Bis spätestens Ende des Jahres braucht jede Wohnung in Baden-Württemberg Rauchwarnmelder – doch die Anbieter kommen mit den Bestellungen nicht nach Foto: Fotolia

Weil zum Jahreswechsel alle Wohnungen und Häuser in Baden-Württemberg und Hessen mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein müssen, ist der Markt wie leer gefegt. Verbände fordern eine Verlängerung der Frist zum Einbau der Geräte bis Ende 2015.

Stuttgart - Für die Wohnungsunternehmen in Baden-Württemberg wird es eng: Am 31. Dezember läuft die Frist aus. Von da an müsse alle Wohngebäude im Land mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein.

Das Problem: Nicht nur in Baden-Württemberg läuft die Frist aus, sondern auch in Hessen. Demnach sind bei den Anbietern von Rauchwarnmeldern in den vergangenen Monaten Bestellungen über Millionen von Geräten eingegangen. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten kommen die Wohnungsdienstleister jetzt bei den Lieferungen und der Montage nicht mehr nach. Die Wohnungswirtschaft fordert darum beim Verkehrsministerium eine Verlängerung der Frist zum Einbau der Geräte. Denn: Falls es nach dem 1. Januar in einer Wohnung ohne Rauchmelder brennt und Personen zu schaden kommen, könnten die Wohnungsunternehmen zur Haftung gezogen werden, selbst wenn sie ihre Bestellung rechtzeitig aufgegebenen haben.

Verantwortlich für den Einbau der Rauchwarnmelder sind die Immobilien-Eigentümer. Die großen Hausverwaltungen und Wohnungsunternehmen haben dafür meist Fachleute beauftragt. Das sind in der Regel Wärmemessdienstleister, die neben dem Einbau auch die jährliche Wartung der Geräte anbieten. Laut Bauordnung sind dafür zunächst zwar die Bewohner (also Mieter oder Selbstnutzer) zuständig. Viele Eigentümer übertragen allerdings auch die Wartung auf Dienstleister, um im Schadensfall in Haftungsfragen auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein.

Diese Dienstleister haben nun allerdings einige Kunden darüber informiert, dass sie ihren Verträgen nicht nachkommen können – und die Rauchmelder nicht fristgerecht liefern und montieren können.

Mehrere 10.000 Wohnungen bleiben ohne Rauchmelder

„Wir verzeichnen beim Auftragseingang seit Anfang des Jahres einen Anstieg von 300 Prozent“, sagte ein Sprecher des Energiedienstleister Ista den Stuttgarter Nachrichten. Darüber, dass womöglich nicht alle Aufträge fristgerecht erledigt werden können, hätte Ista seine Kunden bereits im August informiert.

„Bei uns ist weniger der Lieferengpass bei den Rauchwarnmeldern das Problem“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Unternehmens Minol Messtechnik. „Allerdings sind auch die Monteure auf dem Markt nur begrenzt vorhanden und stellen einen weiteren Engpass dar.“

Auch der Energiedienstleister Techem beklagt Engpässe. „Die Nachfrage nach Rauchwarnmeldern ist zurzeit leider deutlich größer als das Angebot“, sagte ein Sprecher des Dienstleisters den StN. „Wir gehen derzeit davon aus, bis Jahresende 2014 allein in Baden-Württemberg rund 50 Prozent der ursprünglich für ganz Deutschland vorgesehenen Gerätemenge montiert zu haben“, so der Sprecher. Insgesamt hat das Unternehmen für das Kalenderjahr deutschlandweit eine Nachfrage von über 700 000 Geräten erwartet.

Aufgrund der Nachfrageexplosion habe der Dienstleister zusammen mit dem Hersteller die Produktionskapazitäten ausgeweitet. Das sei aber nur bedingt möglich gewesen. „Wir werden vermutlich in mehreren 10 000 Wohnungen die Rauchwarnmelder bedauerlicherweise nicht mehr bis zum Frist­ende montieren können“, sagte der Sprecher.

Die Wohnungswirtschaft stellt dies vor ein Problem. Zwar könnten die Eigentümer nun billige Produkte im Baumarkt kaufen. Unklar ist jedoch, wer in diesem Fall für die provisorische Notlösung aufkommen muss: Die Hausverwaltungen beziehungsweise Wohnungsunternehmen oder die Dienstleister, die ihre Verträge nicht einhalten können.

Nach Ablauf der Frist drohen Bußgelder

Wenn die Wohnungsunternehmen zum Ablauf der Frist keine Rauchmelder montiert haben, drohen zwar keine Bußgelder. „Jedoch könnten unsere Mitglieder strafrechtliche und zivilrechtliche Probleme bekommen, falls es im neuen Jahr in einer Wohnung ohne Rauchmelder brennt“, sagte Sigrid Feßler, Direktorin beim Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (vbw), unserer Zeitung. Der Verband vertritt rund 300 Wohnungsunternehmen in Baden-Württemberg. „Ich gehe davon aus, dass rund ein Viertel unserer Mitglieder bis Jahresende noch keine Rauchwarnmelder haben werden“, sagte Sigrid Feßler. Darum hat der Verband am 17. November bei Winfried Hermann (Grüne), dem zuständigen Minister für Verkehr und Infrastruktur in Baden-Württemberg, einen Antrag auf Fristverlängerung gestellt. Damit steht der vbw nicht allein da.

„Auch wir haben einen Antrag auf Fristverlängerung gestellt“, sagte Diana Rivic, Geschäftsführerin des Verbands der Immobilienverwalter in Baden-Württemberg. Der Verband vertritt 340 Mitgliedsunternehmen, die insgesamt einen Bestand von rund 460 000 Eigentumswohnungen im Land verwalten. „Auch bei uns fehlen noch mehrere 10 000 Rauchwarnmelder“, sagte Rivic.

Die Wohnungswirtschaft pocht darauf, frühzeitig aktiv geworden zu sein. „Einige Wohnungsunternehmen haben sich viel zu spät um die Rauchwarnmelder gekümmert“, sagte dagegen der Minol-Sprecher. „Alle Bestellungen, die beispielsweise erst im Oktober eingegangen sind, können wir nicht mehr bis zum Ablauf der Frist montieren.“

In der Branche heißt es, die Zahl der Rauchwarnmelder, die bis zum Ablauf der Frist in Baden-Württemberg noch fehlen würden, ginge in die Millionen.

Das Verkehrsministerium zeigt sich von der Alarmstimmung derzeit unbeeindruckt: „Die Vorschrift gilt seit Juli 2013. Somit bestand ausreichend Zeit, eine Maßnahme von so überschaubarer technischer Komplexität umzusetzen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums unserer Zeitung.

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