Gespräch mit Einsatzkräften in der Villa Reitzenstein: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (re.) und Innenminister Thomas Strobl (li.) Foto: Staatsministerium

Nach einem Treffen mit Einsatzkräften aus der Krawallnacht hebt Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Rolle der Polizei hervor und wählt klare Worte.

Stuttgart - Unter dem Eindruck der Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende hat sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ausgesprochen. Unserer Zeitung sagte er am Freitag: „Ich bin ein klarer Anhänger eines Alkoholverbots. Wann, wenn nicht nach einer solchen Nacht!“ Da sei allerdings auch die Stadt Stuttgart gefragt.

Vorausgegangen war ein Treffen von Kretschmann und Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit Vertretern von Polizei und Rettungsdiensten am Nachmittag in der Villa Reitzenstein. An dem Gespräch nahmen neben Vertretern des Roten Kreuzes und des Technischem Hilfswerks auch Polizeibeamte teil, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Einsatz waren, darunter ein Beamter aus Stuttgart, der von einem Randalierer mit einem Kung-Fu-Tritt zu Boden gerissen worden war. Die Szene ist in einem Video festgehalten. Man sei dem Täter auf der Spur, berichtete Strobl am Freitag.

„Da stimmt etwas nicht mehr“

Der Ministerpräsident zeigte sich nach dem Gespräch mit den Einsatzkräften betroffen. „Die Schilderungen sind schockierend. Die Polizeibeamten hatten Angst um ihre Kollegen.“ Verstörend sei auch die Tatsache, dass Randalierer und Steinewerfer aus der gaffenden Menge heraus angefeuert worden seien.

Gewalt gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte stelle ein gravierendes Problem dar, betonte Kretschmann. Bei Kontrollen müssten sich Polizisten regelmäßig für ihr Tun rechtfertigen und würden häufig aggressiv angegangen. „Da stimmt etwas nicht mehr“, sagte er. „Wir müssen wieder in einen Zustand kommen, wo der allgemeine Respekt vor der Polizei nicht abnimmt, sondern zunimmt.“ Kretschmann hob hervor: „Wir stehen ohne jede Einschränkung hinter unserer Polizei.“

Kretschmann hält Rassismus-Vergleiche für „vollkommen abwegig“

Bei dem eineinhalbstündigen Treffen kam auch das Thema Rassismus zur Sprache. Die Art und Weise, wie die aus den USA nach Deutschland geschwappte Diskussion teilweise geführt würde, verunsichere die Polizei, erklärte Kretschmann. Manche der Randalierer zögen bewusst die Rassismus-Karte. Vergleiche mit den Vorkommnissen in den USA seien jedoch „vollkommen abwegig“, betonte der Ministerpräsident. Die Polizei nehme ihren Auftrag war „ohne Ansehen der Person“. Gleichzeitig betonte er, es sei wichtig, sich mit den Hintergründen der Ausschreitungen zu beschäftigen und die daran beteiligten Milieus auszuleuchten.

Innenminister Strobl kündigte an, die 280 Polizistinnen und Polizisten, die bei den Krawallen in der Samstagnacht im Einsatz waren, würden einen Tag Sonderurlaub bekommen. Für dieses Wochenende sei man gut vorbereitet und gerüstet. „Die Polizei hat den gesamten Instrumentenkasten dabei – das große Besteck.“

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