Auf dem Rappenbaum-Gelände zwischen Dagersheim und Darmsheim wird derzeit die Schule abgerissen. Halle und Bad sind weiterhin dringend sanierungsbedürftig.
Das gemeinsame Schul- und Sportgelände Rappenbaum sorgt seit Jahren für Zwist zwischen den Städten Böblingen und Sindelfingen.
Nach dem Aus der Hauptschule Ende 2012 und einer Nutzung als Flüchtlingsunterkunft bis 2017 wird das Schulgebäude nun abgerissen. Doch wie geht es weiter mit dem Areal, insbesondere mit der benachbarten Sporthalle sowie dem Hallenbad?
Über die Zukunft des Geländes beriet kürzlich der Schulverband, der 1969 von den beiden Städten und ihren Teilorten gegründet worden war. Der Zweckverband hatte 2021 beschlossen, die asbestverseuchte Schule im Jahr 2023 abzureißen und Halle samt Hallenbad zu sanieren. Anschließend sollte die Darmsheimer Grundschule, die aktuell im Birkleweg untergebracht ist, auf das Rappenbaumgelände umziehen.
3,2 Millionen Euro verspielt
Für das Großvorhaben wurden seinerzeit Bundesmittel bereitgestellt. Die verfielen jedoch, weil der Verband sich gut zwei Jahre lang nicht traf und kein Haushalt für das Jahr 2023 aufgestellt wurde. Das hat der Verband in der jüngsten Sitzung nun nachgeholt.
Nachdem ihm aufgrund des fehlenden Haushaltsplans fast 3,2 Millionen Euro Fördergelder entgangen sind, gab es auch beim Haushalt 2024 Probleme: Weil der Plan erst im Januar 2025 beim Regierungspräsidium eingereicht wurde, habe er nicht genehmigt werden können, hieß es.
Bei der jüngsten Verbandsversammlung in der Dagersheimer Zehntscheune wurde einmal mehr deutlich: Die Kommunikation im Verband funktionierte bisher oft schlecht. Im vergangenen Jahr stand das Gremium sogar kurz vor der Auflösung. Umso überraschender war der nun einstimmig beschlossene Haushalt für das kommende Jahr. Statt Zwist gab es Einigkeit.
Man wolle „zukunftsfähige Entscheidungen treffen“, sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne). Auch Sindelfingens Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU) gab sich entschlossen, das Thema gemeinsamer Schulcampus angehen zu wollen. „Es liegt manches im Argen, das wollen wir anpacken“, sagte er. Kleemann wurde in der Sitzung als Nachfolger von Ex-OB Bernd Vöhringer (CDU) zum stellvertretenden Verbandsvorsitzenden gewählt.
Städte versprechen gute Zusammenarbeit
Und voran geht es tatsächlich. Zuletzt ist begonnen worden, die ehemalige Hauptschule auf dem Areal abzureißen. Derzeit wird noch entkernt, im Januar werden die Bagger übernehmen und sich in das Gebäude beißen. Die Arbeiten kosten insgesamt voraussichtlich 1,75 Millionen Euro und reichen weit ins kommende Jahr hinein.
Ob und wann die Schule ersetzt wird, ist aber noch offen. „Da im Rahmen des Schulverbands keine Konkretisierung eines Neubaus binnen zehn Jahren angedacht ist“, heißt es in der Erläuterung zur Haushaltsplanung, seien die Kosten in gesamter Höhe in den Haushalten 2025 und 2026 veranschlagt worden. Das klingt nicht gerade nach zügigen Neubauplänen.
