Am besten, man raucht überhaupt nicht. Wenn es denn sein muss, scheinen E-Zigaretten etwas weniger schädlich zu sein als herkömmliche Rauchwaren.Foto:Fotolia/Ezume Images Foto:  

E-Zigaretten können helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Doch sind sie wirklich weniger schädlich? Wir beantworten diese und weitere Fragen rund um den elektrischen Glimmstängel.

Stuttgart - Die Geräte können helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Doch sind sie wirklich weniger schädlich? Wir beantworten diese und weitere Fragen rund um den elektischen Glimmstängel.

Sind E-Zigaretten gesundheitsschädlich?
Im Vergleich zum Nichtrauchen ganz eindeutig. Die Inhaltsstoffe können Allergien auslösen, schädigen die Lunge und stehen teilweise unter Krebsverdacht. Die Forscher können das Risiko aber noch nicht genau bewerten. Bei den meisten Substanzen im bunten Gemisch der Liquids wurde bisher die Gesundheitsgefahr bei Hautkontakt oder am Arbeitsplatz untersucht. Ihre Wirkung könnte aber in der E-Zigarette viel schädlicher sein, weil sie mit dem Dampf direkt in der Lunge fein verteilt werden. Frank Henkler vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt zudem, dass eine allgemeine Bewertung unmöglich ist, weil sich die Inhalte selbst beim gleichen Aroma teilweise deutlich unterscheiden. Die BfR-Forscher fordern deshalb eine Vereinheitlichung durch Reglementierung.
Sind E-Zigaretten besser als Tabak?
Bei dieser Frage ist die deutsche Öffentlichkeit schlecht informiert. In Umfragen sagen die Deutschen, sie halten E-Zigaretten für ähnlich ungesund wie Tabak oder sogar für gesundheitsschädlicher. „Aber der bestimmungsgemäße Konsum von E-Zigaretten ist deutlich ungefährlicher als Tabakrauchen“, sagt Frank Henkler. Der Grund liegt vor allem an den vielen Giften, die beim Verbrennen des Tabaks entstehen. Die Dampfer zitieren gern eine offizielle britische Studie, nach der E-Zigaretten sogar 95 Prozent weniger schädlich seien. An diesem Wert gibt es aber sehr große Zweifel. „In die Bewertung flossen 14 Kriterien ein“, erklärt Suchtforscher Heino Stöver von der FH Frankfurt, „doch für die meisten dieser Kriterien liegen selbst nach der Einschätzung der britischen Expertengruppe nicht genug wissenschaftliche Daten vor.“
Können Raucher ihr Gesundheitsrisiko durch Dampfen senken?
Dieser Gedanke liegt nahe. Aber für starke Raucher entpuppt sich der Gesundheitsvorteil durch die E-Zigarette als Milchmädchenrechnung. Wer sein tägliches Pensum von 15 Zigaretten oder mehr durch das Dampfen halbieren kann, fühlt sich zwar gesünder, weil Hustenreiz und Kurzatmigkeit abnehmen. „Aber das Risiko für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert sich dadurch nicht“, erklärt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Denn auch, wer nur wenig raucht, schädigt seine Gesundheit erheblich. Bei den tabakbedingten Krebsarten gehe durch die Halbierung der täglichen Dosis nur das Risiko für Lungenkrebs zurück, sagt Schaller.
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Helfen E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung?
Diese Frage lässt sich noch nicht beantworten. Christoph Kröger, der seit vielen Jahren Raucherentwöhnungskurse begleitet, bezweifelt den Nutzen. 40 Prozent der Teilnehmer seiner Kurse, die sich das Rauchen ohne Hilfsmittel abgewöhnen wollen, sind auch nach einem Jahr noch abstinent. „Wenn die Teilnehmer als Unterstützung zur E-Zigarette greifen, sinkt dieser Wert auf 19 Prozent“, sagt der Psychologe. Nikotinpflaster oder Medikamente erreichen auch keine besseren Resultate. Die Entscheidung, ob der Dampf die Tabakzigarette ersetzen kann, falle beim Raucher in den ersten vier Wochen, beobachtet Silke Kuhn, Psychologin vom Zentrum für Suchtforschung der Uni Hamburg. Das treffe auf 89 Prozent der Ex-Raucher zu, die dauerhaft auf E-Zigaretten umgestiegen seien. „Wer länger E-Zigarette und Tabak konsumiert, entwickelt sich eher zum Doppelnutzer“, sagt sie. In Deutschland laufen derzeit 15 Studien zu diesem Thema. In Großbritannien ist die E-Zigarette dagegen bereits das wichtigste Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung und wird etwa doppelt so oft eingesetzt wie Nikotinpflaster.
Sind E-Zigaretten ein Einstieg zum Rauchen?
Die Antwort auf diese Frage ist umstritten, aber es gibt nur wenig Hinweise auf einen Anreizeffekt. Statistiken des DKFZ besagen, dass etwa 30 Prozent der Jugendlichen in Deutschland zwischen zwölf und 17 Jahren E-Zigaretten mindestens einmal ausprobiert haben, darunter seien auch viele Nichtraucher. Viele Experten bezweifeln aber, dass dieser erste Kontakt mehr ist als nur ein Test. Britische Studien haben ermittelt, dass nur die Jugendlichen E-Zigaretten verwenden, die gleichzeitig auch rauchen. Insgesamt sind E-Zigaretten bei Jugendlichen nicht beliebt.
Warum entscheiden sich die Konsumenten für E-Zigaretten?
Bei Befragungen geben die Dampfer vier Gründe besonders oft an: E-Zigaretten sind günstiger als herkömmliche Rauchwaren. Viele Nutzer wollen den Zigarettenkonsum reduzieren. Der Wechsel der Aromen ermöglicht verschiedene Geschmackserlebnisse. E-Zigaretten dürfen auch dort konsumiert werden, wo Rauchen verboten ist. Je nach Gruppe, die befragt wurde, wird mal die eine, mal die andere Motivation besonders häufig genannt.
Werden E-Zigaretten von Gesundheitsexperten empfohlen?
Die meisten Experten äußern sich sehr zurückhaltend, aber nicht ablehnend. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Langzeitfolgen dieses Produkts noch nicht ausreichend erforscht. Zum anderen verwenden viele Dampfer nikotinhaltige Liquids, und dadurch bleibt ihre Nikotinabhängigkeit unverändert erhalten. Generell könnten E-Zigaretten die jahrelange Aufklärungsarbeit über die Folgen des Tabakkonsums untergraben, weil sie zu einem positiven Image des Rauchens beitragen könnten. Auch der Nichtraucherschutz bröckelt, wenn geruchsintensive E-Zigaretten dort erlaubt sind, wo Rauchen eigentlich verboten wurde.
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