Eine Passantin beteiligt sich an der Unterschriftenaktion von Natalia Schenker (rechts). Foto: Werner Kuhnle

Nach Vorfällen am Bahnhof Bietigheim-Bissingen hat eine Mutter eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein Zeuge und die Angehörige eines Opfers gehören zu den Unterzeichnern.

Wenn Natalia Schenker daran denkt, was sich in jüngster Zeit rund um den Bahnhof in Bietigheim-Bissingen abgespielt hat, bekommt sie Gänsehaut. Seit Ende des vergangenen Jahres hat es in diesem Teil der Stadt mehrfach Raubüberfälle gegeben. Deshalb geht die 46-Jährige derzeit mit einer Unterschriftenaktion in die Initiative.

 

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein Vorfall Ende Juni, als ein 17-jähriger Teenager im Bahnhofsumfeld überfallen wurde. Als Mutter eines gleichaltrigen Sohnes macht sich Schenker, die in Bietigheim arbeitet und seit 22 Jahren in der Stadt wohnt, nun große Sorgen. Ihr Kind ist ab dem Herbst auf den Zug angewiesen, um zur Schule und zum Praktikum zu kommen. Für Natalia Schenker war klar: Sie muss etwas tun.

Bietigheimerin will Liste dem Oberbürgermeister überreichen

So ist die Idee entstanden, Unterschriften zu sammeln. „Ich habe mir überlegt, wie ich die Menschen erreichen kann“, sagt sie. Deshalb entschied sie sich, vor dem Eingang eines Baumarktes in der Geisinger Straße um schriftliche Unterstützung zu bitten.

Bei einem ersten Termin sind bereits mehr als 100 Unterschriften zusammengekommen. An diesem Freitag ging die Aktion weiter, allerdings nicht direkt am Bahnhof. „Das traue ich mich alleine nicht“, sagt Natalia Schenker. Auch an diesem Samstag, 12. Juli, möchte sie von 14 Uhr an wieder vor dem Obi-Markt sammeln. Ihr Ziel: „Mit mehr als 1000 Unterschriften wäre ich glücklich“, sagt sie. Zusammen mit einem Begleitschreiben möchte die 46-Jährige die Liste Oberbürgermeister Jürgen Kessing und dem Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen bei dessen nächster Sitzung am 22. Juli übergeben.

Mutter eines Opfers ist von der Aktion berührt

Bewegt von der Aktion zeigte sich die Mutter eines der Opfer der Raubüberfälle. Ihr erwachsener Sohn sei in der Nacht auf den ersten Advent von einer Gruppe vermummter Männer attackiert worden, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. „Er leidet noch immer sehr darunter“, berichtet sie. Ihr Sohn meide seither den Bahnhof und gehe nur noch dann außer Haus, wenn es nötig sei. Die Frau dankte Natalia Schenker herzlich für ihr Engagement.

Im Umfeld des Bahnhofs in Bietigheim hat es in den vergangenen Monaten Raubüberfälle gegeben. Foto: Simon Granville

Auch Christof Langer, der sich mit seiner Unterschrift beteiligt, hat die Kriminalität am Bahnhof erlebt. Er war in jüngster Zeit zufällig mit seiner Frau dort unterwegs, als die beiden mitbekamen, wie eine Fremde auf dem Bahnhofsvorplatz bedroht und ihr Geld abgenommen wurde. „Wir haben gehört, wie die Frau um Hilfe gerufen hat“, schildert der Bietigheimer. Mit einem selbstbewussten Auftreten sei er eingeschritten, habe den Täter anschließend angezeigt. Auch Langer hat den Eindruck, dass sich die Vorfälle am Bahnhof häufen.

Fraktionen sehen ebenfalls Handlungsbedarf

„Das sind nicht nur Einzelfälle“, sagt Natalia Schenker. Die Leute seien verunsichert, viele hätten inzwischen Angst. Mit ihrer Unterschriftenaktion fordert sie eine stärkere Präsenz von Polizei und Ordnungsdiensten rund um die Uhr, vor allem in den Morgen-, Abend- und Nachtstunden. Auch weitere Maßnahmen wie Überwachungskameras und eine bessere Beleuchtung rund um das Bahnhofsareal hält sie für denkbare Lösungen.

Bereits im Februar dieses Jahres hatten sich alle Fraktionen nach einem entsprechenden Antrag der SPD für eine Videoüberwachung im Bahnhofsbereich ausgesprochen. Damals hieß es zudem seitens der Verwaltung, man überlege, den Ordnungsdienst in diesem Gebiet auszuweiten. Mit ihrer Unterschriftenaktion will Schenker die Dringlichkeit solcher Maßnahmen unterstreichen.

Polizei will weiterhin Präsenz zeigen

Wie das Polizeipräsidium mitteilt, stehen das Revier Bietigheim-Bissingen und die Stadtverwaltung im Austausch, was noch getan werden kann, um das Sicherheitsempfinden zu verbessern. Als mögliche Beispiele werden bauliche Veränderungen und bessere Beleuchtungsverhältnisse genannt.

Gehäuft haben sich die Raubüberfälle vor allem rund um den Jahreswechsel. „Nachdem es Ende 2024/Anfang 2025 vermehrt zu Straftaten im Bahnhofsbereich gekommen war, wurde vom zuständigen Polizeirevier eine Einsatzkonzeption erstellt und unter anderem mit starken Präsenzmaßnahmen reagiert“, teilt das Präsidium mit. Die stärkere Sichtbarkeit der Polizei habe schon in kurzer Zeit Wirkung gezeigt. Seit Januar sei nur noch eine Raubstraftat, nämlich die vom 30. Juni, verzeichnet. Obwohl sich die Lage nach Kenntnis der Polizei deutlich entspannt hat, setze das Revier im Bahnhofsbereich weiterhin auf Präsenzmaßnahmen.