Schreckgespenst Marcel Sökler (re.) schlägt zu und überwindet Kickers-Keeper Ramon Castellucci im Hinspiel das erste Mal. Am Ende hat der Oberliga-Top-Torjäger vier Treffer auf dem Konto und sorgt im Alleingang für den 4:2-Sieg des SGV Freiberg in Degerloch. Foto: Baumann

Härtetest für die Stuttgarter Kickers: Das Spiel am Samstag beim SGV Freiberg hat Signal-Charakter im Aufstiegsrennen. Torwart Ramon Castellucci sagt vor dem Oberliga-Schlager, warum er gerner gegen Spitzenteams spielt und welche Auswirkungen das Freiberger Pokal-Aus haben könnte.

Stuttgart - Die Enttäuschung beim SGV Freiberg nach dem Aus im WFV-Pokal-Halbfinale beim Verbandsligisten TSV Essingen (2:3) ist riesengroß. Wie wirkt sich dies auf das Schlagerspiel in der Fußball-Oberliga gegen Spitzenreiter Stuttgarter Kickers an diesem Samstag (14 Uhr/Wasenstadion) aus? Ramon Castellucci, der Torwart der Blauen, äußert sich dazu genauso wie zu der 2:4-Hinspielpleite im Gazistadion auf der Waldau.

Herr Castellucci, was überwiegt bei Ihnen: Die Freude, beim 1. Göppinger Sportverein zum 17. Mal ohne Gegentor geblieben zu sein, oder der Ärger über die verpassten drei Punkte?

Als Torwart ist man ja in gewisser Weise ein Einzelkämpfer. Da freut man sich zwar über jedes zu Null-Spiel, ein 0:0 bei einer starken Göppinger Mannschaft vor vollem Haus ist kein komplett schlechtes Ergebnis, aber letztendlich für unsere Ansprüche zu wenig.

Warum herrscht derzeit Flaute im Sturm?

Also nur weil wir jetzt zweimal hintereinander kein Tor erzielt haben, wollen wir noch lange nicht von einer Torflaute reden. Davor hatten wir in Linx 3:0 gewonnen und daheim den TSV Ilshofen mit 5:0 besiegt. In diesen beiden Spielen legten wir eine beeindruckende Effizienz an den Tag.

Danach tat sich die Mannschaft aber äußerst schwer, Tore zu zu schießen. Haben Sie eine Erklärung?

Wir haben gute Offensivkräfte, die garantiert auch wieder treffen werden. Ich bin kein Stürmer, aber ich glaube es ist wichtig, dass wir im letzten Drittel, die Bälle sauberer, klarer, genauer an den Mann bringen.

Vor allem bei Auswärtsspielen ist öfter zu hören: Ist das alles, was die Kickers draufhaben? Können Sie nachvollziehen, dass mehr spielerische Klasse und ein dominanteres Auftreten erwartet wird?

Ein stückweit kann ich die Leute verstehen. Sie erwarten von einem ehemaligen Bundesligisten mit nach wie vor guten Rahmenbedingungen im Vergleich zur Konkurrenz, dass wir die Gegner aus dem Stadion schießen. Aber letztendlich zählt doch nur eines: Das Resultat.

Am Samstag geht es zum SGV Freiberg. Ein absolutes Schlüsselspiel – oder?

Man braucht nicht lange drumherum reden: Das ist kein Spiel wie jedes andere. Freiberg muss gewinnen, sonst sind sie so gut wie raus aus dem Titelrennen. Wir können mit einem Sieg den Gegner distanzieren und ich bin auch weiterhin zuversichtlich.

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Was ist der Grund für Ihren Optimismus?

Weil ich weiß, was wir können. Wir werden aus dieser kleinen Talsohle gestärkt herauskommen. Und ich persönlich spiele lieber in Freiberg, als bei Gegnern im Tabellenkeller. Diese Teams haben nichts zu verlieren und rennen gegen uns um ihr Leben.

Gegen den SGV haben die Kickers aus dem Hinspiel noch eine Rechnung offen.

Unterschätzen werden wir die Freiberger nicht (lacht). Bei unserer 2:4-Niederlage im Gazi-Stadion auf der Waldau war der SGV nicht supertoll, aber wir richtig schlecht.

Top-Torjäger Marcel Sökler hat ihnen vier seiner 28 Saisontreffer eingeschenkt. Ist Ihnen das schon einmal passiert?

Dass ein Spieler gegen mich in einem Spiel vier Tore erzielt, ist mir noch nie passiert. Und das wird auch nicht mehr vorkommen.

Durch den Ausfall von Kapitän Tobias Feisthammel spielt nun das Duo Daniel Niedermann/Patrick Auracher vor Ihnen in der Innenverteidigung. Eine große Umstellung für Sie?

Nein, die beiden haben ja auch zusammen gespielt, als Tobias auf der Sechs im Mittelfeld zum Einsatz kam. Daniel ist ein überragender Kopfballspieler, Patrick ohnehin ein Zweikampfmonster.

Der SGV Freiberg spielte am Mittwoch im WFV-Pokal-Halbfinale beim Verbandsligisten TSV Essingen und verlor mit 2:3. Ein Vorteil für die Kickers?

Dass sie ausgeschieden sind, ist weder ein Vor- noch ein Nachteil für uns, denn das sind zwei verschiedene Wettbewerbe. Es könnte aber sein, dass den Freibergern am Ende etwas die Kräfte schwinden. Aber sie werden in das Spiel gegen uns alles reinhauen. Genauso wie wir. Wir müssen einfach unser Spiel durchziehen, auch für unsere mega Fans. Auf jeden Fall wird es ein heißer Tanz.

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