischen, so wie die Klassen getaktet sind“, so Krusch.

Die höchsten Schulgebühren in ganz Stuttgart

Die ISS ist auch die Schule mit den höchsten Schulgebühren in ganz Stuttgart. Zwischen 14 900 und 17 630 werden pro Nase und Jahr fällig. Meist übernehmen die Unternehmen, in denen die Eltern der Schüler beschäftigt sind, diese Gebühr. Dennoch reiche das weder aus, um einen qualitätvollen Schulbetrieb zu bieten noch um bauliche Investitionen zu tätigen. Mit der Änderung des Privatschulgesetzes in diesem Frühjahr sowie der Festlegung klarer Förderkriterien hat das Land der ISS erstmals eine verlässliche Unterstützung ermöglicht. Auch die Zuständigkeit hat vom Wirtschaftsministerium auf das Kultusministerium gewechselt. Das neue Fördermodell sieht nun für alle internationalen Schulen, die das internationale Baccalaureate anbieten, einen Sockelbetrag von 50 000 Euro und einen einheitlichen Kopfsatz von 1400 Euro für jeden Schüler der Klassen eins bis zwölf vor. Für die ISS bedeutet das, sie erhält statt bisher 850 000 Euro vom neuen Jahr an 1,075 Millionen Euro. Das hilft ihr, um den Betrieb zu stemmen, auch wenn der Fördersatz „auch in Zukunft leider nur bei einem Bruchteil dessen liegt, was vergleichbare Schulen in privater Trägerschaft an staatlicher Förderungerhalten“, wie Kelley dem OB Fritz Kuhn (Grüne) mitgeteilt hat. Das Land unterscheidet allerdings, ob eine Privatschule zu einem von Baden-Württemberg angebotenen Bildungsabschluss führt oder nicht.

Schule bittet die Stadt Stuttgart um weiteren Verzicht auf Erbbauzins

Für die bauliche Erweiterung hat Kelley die Stadt um Unterstützung gebeten. Wegen des anhaltenden Wachstums der Schule müsse man zusätzlich umfangreiche Investitionen in die Schulgebäude in Degerloch tätigen. „Um auch in Zukunft unserer Rolle als ‚Standortfaktor für international agierende Unternehmen im Raum Stuttgart’ angemessen gerecht werden zu können, beantragen wir die Verlängerung des Erbbauzinsverzichts durch die Stadt Stuttgart um weitere zehn Jahre“, heißt es in Kelleys Brief an Kuhn. Es dreht sich um einen Betrag von rund 97 000 Euro im nächsten Jahr und 110 000 Euro von 2021 an. Die Stadtverwaltung inklusive Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) hält das für angemessen. Die Zustimmung des Gemeinderats in dieser Woche gilt als sicher.

Über die konkreten Baupläne und Sanierungsvorhaben möchte Krusch noch nichts sagen, erst wolle man die Schulgemeinschaft über Details informieren, voraussichtlich im Frühjahr. Fest steht nur: „Ohne die Container wird’s nicht gehen“, so Krusch, aber die sind als Interim nur bis 2023 befristet. Das Baurechtsamt hat eine Bauvoranfrage der ISS für einen Erweiterungsbau über eine Gesamtfläche von 5200 Quadratmetern und einer Geschossfläche von 9800 Quadratmetern positiv beantwortet. Die Stadt Stuttgart schätzt das Kostenvolumen auf 15 bis 20 Millionen Euro. Es soll vor allem über Bankdarlehen und Spenden finanziert werden.

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