Der Bezirksvorsteher Edgar Hemmerich wurde in Ketten gelegt. Foto: Ott

Der Bezirksvorsteher Edgar Hemmerich bibbert: Die Narren stürmen das Rathaus und rufen das Königreich Plieningen aus.

Plieningen - Am Ende blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als dem Röslesland auf ewig seine Treue zu schwören. Und zwar „hoch und heilig“, sagte Edgar Hemmerich, der Bezirksvorsteher von Plieningen und Birkach. Den hatten die Hexen und die Deifl aus dem Flecken erst aus seinem Rathaus an der Garbe geworfen, nur um ihn kurz darauf im Plieninger Mönchhof an einen Stuhl zu ketten. Dort riefen sie ihn zum neuen König aus, damit er als erste Amtshandlung sogleich das Alte Rathaus mit einer Klobürste und Wasser aus der im Sommer versiegten Hagenwiesenquelle segnen konnte.

Es war das zweite Mal, dass das Rathaus gestürmt wurde. In Degerloch und Sillenbuch gab es hingegen noch keinen einzigen Rathaussturm. Sonderlich verbreitet ist der Brauch in Stuttgart nicht. Anders in den Fasnetshochburgen, wo es gute Sitte ist, am Schmotzigen Donnerstag in die Amtsstuben einzudringen und die Übergabe des Rathausschlüssels zu verlangen. Nachdem Hemmerich im vergangenen Jahr nur einen Pappschlüssel herausgerückt hatte, weil er seinen echten behalten wollte, hatte er dieses Mal bei Albert Hertig, einem Plieninger Hobbyschnitzer, ein kniehohes Exemplar aus Holz bestellt.

Die ersten, die den Schlüssel gegen 15 Uhr in Empfang nahmen, waren die Plieninger Rösles Deifl. Die kamen noch, ganz wie es sich gehört, durch die Tür, dafür aber als Schlümpfe verkleidet. Die Birkacher Birckhe Bronna Hexa kletterten lieber durchs Fenster. Die Plieninger Feuerwehr hatte ihnen eine Leiter aufgestellt. Kurz darauf fuhr Konrad Ehlers mit einer Pferdekutsche vor und transportierte den Delinquenten Hemmerich in Richtung Martinskirche. Die Freiwillige Feuerwehr, das Rote Kreuz und die Trachtenfreunde von den Lederhosen standen Spalier, und auch einige Mitglieder des örtlichen Schützenvereins schauten vorbei, um in die Luft zu ballern. Und hinterher gab’s Schnaps für alle.

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