Nimmermüd gibt Sun Diego Autogramme. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Kälte war seinen Fans egal: Brav stellten sie sich in die Menschenschlange auf dem Kleinen Schlossplatz, um ein Autogramm oder ein Selfie von Rapper Sun Diego zu bekommen, der bei Buch Wittwer sein neues Buch signierte.

Stuttgart - So einen Ansturm auf das Buchhaus Wittwer hat Geschäftsführer Rainer Bartle noch nie erlebt: „Das ist ja besser als der Auftritt von Daniela Katzenberger.“ Die Schlange der Fans von Rapper Sun Diego, bürgerlicher Name Dimitri Chpakov, wand sich einmal um den ganzen Kleinen Schlossplatz und entlang der Treppe des Kunstmuseums vorbei an der Königstraße bis zum Seiteneingang des Ladens. Passanten staunten und fotografierten die Jugendlichen, die mit einer Eselsgeduld für einen flüchtigen Augenblick mit ihrem Idol bei Minusgraden ausharrten. „Wir stehen schon zwei Stunden an“, sagten Melvin und Kevin (beide 14) aus Frickenhausen bei Nürtingen klaglos. Doch selbst nach zwei Stunden waren die beiden noch nicht am Ziel. „Wir rechnen damit, dass wir noch zwei Stunden anstehen.“

Und wofür das alles? Für ein gemeinsames Foto mit dem 28-jährigen Rapper, einer Unterschrift auf einer CD und einen unvergesslichen Gänsehautmoment, den insgesamt 1500 Jugendliche erleben wollten. Um die Massen zu bewältigen, machte der Rapper von 14.15 Uhr bis Ladenschluss gute Miene zum außergewöhnlichen Spiel. Besser gesagt: Die Miene des You-Tube-Stars war nur zu erahnen. Er versteckte sein Gesicht – wie ein Bankräuber im Wilden Westen – hinter einem Tuch. Doch das machte die Sache für die Fans offensichtlich nur noch aufregender.

Mehr Andrang als bei Daniela Katzenberger

Pulsbeschleunigend war der Massenauflauf freilich auch für Wittwer-Chef Bartle. Er verkaufte die Bücher und Devotionalien des Rappers sogar an die in der Schlange stehenden Jugendlichen. „Das Ganze ist ein Phänomen“, sagte Bartle. „Man muss sich das mal vorstellen. Sun Diego hat noch nie ein Live-Konzert gegeben. Er tritt nur bei You-Tube, wo er millionenfach geklickt wird, auf und hat so eine Magnetwirkung.“ Da Sun Diego bereits am Vortag in Köln 1200 Menschen in seinen Bann gezogen hatte, baute Bartle vor. Zehn Sicherheitsleute sollten dafür sorgen, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. „Dabei war es kaum nötig“, sagte Bartle. „Die jungen Leute warten alle sehr gesittet.“

Das Buch geht weg wie geschnitten Brot

Sun Diegos Debütalbum „Planktonweed Tape“ ging insgesamt 70 000 Mal über die Ladentheke und landete auf Platz 1 der Charts, ehe es von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Auch das zweite Album des Deutschen russischer Abestammung („Started from the Bottom/KrabbenKoke Tape“) verkaufte sich 70 000 Mal. Mit seiner Biografie „Yellow Bar Mitzvah“, die bei Wittwer wie geschnitten Brot wegging, schickt er sich nun an, die Bestsellerliste zu stürmen.

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