In der Faschingshochburg Murr ist man im Rathaus gut gerüstet für den Narrensturm – Termin hin oder her.
„Murr muss man mögen“, lautet der charmante Werbeslogan der Gemeinde. Inoffizieller Zusatz: Wer Murr mag, muss auch Fasching mögen. Immerhin ist hier mit den Carnevalsfreunden Murr ein großer Faschingsverein ansässig und die Kommune zählt zu einer der Faschingshochburgen im Kreis.
Also ist der 11.11. auch nicht irgendein Tag in Murr. Die fünfte Jahreszeit beginnt um Punkt 11.11 Uhr – und da ballern die Kanonen, die Menge vor dem Rathaus jubelt und der Bürgermeister schreckt aus seinem Büroschlaf hoch. Torsten Bartzsch ist Karnevalsprofi, seit 13 Jahren im Amt und schon während des Wahlkampfs anno 2012 mit dem närrischen Treiben im Ort vertraut gemacht worden.
Narrenkappe griffbereit
Heißt: Das Rathaus ist gut gerüstet für den Sturm von Karnevalisten, Fasnachtern und Co. Die Türen sind verschlossen, Torsten Bartzsch hat die Narrenkappe griffbereit, der Balkon im ersten Stock wurde übergangsweise als Amtsstube des Bürgermeisters hergerichtet. Ob er an seinem echten Schreibtisch auch Luftschlangen und Ballons hängen hat?
Wie auch immer. Einen Termin mit den Carnevalsfreunden hat er heute nicht im Kalender, frotzelt der Bürgermeister. Überhaupt hat er viel zu tun und keine Zeit. Zu allem Überfluss „fehlen uns die ganzen Kissen, auf die wir sonst den Kopf drauflegen. Die sind in der Wäscherei. Wir wissen nicht, was wir tun sollen“, spricht Bürgermeister Bartzsch vom Balkon.
Doch irgendwie – man ahnt es – klappt es dann doch. Eine Rathaus-Mitarbeiterin im Kürbiskostüm reicht dem Bürgermeister einen Kugelschreiber, eine Kollegin mit lustiger Brille einen riesigen Telefonhörer.
Sonderakte für Krawatten
Und dann ist da ja noch Sarah Väth, Präsidentin der Carnevalsfreunde. Sie bringt flink die Aktenordner in die richtige Reihenfolge: „Genehmigungen für Bombole-Weitwurf“ (wichtig), „Sonderakte für Bürgermeister-Krawatten“ (naja) und „Tanzverbot für Polonäse“ (unwichtig). Und sie wimmelt einen lästigen Bürger am großen Telefonhörer ab.
Dann ist die Arbeit auch schon geschafft und der Bürgermeister samt Rathausmannschaft haben Zeit für Fasching. Der Schlüssel zum Rathaus wird auf einem kuscheligen Kissen überreicht. Doch halt! Ist das nicht das Kissen, auf das der Bürgermeister so gern seinen Kopf legt? Murrtal helau!