Im Ludwigsburger Mordprozess gab es am siebten Verhandlungstag eine besondere Ankündigung der Angeklagten. Zudem haben mehrere Zeugen von überhöhten Geschwindigkeiten berichtet.
„Ich habe noch nie ein so lautes Geräusch gehört, ich dachte, da fliegt ein Helikopter über uns“, erklärte ein 22-jähriger Zeuge am siebten Tag des Ludwigsburger Raser-Prozesses. Der junge Mann hatte am 20. März 2025 die vorbeidonnernden Autos und den anschließenden Zusammenstoß vor der Aral-Tankstelle in der Schwieberdinger Straße beobachtet.
Er war einer von mehreren Zeugen vor der 19. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart, die am Montag berichteten, wie sie den Unfall und die Angeklagten wahrnahmen. Alle bestätigten mehr oder weniger deutlich den Anklagevorwurf eines verbotenen Autorennens.
„Meiner Meinung nach fuhren die beiden ein Rennen. Ich war total schockiert.“
Zeuge, der am 20. März am Unfallort war
Bei der Polizei hatte der 22-Jährige die Geschwindigkeit der zwei Mercedes-Limousinen auf 100 bis 150 Kilometer pro Stunde geschätzt. „Meiner Meinung nach fuhren die beiden ein Rennen. Ich war total schockiert, als es gekracht hatte. Es war bereits das zweite Mal, dass ich einen solchen Unfall erlebt habe“, führte der junge Mann weiter aus. Er habe sofort den Notruf gewählt, ein paar Minuten später seien Feuerwehr und Notarzt vor Ort gewesen.
Er erinnere sich sogar daran, einen Polizisten angeschrien zu haben, weil er den Eindruck hatte, diese würden sich nicht um die Rettung der Unfallopfer kümmern. „Ein Feuerwehrmann hat mir dann gesagt, dass sie die zwei Frauen nicht aus dem Auto kriegen“, ergänzte er. Als er das sagte, brachen am Montag einige der Angehörigen im Saal in Tränen aus.
Autos seien „vorbeigeschossen“
Ein 37-jähriger Zeuge berichtete, wie er schräg gegenüber der Aral-Tankstelle auf der anderen Seite der Schwieberdinger Straße mit einem Bekannten gestanden habe, um diesem die Waschstraße zu zeigen. „Da habe ich ein lautes Motorröhren gehört und zwei Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit Richtung Autobahn fahren sehen“, erzählte er.
Die beiden Autos seien an ihm „vorbeigeschossen“, ihm sei sofort der Gedanke an ein Autorennen gekommen. „Ich habe mir noch gedacht, das geht nur so lang gut, bis es irgendwann knallt. Prompt habe ich kurz darauf einen Knall gehört und gesehen, wie sich ein Auto überschlagen hat“, berichtete der 37-Jährige weiter.
Er habe dann bei der Polizei angerufen und gesehen, wie einer der Fahrer ausgestiegen sei und sich entfernen wollte. Dann habe er eine Stimme gehört, die gerufen habe: „Was hast du gemacht? Bleib hier!“ Vom Fenster eines Restaurants gegenüber der Tankstelle aus hatte eine 37-jährige Zeugin die Kollision beobachtet. „Ich habe erst ein lautes Motorengeräusch gehört, dann sah es so aus, als ob ein Auto durch die Luft fliegen würde“, berichtete sie den Richtern. Die Autos seien nicht mit der in der Stadt üblichen Geschwindigkeit gefahren. „Die spinnen doch“, habe sie zu ihrer Freundin am Tisch gesagt.
Das Verhalten der drei Angeklagten etwa eine halbe Stunde vor dem Unfall hatte eine 54-jährige Anwohnerin beobachtet – auch sie sagte am Montag vor Gericht aus. Sie blickt aus ihrer Wohnung in der Uhlandstraße direkt auf einen Dönerimbiss gegenüber, in dem sich die Männer zwischen 19 und 19.30 Uhr getroffen hatten. „Die Autos waren direkt vor dem Imbiss abgestellt, sie waren sehr gepflegt und hochglanzpoliert“, erinnerte sich die Frau, die ihre an Autos interessierte Tochter darauf aufmerksam machte.
Angeklagte wollen schon bald eine Erklärung abgeben
Die Männer seien „erkennbar stolz“ auf ihre Autos gewesen. „Sie haben sich gegenseitig gefeiert mit Bro-Gehabe und auf cool gemacht“, erklärte sie. Beim Wegfahren seien zwei Autos fast Stoßstange an Stoßstange gewesen, die „gepimpten Mercedes“ seien „extrem zügig“ angefahren. Die Tochter beschrieb das Verhalten der Männer als „teilweise angeberisch“. Die lauten Motorengeräusche habe man besonders noch 100 Meter weiter bei der Fahrt durch den Tunnel gehört, da dieser wie ein Schalltrichter gewirkt habe.
In dem Prozess sind zwei 32 und 34 Jahre alte Brüder sowie ihr 25-jähriger Cousin unter anderem wegen zweifachen Mordes und verbotenen Kraftfahrzeugrennens angeklagt. Die Anwälte der letzteren beiden kündigten für den übernächsten Verhandlungstag am 27. Januar Erklärungen zu den Tatvorwürfen an. Bisher haben alle drei geschwiegen. Derzeit sind in diesem Verfahren noch elf weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll am 7. April verkündet werden.