Jugo Ürdens (links) bei seinem Auftritt in Stuttgart. Foto: red/Carina Kriebernig

Ob Wien, Balkan oder Halbhöhenlage: Der österreichische Rapper Jugo Ürdens hat bei einem Konzert in Stuttgart live einen Fan rasiert, neue Tracks vorgestellt und sonst auch ziemlich leiwand performt.

Stuttgart - Im Stuttgarter Club „Freund und Kupferstecher“ ist eine kleine Bühne aufgebaut, Richtung Bar stehen Wellenbrecher. Wenn man ganz ehrlich ist, dann verspricht dieser Freitagabend etwas zwischen Jugendhaus-Gig, einem Take-That-Konzert und Hipster-Rap, so süß wie Manner-Schnitten.

Bevor der Star des Abends seine Jeansjacke gleich nach zwei Minuten ablegt – es ist heiß – tritt Slav auf. Der aus Polen stammende Rapper ist auch ein Österreich-Export, trägt stilecht Adidas, rappt über sein Leben zwischen Markenklamotten und zu wenig Geld. Der Faktor Wohlstand wird uns an diesem Abend noch mehrmals in den Sinn kommen – denn in der ersten Reihe stehen 14-jährige Mädchen, die mit irrwitzig großen Smartphones das Konzert in Gänze mitfilmen. Keine Kunst ohne Kluft. Die älteren Konzertbesucher wundern sich währenddessen, dass die neue Deutschrap-Generation keinen Bezug zum mitwippenden HipHop-Arm hat. Was ist nur mit der Jugend los?

Fans tragen gerne abgerissene Mercedessterne um den Hals

Jugo Ürdens betritt die Bühne und wirkt sympathisch aufgeregt – fast schon nervös, was im derzeitigen Alpha-Wahn geradezu Alien-mäßig wirkt. „Die HipHop-Schnitte mit den krassen Augen und den vollen Lippen ist so sweet wie eine Family-Packung Manner-Schnitten“. Der schönste Rapper Wiens weiß, wie er auf sein weibliches Publikum wirkt, das auch gern abgerissene Mercedessterne um den Hals trägt. Keine Kunst ohne Leid – zumindest für einige Stuttgarter Daimler-Fahrer, die nun wohl sternlos auf ständiger Parkplatzsuche sind.

Cevapcici, Manner-Schnitten, Ottakringer Straße, rot-weiß-roter Reisepass, Yugo statt Porsche Cayenne: Der Wiener hat Spaß an seinen Lines, die mit leichten Synths und trappigen Sounds soft und hart zugleich klingen. Er will drei neue Songs vorstellen – aber nur, wenn sich ein Fan von ihm auf der Bühne eine Glatze rasieren lässt.

Es dauert keine drei Sekunden, und schon surrt die Schermaschine, alle Handys leuchten, es herrscht ungläubiges Staunen, fast schon Bewunderung für den selbstlosen Einsatz. „Dauert nur drei Minuten“, verspricht Jugo – und schon streicht er die abgeschorenen Haare von den Schultern des Fans, der seine kahle Kopfhaut tätschelt und dabei wie ein frisch paniertes Wiener Schnitzel grinst. Dem Bauchtaschen-Publikum gefällt es.

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