Martina Grohmann, Intendantin des im Stuttgarter Süden gelegenen Theater Rampe, mischt mit ihrem Team und dem Projekt „Volks*theater“ den benachbarten Marienplatz auf. Foto: Lichtgut//Michael Latz

Martina Grohmann, Intendantin des Stuttgarter Theaters Rampe, freut sich über die finanzielle Unterstützung fürs Projekt „Volks*theater“ und klärt darüber auf, was es mit dem Sternchen auf sich hat.

Stuttgart - Das Theater Rampe erhielt kürzlich den Theaterpreis des Bundes, jetzt kommt eine weitere Förderung in Höhe von 30000 Euro vom Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für ihr Privattheater und das Projekt „Volks*theater“ hinzu.

Frau Grohmann, wie wichtig sind derlei staatliche Förderungen für ein Privattheater wie Ihres, das sich nicht komplett durch Eintrittspreise finanzieren muss, sondern auch Subventionen erhält?

Wir sind ein Privattheater, aber gemeinnützig. Und Kunst kann sich nie selbst tragen, wenn sie frei ist und unabhängig. Nur eine öffentliche Finanzierung gewährleistet einen Freiraum für die Kunst und damit auch für die Gesellschaft. Für Kritik, Versammlung, Reflexion und Imagination. Am Theater Rampe bildet eine institutionelle Förderung durch Stadt und Land nur die Basis. Davon bezahlen wir Miete, das Personal hinter den Kulissen etc. Für die künstlerische Produktion und die Aufführungen sind wir auf Projektmittel angewiesen, ohne die es schlicht kein Programm gäbe. Diese Projektförderung für „Volks*theater“ ist also unsere alltägliche Arbeit und kein „on top“.

Ihr Haus ist ja bisher nicht unbedingt für mundartliches Komödienspiel bekannt. Worum handelt es sich bei Volks*theater? Und was hat es mit dem Sternchen auf sich?

Wir knüpfen an eine Tradition von Volks*theater an, das subversiv und unterhaltend, kritisch, nachbarschaftlich und zugänglich auftritt. Mit dem Sternchen lösen wir die ausschließende Verwendung von „Volk“ auf. Ursprünglich heißt Volk „eine ganze Menge“. In diesem Sinne behaupten wir das Theater „für alle“.

Sportlich. Wie wollen Sie das Volkstheater modernisieren und: muss man das überhaupt?

Kunst und Kultur können bedeutende Strategien in einer sich radikalisierenden Gesellschaft sein, um miteinander in Kontakt zu treten, Raum für empathische Begegnungen zu schaffen, für das Zuhören, für das Imaginieren von Zukunft, für das Verhandeln kontroverser Positionen. Zugleich sind Publikum und Theaterschaffende oft genauso zersplittert wie etwa Gruppen in sozialen Netzwerken. Das Volks*theater bringt in seinem sehr heterogenen Ensemble Menschen aus verschiedensten Kontexten zusammen, die alle vergangenes Jahr dem Volks*theater-Aufruf gefolgt sind. Allesamt aus der Nachbarschaft – Profis wie Amateure. Sie haben Geschichten zum Marienplatz gesammelt und entwickeln jetzt ein Stück daraus.

Was passiert mit den 30 000 Euro Fördergeld?

Die fließen in das Budget der ersten Volks*theater-Inszenierung: „Auf die Plätze“: Ensemble und Ausstattung werden davon anteilig bezahlt.

Wann können die Zuschauer die Produktion sehen und was ist zu erwarten?

Vom 10. bis 13. Juni wird „Auf die Plätze“ auf dem Marienplatz aufgeführt. Es wird ein empathisches Spektakel, für und mit Menschen oder auch Bäumen der Nachbarschaft. Es erzählt aus der Vergangenheit des Platzes, wie er ein Schauplatz von Austausch und neuen Ideen aber auch von Ausschluss und Verdrängung war. Das Volks*theater eignet sich den Platz spielerisch an, imaginiert zwischen Eisdiele und Burger King einen Möglichkeitsraum, in dem die Anliegen der Nachbarschaft poetisch verhandelt werden. Hier kann jede*r vorbeischauen und teilhaben, bringt eure Kinder, macht Picknick. Der Eintritt ist frei.

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