Ralph Lauren Der Mann, der Amerika anzieht

Von Thomas Spang 

Umjubelter Auftritt bei der Fashion Week 2013 in New York: Ralph Lauren nimmt nach seiner Modenschau den Applaus des Publikums entgegen Foto:  
Umjubelter Auftritt bei der Fashion Week 2013 in New York: Ralph Lauren nimmt nach seiner Modenschau den Applaus des Publikums entgegen Foto:  

Er machte das Polo-Hemd salonfähig und sorgte dafür, dass Amerikas Intellektuelle etwas zum Anziehen haben. Heute wird der Mann, der mehr ist als nur Modedesigner, 75 Jahre alt.

Washington/New York - Polo hat der passionierte Ski-Fahrer nie gespielt. Das Kult-Logo auf seiner Kollektion wählte Ralph Lauren, weil es Dynamik und elegante Sportlichkeit in einem ausdrückt. Auch hatte der junge Modemacher aus der Bronx zu Beginn seiner Karriere keine Ahnung, was britische Lebensart ausmachte, als er nach seinem Ausstieg bei den Brooks Brothers die ersten Anzüge schneidern ließ, die irgendwie „englisch“ aussehen sollten.

Bis heute hat es der 75-jährige auch nicht geschafft, seinen Fuß auf afrikanischen ­Boden zu setzen. Kein Hindernis für ihn, 1983 mit seiner „Safari“-Kollektion einen kommerziellen Großerfolg zu landen. Für die Kritiker des silbergrauen Lifestyle-Königs, der mit seinen fünfzehn Eigenmarken und mehr als 500 Läden in achtzig Ländern sowie 23 000 Mitarbeitern zuletzt umgerechnet knapp 5,5 Milliarden Euro im Jahr verdiente, fügt sich daraus ein wenig schmeichelhaftes Bild. Kaum etwas an Ralph Lauren sei echt, stänkern die Neider, nicht einmal der eigene Name, den der Sohn jüdischer Einwanderer im zarten Alter von 16 Jahren von Lifshitz zu Lauren änderte. Der mehrfache Milliardär nimmt die Lästereien gelassen hin. Ein Familienname mit dem Wort „Shit“ in der Mitte habe mehr zu Hänseleien ­eingeladen als inspiriert, erklärte er einmal die Motivation zum Namenswechsel. Das sei damals im Übrigen auch nichts Besonderes gewesen. „Viele europäische Einwanderer haben ihre Namen amerikanisiert“.

Genauso wenig stört Lauren der Vorwurf, nicht in derselben Liga zu spielen wie andere lebende und verstorbene Idole der Modebranche. Angefangen bei Christian Dior über Coco Chanel bis hin zu Jil Sander oder Calvin Klein. „Ich bin im Modegeschäft, aber nicht geschäftig mit Mode“, beschrieb er kürzlich in einem Interview feinsinnig den Unterschied. Die Mode des Tages überlässt Lauren nur allzu gerne anderen. Er selbst handelt seit dem Start seiner Karriere 1967 mit etwas Zeitlosem – den Träumen und Fantasien seines Publikums.

Lauren macht nicht nur Mode, er verkauft einen Lebensstil

„Ich mache Mode für Menschen, die eigentlich nicht modisch sein wollen“, sagt er. Statt diesen eine bestimmte Ästhetik aufzudrängen, geht es ihm darum, Mittel zum Selbstausdruck bereitzustellen. Dafür studiert er genau, was seiner Kundschaft am Herzen liegt. Laurens Kollektionen reflektieren so die Sehnsüchte der Käufer, die er ganz opportunistisch bedient.

Dabei scheut er vor der großen Synthese nicht zurück. Der Meister spielt genauso souverän mit indianischen Drucken, wie er mit seinen Western-Klamotten den inneren Cowboy mobilisiert. Seine Entwürfe zelebrieren das vornehme Küstenleben in den Hamptons nicht weniger als die weltstädtischen Vibes, die in den Outfits seiner Vision von Woody Allens Film „Annie Hall“ zum Ausdruck kommen. Mit seinen Cord-Blazern erfand er den Ivy-League-Chic der Intellektuellen. Wie er mit der Einführung der Polo-Shirts 1972 so etwas wie die Uniform der „Preppies“ schuf und so die Abgänger privater Elite-Schulen einkleidete.

Das große Missverständnis seiner Kritiker besteht darin zu übersehen, dass Lauren nicht Mode macht, sondern einen Lebensstil verkauft. Genauer gesagt die amerikanische Idee von einem guten Leben. Wer ein Hemd mit dem Polo-Logo aus der blauen Papiertüte holt, packt aus dem Seidenpapier den endlosen blauen Himmel über den Rocky Mountains, die weißen Strände der Hamptons und den sattgrünen Rasen der Golfplätze Augustas mit aus. Vor dem geistigen Auge tauchen Frauen mit geröteten Wangen im Cabriolet, gebräunte Männer auf Segelyachten und unbesorgte Kinder auf. Laurens Welt ist so echt wie die Träume der Amerikaner, die nicht das geringste Problem damit haben, sich Traditionen und Ideen aus anderen Kulturen zu eigen zu machen und weiterzuentwickeln. Ganz besonders erfolgreich im Fall des jüdischen Einwandererkinds aus Weißrussland, das „American Chic“ nachhaltig definieren half. Dass die meisten seiner Kollektionen für breitere Käuferschichten erschwinglich bleiben, unterscheidet ihn von den großen Namen der europäischen Modewelt.

Laut Insidern baut Lauren seinen 42-jährigen Sohn David als Thronfolger auf. An den Ruhestand denkt der Mann, der Amerika über ein halbes Jahrhundert half, sich anzuziehen, noch nicht: Kürzlich eröffnete er an der 711 Fifth Avenue von Manhattan eine neue Luxus-Verkaufszentrale. In den Kinderschuhen stecken die Ralph-Lauren- Cafés, und extra Augenmerk des Chefs erhält die neue Polo-Frauen-Kollektion. Darüber hinaus wird er nicht müde, an seinem öffentlichen Erbe zu feilen. „Stil ist sehr persönlich. Das hat nichts mit Mode zu tun“, philosophiert der Meister. „Mode ist schnell vorüber. Stil bleibt für immer“.

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