Eine junge Frau wird nachts auf dem Schlossplatz sexuell belästigt. Als die Polizei den Tatverdächtigen festnehmen will, empört sich das Publikum.
Stuttgart - Die Stimmung in der Stadt bleibt angespannt. Dies zeigt die Festnahme eines mutmaßlichen Sexualstraftäters am Wochenende, der bei der Polizeiaktion auf dem Schlossplatz einige Solidarität des Publikums erfahren durfte. Die Polizei musste knapp ein Dutzend Beamte einsetzen, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Zwei Wochen davor hatte das bekanntlich nicht geklappt.
Das vergangene Wochenende, bei dem die Polizei wieder mehrere Hundert Beamte in der Innenstadt aufgeboten hatte, ist zwar ruhig, aber offenbar nicht ganz ohne Zwischenfälle abgelaufen. Wie jetzt bekannt wurde, sorgte dafür ein 21-Jähriger, dem vorgeworfen wird, eine 18-jährige Frau auf dem Schlossplatz sexuell belästigt zu haben.
Der Beschuldigte protestiert lautstark – mit Folgen
Die junge Frau sitzt am Samstag gegen 3.50 Uhr mit mehreren Freunden auf einer Parkbank, als sich der Mann zu ihr setzt und ihr ein Gespräch aufdrängt. Dabei wird er immer zudringlicher: Er greift ihr an den Po und versucht sie auf den Mund zu küssen. Die junge Frau kann das verhindern und bekommt Unterstützung von den Freunden und umstehenden Zeugen. Sie verständigen die Polizei.
Als eine Polizeistreife den Beschuldigten anspricht, zeigt der sich nicht gerade einsichtig. „Er ist zunehmend aggressiv geworden und hat lautstark protestiert“, sagt Polizeisprecherin Meret Sigle. Er habe letztlich gefesselt werden müssen, um ihn mit auf die Wache zu nehmen. Einige Zuschauer hätte sich dabei aber mit dem erkennbar schwarzafrikanischen Beschuldigten solidarisiert. „Man hat die Maßnahmen zu stören versucht und die Szenerie gefilmt“, sagt Polizeisprecherin Sigle. Zusätzlich zehn Beamte müssen eingreifen, um die Menge abzudrängen. Die Situation bleibt diesmal ohne Folgen. Der 21-Jährige hat etwa zwei Promille intus – und wird nach der Anzeigenaufnahme wieder auf freien Fuß gesetzt.
Neuer Haftbefehl nach Krawallnacht
In Haft ist dagegen ein 19-Jähriger gelandet, dem vorgeworfen wird, an den Plünderungen in der Nacht zum 21. Juni beteiligt gewesen zu sein. Damit haben die Ermittler knapp 40 Beschuldigte identifiziert. Die Staatsanwaltschaft hat 18 Haftbefehl erwirkt, 15 Beschuldigte sitzen inzwischen hinter Gittern.