Der Böblinger Ralf Dietel lebt seit 20 Jahren als Rockmusiker in den USA. Der Gitarrist und Sänger spielt laufend Konzerte und ist derzeit in der alten Heimat zu Gast. Am Freitag tritt Krash Karma in Stuttgart auf.
Wer die brachiale Rockmusik der Band Krash Karma mit geschlossenen Augen hört, rechnet mit mindestens vier bis fünf Personen, die auf der Bühne alles geben. Aber nein – Ralf Dietel und Schlagzeugerin Niki Skistimas schaffen das zu zweit. Beide singen abwechselnd und mehrstimmig, schreien oder grölen, zudem hat sich der 50-jährige Böblinger ein Hybrid-Instrument aus Bass und Gitarre selbst gebaut, mit dem er einen erstaunlich kraftvollen Klang erzeugt. Kurzum: Ralf Dietel und seine Musik- und Lebenspartnerin Niki Skistimas sind ein eingespieltes Team und leben den gemeinsamen Rockmusik-Traum aufs Intensivste.
Seit 20 Jahren sind sie gemeinsam in den USA unterwegs und zuletzt verstärkt auch in Europa. Sie spielen Konzerte, bis ihre Finger beinahe glühen. Doch etwas Besseres kann sich das Paar kaum vorstellen. „Dieser Sommer waren gefühlt vier Sommer“, schwärmt Ralf Dietel, „wir waren nahezu ununterbrochen unterwegs.“ Der Böblinger spielt parallel noch in der Punkband Wizo, mit der er im Juni bei etlichen Open-Air-Festivals in Deutschland auftrat. Dazwischen absolvierten er und Skistimas als Krash Karma einige Konzerte in Norddeutschland und Polen. Ab Juli an war das Duo dann einmal mehr in den USA unterwegs – „von Kalifornien bis New York City“, berichtet Dietel. Im August und September ging es zurück nach Europa: Konzerte in Frankreich, Italien, Kroatien, Skandinavien, Portugal und Deutschland standen an. „Wir haben zwischendurch Urlaub gemacht“, erinnert sich der Böblinger gerne an Aufenthalte in St. Tropez oder Venedig.
Besonders Frankreich hat es dem Vollblutmusiker mit den auffälligen Zebra-Dreadlocks angetan. „Ich war zuvor noch die dort“, gibt Dietel dazu, „aber die Konzerte und Begegnungen waren der Hammer.“ Selbst dort hat Krash Karma mittlerweile viele Fans , sodass selten weniger als 100 Zuhörer zu den Konzerten kamen. „Am geilsten war eigentlich der erste Auftritt“, berichtet der Böblinger. In dem kleinen Ort Barberaz unweit von Lyon startete das Duo seine Tournee. „Wir haben überhaupt nichts erwartet, und dann war da rammelvoll – das war der Hammer!“
Dass sich das Paar einer wachsenden Fangemeinde in den USA wie in Europa erfreut, hängt nicht nur damit zusammen, dass die beiden extrem viele Konzerte spielen. Es hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun – eigentlich eine Horrorzeit für Live-Musiker, denn an Konzerte war eine Weile nicht zu denken. „Wir haben so viele Kosten wie möglich gespart, zum Beispiel den Proberaum gekündigt und dafür einen bei uns in die Garage gebaut“, erinnert sich der Böblinger. So lange keine Live-Auftritte möglich waren, drehte das Duo dort aber Musikvideos und machte intensiv Werbung im Internet. Die positive Folge: Die Online-Anhängerschaft von Krash Karma wuchs in dieser Zeit enorm, auf Facebook hat das Duo mittlerweile 115 000 Follower. Was sich nicht nur in einer gesteigerten Publikumsresonanz bemerkbar macht, sondern auch am stärkeren Interesse von Konzertveranstaltern und Organisatoren, unter anderem eben in Frankreich.
Wie sehr hat Corona der Rockmusik-Branche geschadet? „Es hat sich definitiv etwas verändert“, sagt Ralf Dietel, „einige Konzerthallen und Veranstalter mussten aufgegeben.“ Doch nach wie vor lasse sich die Rockszene nicht unterkriegen. „Die vergangenen Monate liefen bei uns gut, aber die Kosten sind alle gestiegen.“ Man müsse genau hinschauen, ob sich Konzerte und Tourneen rechnen. „Es wird auf alle Fälle enger.“
Umso schöner für Ralf Dietel, dass er seit 2010 auch zur Punkband Wizo gehört, die nach wie vor sehr erfolgreich ist. Gerade hat das Trio um Frontmann Axel Kurth aus Ehningen ein neues Album veröffentlicht und plant im Januar und Februar eine Deutschland-Tournee mit 39 Konzerten – eine stolze Zahl. Deshalb sind Ralf Dietel und Niki Skistimas nach ihrer Europa-Tournee in Deutschland geblieben und haben sich in Ehningen eingemietet. „Jetzt probe ich täglich abwechselnd mit Niki und mit Wizo“, grinst Dietel, „und kann ab und zu meine Eltern in Böblingen besuchen.“
Diesen Freitag steht noch ein Konzert von Krash Karma an. Beim Minifestival „Kein Bock auf Nazis“ tritt das Duo mit vier anderen Bands im LKA-Longhorn in Stuttgart auf, einer der altehrwürdigen Veranstaltungsorte für Rockmusik. „Das LKA ist schon was Besonderes für mich – ich freue mich sehr auf das Konzert“, sagt der 50-Jährige. Kommen dann massig Freunde und Bekannte aus dem Raum Böblingen? „Keine Ahnung, mal schauen“, zuckt er mit den Schultern.
Im März wird Ralf Dietel in die USA zurückfliegen. „Nach harten zehn Monaten ist dann erst einmal ein bisschen Pause angesagt“, weiß Dietel. Doch nicht allzu lange. Für Juni und Juli 2024 plant Krash Karma die nächste Europa-Tournee.
Konzert im LKA Longhorn
Böblinger
Ralf Dietel (Jahrgang 1973) ist in Böblingen aufgewachsen und hat früh mit seinen Bands Dröner Hebab und Confused Mindfuckers erste Erfolge gefeiert. Im Jahr 2003 wanderte er in die USA aus und lebt seitdem als Profimusiker in Los Angeles.
Auftritt
An diesem Freitag, 15. Dezember, ab 17.30 Uhr findet das „Kein Bock auf Nazis“-Festival im LKA Longhorn in Stuttgart-Wangen (Heiligenwiesen 6) statt. Sechs Bands treten auf, darunter Ralf Dietel und Niki Skistimas als Krash Karma. Mehr Informationen zu der Band gibt es unter der Adresse: www.krashkarma.com im Netz.