Passanten können einen Handtaschenraub vereiteln. Foto: Georg Friedel (Symbolbild)

Eine 76-jährige Frau wird Opfer eines Raubüberfalls. Sie ist begeistert von den Passanten, die ohne zu zögern eingeschritten sind. Auch die Polizei profitierte davon.

Stuttgart - „Ohne die Helfer wäre ich aufgeschmissen gewesen“, sagt Maria Steinmann (Name geändert). Die Helfer, das sind die Passanten, die nicht wegsahen, als die 76-Jährige am Montag, 4. März, von einer Frau überfallen wurde. Die Räuberin versuchte, ihr die Handtasche wegzureißen. „Ich hatte sie mit dem Riemen quer über den Oberkörper, sie kam nicht dran“, schildert die Seniorin.

Den Schreck des Überfalls hat Maria Steinmann inzwischen überstanden. Neben dem Schrecken hatte sie noch die Sorge, ob eine Verletzung ihre erst vor kurzem operierte Hüfte beschädigt haben könnte. „Aber es ist zum Glück nichts passiert“, erzählt die Stuttgarterin erleichtert. An jenem Montag fuhr sie nach Bad Cannstatt, um Wolle zu kaufen. Einen Einkaufstrolley hatte sie dabei. Zum einen, weil sie viel Wolle brauchte, denn ihr Ehemann bekommt einen neuen Pulli gestrickt. Zum anderen, weil sie ihn wegen ihrer Hüftprobleme gerne als Stütze benütze, sagt Steinmann.

An der Marktstraße in Bad Cannstatt geschah es dann. „Sie kam wie aus dem Nichts plötzlich auf mich zu“, sagt die 76-Jährige. Die Fremde habe sich direkt auf die Tasche gestürzt, und dann von hinten am Gurt gezerrt. Dabei stürzte Maria Steinmann.

Ein Taxifahrer kann die Räuberin stellen

Auf die Szene wurde ein Taxifahrer aufmerksam. Er griff sich die Frau und drückte sie an eine Wand, damit sie nicht abhauen konnte. Weitere Männer seien dazu gekommen. Das Raubopfer bat dann eine Frau, die sich um sie kümmerte, die Polizei zu verständigen. Von den umstehenden Männern habe das keiner gemacht, sie seien auf diese Bitte hin weggegangen. „Ohne die Frau und den Taxifahrer wäre ich aufgeschmissen gewesen“, sagt Maria Steinmann. Sie besitze nicht einmal ein Handy. „Ich hätte höchstens in die Apotheke dort gehen können und von dort telefonieren“, überlegt die 76-Jährige rückblickend. An das Geld, das sie mit sich trug, dachte sie im ersten Moment nicht. „Ich hatte ausnahmsweise mal viel dabei, 300 Euro, ich wollte ja schließlich einkaufen.“ Die Tasche trage sie immer schräg umgehängt – ein Umstand, der ihr nun geholfen hat, denn sie war nicht leicht von der Schulter zu reißen.

Das Ereignis soll nicht viel Raum bekommen in der Erinnerung, Maria Steinmann hat es für sich verarbeitet. Was ihr aber keine Ruhe lässt: „Ich konnte mich bei der Frau nie bedanken.“ Den Taxifahrer habe sie inzwischen erreichen können, die Polizei stellte den Kontakt her. Nun hofft sie, dass auch noch die Frau durch die Zeilen in unserer Zeitung erfährt, wie wichtig ihr Einschreiten für sie als Opfer war. „Es war relativ wenig los in der Marktstraße, es war Rosenmontag, also in den Ferien“, erinnert sie sich. „Man hört ja immer, dass es viele Gaffer gibt aber wenig Helfer – aber ich bin froh, dass das nicht so ist, wie man meint“, fügt sie hinzu. Auch die Polizei hatte etwas vom schnellen Eingreifen der Passanten: Die 30-jährige Tatverdächtige konnte festgenommen werden. Sie kam in Untersuchungshaft.

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