Fahndungsfall: Zwei Tatverdächtige vor ihrem Überfall in einem Wohnhaus in Sindelfingen. Foto: Polizei

Sie brechen ein oder sie klingeln an der Tür – und sie gehen rabiat vor: Unbekannte Räuber suchen Wohnungen heim. Die Opfer sind zwischen 21 und 88 Jahre alt.

Es ist ein Albtraum, nicht nur für alleinstehende Frauen. Drei Männer, mit Sturmhauben, schwarz gekleidet, dringen nachts über ein Kellerfenster in das Haus einer Seniorin auf der Waldau in Degerloch ein. Das Opfer hat keine Chance. Die Täter fesseln sie, sammeln Schmuck und Bargeld zusammen und verschwinden. Irgendwann kann sich die Bewohnerin aus den Fesseln befreien. Um 3.20 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein. Seit jener Nacht zum vergangenen Freitag suchen die Ermittler vergebens nach dem Einbrecher-Trio.

 

Solcherlei Überfallkommandos schlagen derzeit häufiger zu. Knapp zwei Wochen zuvor hat es einen 88-Jährigen getroffen. Stundenlang liegt er hilflos in seiner Wohnung am Prießnitzweg in Bad Cannstatt, ehe seine verzweifelten Rufe kurz vor Mitternacht von einem Nachbarn gehört werden. Der Täter kam hier nicht als Einbrecher, sondern als angeblicher Buchverkäufer, um sich an jenem Abend Zugang in die Wohnung des Seniors zu verschaffen. „Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Daniela Treude. Auch wenn hier wie dort auffallend groß gewachsene Täter agiert haben – etwa 1,90 Meter.

Die 1,90 Meter spielten auch Anfang März in Sindelfingen (Kreis Böblingen) eine Rolle, als ein 40 bis 45 Jahre altes Duo – mit ähnlicher Beschreibung wie im Cannstatter Fall – an der Wohnungstür einer 21-Jährigen in der Bahnhofstraße klingelte. Als das Opfer die Tür öffnete, drangen die Männer in die Wohnung ein, flüchteten mit Schmuck und Bargeld. Warum wurde ausgerechnet die junge Frau in dem Mehrfamilienhaus heimgesucht? Die Ermittler rätseln. „Mutmaßlich war es keine willkürliche Tatbegehung“, sagt André Kielneker, Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Ludwigsburg, „die Ermittlungen gehen da noch in alle Richtungen.“

Die Fälle des Jahres 2025 noch unter Aktenzeichen unbekannt

Bei dem Raubüberfall auf einen 37-Jährigen am 21. Juni in Murr (Kreis Ludwigsburg) hatte es immerhin eine Vorgeschichte gegeben, die das Überfallkommando angelockt haben könnte: Der Bewohner hatte über ein Online-Anzeigenportal eine Goldmünze für mehrere Hundert Euro angeboten. Zwei vermeintliche Interessenten, mit auffälligen Tätowierungen, entpuppten sich als Räuber – und schlugen ihr Opfer nieder. „In unseren Fällen gibt es keine Hinweise, dass zuvor Kaufinteresse für Wertsachen eine Rolle gespielt hätte“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Treude.

Überhaupt ist es mit der Aufklärungsquote nicht so gut bestellt. Drei Raubüberfälle in Stuttgarter Wohnungen laufen unter Aktenzeichen unbekannt. Das gilt für den Überfall auf einen 60-Jährigen im Griesingerweg im Stuttgarter Osten, der am 5. Januar von einem rabiaten Duo, um die 1,85 Meter groß, angegriffen wurde. Die Männer brachen die Wohnungstür gewaltsam auf, schlugen auf den 60-Jährigen ein und forderten Bargeld. Mit 1500 Euro und einem teuren Smartphone machten sie sich aus dem Staub.

Dramatische Fälle – am Ende mit zwölf Jahren Haft

Ähnlich wie im jüngsten Degerlocher Fall ging es am 30. Januar in der Sonnenbergstraße im Stuttgarter Süden zu. Drei maskierte Einbrecher überraschten die 55-jährigen Eheleute morgens um vier im Schlaf, raubten Schmuck für Hunderttausende Euro sowie zwei Mobiltelefone. Das Trio entkam. Nur zwei Tage später wurde eine 45-jährige Frau in ihrer Wohnung an der Schmidener Straße in Bad Cannstatt überfallen – diesmal von einem Duo, aber ebenfalls maskiert und dunkel gekleidet. Die Täter hatten zuvor geklingelt.

Gibt es hier einen besorgniserregenden Trend – ähnlich wie schon 2024? Im September hatte es unter anderem zwei Raubüberfälle in Waiblingen und in Esslingen gegeben, jeweils mit zwei Tätern. Zwei weitere Fälle im September 2024 in Bad Cannstatt und Degerloch konnten dagegen rasch geklärt werden. In einem Fall wurde ein mutmaßlicher 36-jähriger Drogendealer festgenommen, im anderen war’s ein 24-Jähriger unter Drogeneinfluss. Besonders dramatisch war Mitte August ein Überfall in Stuttgart-Süd verlaufen: Eine 15-Jährige wurde von einem 23-jährigen Wohnsitzlosen im Schlaf angegriffen und niedergestochen. Er ist zwischenzeitlich zu zwölf Jahren Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt.