Heimat glücklicher Menschen: Schneebedeckte Fichten in der Taiga Foto: imago//Arterra

Kolumnist KNITZ über lähmende Tischgespräche, einen Weg zur Glückseligkeit und den Vorteil von großen Ohren.

Man müsste einen Finnen kennen. Dann könnte man ihn fragen, warum er eigentlich glücklicher ist als unsereins.

 

Nicht nur bei Pisa-Studien, auch bei Glücksumfragen liegt der Finne stets vorn. Da könnte man vor Neid erblassen, sollte dabei aber beachten, dass Neid der erste Schritt ins Unglück ist.

Trunksucht führt kaum zum Glück

KNITZ kennt keinen Finnen, doch er kennt ein paar finnische Filme. Soweit KNITZ sich erinnert, wird da viel getrunken. Nach dem Verständnis von KNITZ führt Trunksucht kaum zum Glück, sondern in die Depression.

Am Wochenende saß KNITZ mit ein paar Freunden zusammen. Es gab gutes Essen und guten Wein und obwohl – wie es bei formellen Einladungen manchmal so schön heißt – „fürs leibliche Wohl gesorgt war“, nahm das Gespräch einen unguten Verlauf: Man unterhielt sich über Krankheiten und die Erbschaftssteuer.

Nun sollte KNITZ vielleicht erwähnen, dass die anwesenden Damen und Herren allesamt einen kreuzfidelen Eindruck machten. Es ging also eher darum, vom Siechtum und vom Ableben anderer zu berichten. Solche Erzählungen münden dann nicht selten in die Erkenntnis: „Die Einschüsse kommen näher.“ So auch in diesem Fall.

Was für ein saublöder Satz! KNITZ hält sich für einen liberalen Geist. Aber manche Sätze gehörten verboten. Oder zumindest an den Pranger gestellt.

Warum prämiert niemand die „Floskel des Jahres“?

Irgendeine Kommission kluger Menschen wählt doch immer das „Unwort des Jahres“. Warum prämiert eigentlich niemand die „Floskel des Jahres“? KNITZ hätte da einen heißen Kandidaten, der nur noch übertroffen wird von der Netzweisheit „Armes Deutschland“.

KNITZ hört sich das immer eine Weile an, dann versucht er dem Gespräch durch Zoten und alberne Bemerkungen eine andere Richtung zu geben. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. In dem Fall hat es hingehauen.

In einem Zeitungsartikel zur Glückstudie hat KNITZ ein schönes Zitat aufgeschnappt. „Menschliches Glück wird von unseren Beziehungen mit anderen getragen.“ Eine Autorin der Forschungsarbeit hat das gesagt – und wenn KNITZ den Satz richtig interpretiert, könnte ein Schritt zur Glückseligkeit sein, dass man sein Dasein nicht allein fristet, sondern sich mit angenehmen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen umgibt und nach Möglichkeit Miesepetras und Miesepeter meidet.

Vielleicht sollten wir uns allesamt „Menschliches Glück wird von unseren Beziehungen mit anderen getragen“ hinter die Ohren schreiben. Doch diese Erkenntnis stellt KNITZ seinerseits vor ein Problem.

Es bräuchte schon gewaltige Ohren, damit der Satz Platz hat. Außerdem benötigt man hohes handwerkliches Geschick, um sich den Satz selbst hinter die Ohren zu schreiben. Wenn er dort dann steht, bräuchte es einen Mitmenschen, um ihn vorzulesen. Was wiederum für die menschliche Gemeinschaft spricht.

Sie merken, liebe Leserinnen und Leser, wegen Siechtum und Erbschaftssteuer kommt man auf die wahren Probleme im Leben oft nicht zu sprechen.