Sindelfingen will die Schule
Sindelfingens OB Kleemann drängte aber zur Eile: Er setzte dem Gremium eine viermonatige Frist für eine Entscheidung über die Zukunft des Areals. Andernfalls werde Sindelfingen seine Schule anderswo errichten, entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse gebe es bereits. „Sindelfingen muss in maximal vier Monaten wissen, wo die neue Schule gebaut werden soll“, so Kleemann. „Wir können und wollen nicht länger warten.“
Hallenbad wartet auf Entscheidung
Ein weiteres Minenfeld stellen die Sporthalle und das Schwimmbad da. Weil sie in die Zuständigkeit des Schulverbands fallen, dürften beide eigentlich nur im Interimsbetrieb genutzt werden. Das bedeutet, dass nur die allernötigsten Arbeiten an den teils sanierungsbedürftigen Gebäuden durchgeführt werden dürften. Das Problem: Beide – die Sporthalle und das Hallenbad – werden von Schulen und Vereinen genutzt. Im Bad trainiert sogar die Polizei ihre Anwärter. Die rund 400 000 Euro dafür habe die Stadt Böblingen vorgestreckt.
Vertreter der Vereine, die insbesondere auf das Hallenbad angewiesen sind, reagierten verärgert, dass das Bad in der jüngsten Sitzung kaum eine Rolle spielte. Zwar wurde der neue Betriebsleiter, Jens Bachmann, mit seinem Sachstandsbericht angehört – laut seinem Vorgänger Uwe Ozimek sei dieser aber vorher von der Stadt Böblingen zensiert worden. In der ursprünglichen Version habe gestanden, dass die Filteranlage des Hallenbades „nur noch durch den Rost zusammengehalten“ werde.
Für das Hallenbad sind zwar im kommenden Haushalt rund 600 000 Euro vorgesehen, diese stehen aber unter einem Sperrvermerk. Um diesen aufzuheben, braucht es eine weitere Verbandsversammlung.
Dem stellvertretenden Schwimmspartenleiter des TV Darmsheim, Felix Gutekunst, dauert das zu lange. „Wir schwimmen seit Jahren in Unwissenheit“, sagte er im Anschluss an die Sitzung. Sein Verein sowie der TSV Dagersheim verzichteten seit Jahren auf Wettkämpfe, um die Filteranlage nicht zu sehr zu strapazieren. „Im schlimmsten Fall geht der Filter morgen kaputt, und dann stehen wir da ohne Bad.“
Ein Neubau des Hallenbads, so Gutekunst, löse mehr der bestehenden Probleme als eine bloße Sanierung, aber mittlerweile sei man offen für alles. „Hauptsache, wir können weitermachen.“
Anmerkung der Redaktion:
Der Sprecher der Stadt Böblingen, Gianluca Biela, widerspricht dem Vorwurf der Zensur mit Nachdruck. Es habe keine Zensur gegeben. Einziger angemessener Anlass, ein Dokument vor Weitergabe an die Öffentlichkeit zu verändern, seien schützenswerte Interessen wie zum Beispiel bei Personalangelegenheiten oder Grundstücksgeschäften. Der Zustand des Bades sei öffentlich bekannt und der Zweckverband wolle sie dessen im kommenden Jahr annehmen.
Schulverband
Gründung
Der Schulverband zwischen den Städten Böblingen und Sindelfingen sowie ihren Teilorten Dagersheim und Darmsheim wurde am 1. März 1969 gegründet. Ihm gehören die Oberbürgermeister der Städte sowie jeweils vier Vertreter der Mitgliedskommunen an.
Aufgabe
Die ursprüngliche Aufgabe des Verbands war es, eine Fläche auf der Gemarkung beider Städte zu kaufen, um darauf eine Hauptschule mit 10 Klassen, den üblichen Nebenräumen, einer Küche, einer Hausmeisterwohnung samt erforderlichen Spezialräumen zu bauen. Auch die Errichtung einer Turnhalle, eines Sportplatzes und einer Schwimmhalle stehen in der Verbandssatzung. Der Verband übernimmt alle Aufgaben, die mit dem Betrieb und der Unterhaltung der gesamten Schulanlage und des Freizeit- und Sportzentrums und deren Anlagen verbunden sind.