Mit einem Korb voller Pilze kommen manche Sammler nach Hause. Um welche Art es sich handelt, verrät bei vielen Exemplaren der Duft, den sie verströmen. Doch Vorsicht! Im Korb können sich auch giftige Pilze befinden. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bei einer Pilzvergiftung zählt jede Minute. Auf keinen Fall sollte man versuchen, sich selbst zu kurieren, sondern sofort die Notrufnummer 112 wählen und einen Arzt aufsuchen. Was Betroffene und Angehörige unbedingt tun sollen, erklären Experten.

Stuttgart - Pfifferling, Steinpilz, Stockschwämmchen, Speisemorchel, violetter Rötelritterling, Mohrenkopf-Milchling und Riesenschirmling gehören zu den beliebtesten Speisepilzen der Deutschen. Aber Vorsicht beim Sammeln im Wald: Mancher Speisepilz hat einen giftigen oder ungenießbaren Doppelgänger.

Wer nach dem Verzehr von Pilzen eine Vergiftung bei sich vermutet, sollte auf keinen Fall zu vermeintlichen Hausmitteln greifen, ohne einen Arzt gefragt zu haben. Auch sollten Betroffene sich nicht zum Erbrechen bringen, warnt die Johanniter-Unfall-Hilfe.

Richtig ist: Ruhe zu bewahren und die Notrufnummer 112 zu wählen. Da sich der Gesundheitszustand mit Vergiftungen jederzeit verschlechtern kann, sollten Betroffene nicht selbst fahren, sondern zum Arzt oder ins Krankenhaus transportiert werden.

Anzeichen für eine Pilzvergiftung

Anzeichen für eine Pilzvergiftung treten manchmal erst Stunden oder sogar Tage nach der Mahlzeit auf. Zu ihnen gehören Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche und eine Gelbfärbung der Haut. Selbst geringe Mengen bestimmter Pilzgifte können schwere Vergiftungen auslösen, in manchen Fällen enden diese tödlich.

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Wer den leisesten Verdacht einer Pilzvergiftung hat, sollte sofort zum Arzt gehen, empfiehlt Peter Karasch von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). „Es gibt auch harmlosere Unverträglichkeiten, aber wenn man den Verdacht hat, dass man sich vertan haben könnte, sollte man die Sache auf keinen Fall abtun.“

Sind noch Reste der Pilz-Mahlzeit vorhanden, sollte man sie aufbewahren – ebenso Erbrochenes. „So können unsere Experten rasch analysieren, ob es sich tatsächlich um einen Giftpilz handelt, und entsprechende Maßnahmen ergreifen“, ergänzt Andreas Schaper vom Gift-Informations-Zentrum (GIZ) Nord in Göttingen.

Immer auf Nummer sicher gehen

Sammler sollten nur solche Pilze einstecken, die sie genau kennen. Wenn man unsicher ist, sollte man lieber die Finger von dem Pilz lassen oder sich Rat holen, zum Beispiel von Pilz-Sachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM).

„Wer Pilze sammelt, sollte sich zu 150 Prozent sicher sein“, rät Karasch. „Lassen Sie den betreffenden Pilz im Zweifelsfall lieber stehen. Oder Sie sammeln Ihnen unbekannte Arten in einem separaten Behälter und wenden sich an einen Sachverständigen, der ihre Funde begutachtet.“

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Notrufnummern der Gift-Informations-Zentralen

Die Symptome einer Pilzvergiftung treten erst einige Zeit nach dem Verzehr ein, wie Schaper weiter erläutert. Beim Knollenblätterpilz beispielsweise beträgt die Spanne acht bis 24 Stunden.

Besteht der Verdacht auf eine Pilzvergiftung, rät der Experte, sollte man so schnell wie möglich ein Giftinformationszentrum kontaktieren.

Hier finden Sie die Notrufnummern der Gift-Informations-Zentrale Freiburg und der sieben anderen Gift-Notruf-Zentralen in Deutschland:

Was bringen Pilz-Apps?

Pilze schnell und einfach bestimmen zu können – damit locken auch diverse Apps. Doch Pilzsammler sollten sich nicht blind auf die Vorschläge der Software verlassen, rät die DGfM. Apps könnten zwar vorhandenes Wissen ergänzen, Sammelerfahrungen ersetzten sie jedoch nicht.

„Pilze verändern sich zum Beispiel mit zunehmendem Alter und sehen bei feuchter Witterung anders aus als bei Trockenheit“, erklärt Karasch. Die mehr als 6000 bekannten in Deutschland heimischen Großpilze mit ihrem variablen Aussehen könne keine App in all ihren Formen wiedergeben. Spätestens bei der Beurteilung, ob ein Vorschlag zutrifft oder nicht, seien schwerwiegende Irrtümer möglich. Deshalb empfiehlt die DGfM generell keine Apps zur Bestimmung.

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Zwar hätten Apps oft mehr Bilder zu einzelnen Pilzen als ein Bestimmungsbuch, sagt der Toxikologe Siegmar Berndt vom DGfM-Fachausschuss Pilzverwertung und Toxikologie. „Für das Auge eines unerfahrenen Pilzsammlers sieht etwa ein Perlpilz dem Pantherpilz zum Verwechseln ähnlich. Doch das kann fatale Folgen haben. Denn der Pantherpilz ist sehr toxisch“

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