Das Spiel Candy Crush erfreut sich seit Jahren der Beliebtheit bei Handynutzern. Foto: dpa/Britta Pedersen

Ramelows flapsige Enthüllungen auf der seit Tagen explodierenden Clubhouse-App vermitteln ein verstörendes Bild, meint Kommentator Wolfgang Molitor.

Berlin - Vielleicht mag Bodo Ramelow ja das rote Geleebonbon besonders gern, wenn er eine App öffnet und unter dem Tisch Candy Crush spielt. Schließlich ist der thüringische Ministerpräsident ein überzeugter Linker. Was den Schluss zulässt, dass er auch bei dem mit Süßigkeiten und Hindernissen gefüllten Computer-Puzzle farbliche Vorlieben hat und lieber auf rotes Gelee setzt, als auf orange Lutschbonbons, gelbe Zitronen-Drops, grüne Kaustücke, blaue Lollipops oder lilafarbene Trauben.

 

Mangelnder Respekt

Man könnte Ramelow spielen lassen, wenn er es nach stolzen Eigenangaben (zehn Level sind ganz ordentlich) nicht auch in jenen Ministerpräsidenten-Sitzungen mit der Bundeskanzlerin treiben würde, in denen es um Schicksalhaftes, wirtschaftlich wie medizinisch um Lebenswichtiges geht. Nämlich um die nach wie vor offene Frage, wie Deutschland die Corona-Krise und die Pandemie-Folgen in den Griff bekommen will. Ramelows flapsige Enthüllungen auf der seit Tagen explodierenden, ausschließlich auf Audioinhalten basierenden Clubhouse-App vermitteln ein verstörendes Bild – von mangelndem Respekt untereinander (sein „Merkelchen“ lässt auch abseits einer männertypischen Verniedlichung einer Frau in der Politik tief blicken) bis hin zur kompetenten Ernsthaftigkeit eines ohnehin auf dünnem Eis entscheidenden Gremiums.

Die Kanzlerin kommentiert das nicht. In der Tat: Ramelows Stil- und Interesselosigkeit spricht für sich. Und doch: Ganz so einfach liegt die Sache nicht. Denn sein eitles Social-Media-Geschwätz verspielt Vertrauen und Akzeptanz. Nein, dieser Zitronen-Drops ist noch nicht gelutscht.

wolfgang.molitor@stuttgarter-nachrichten.de