Organisiert wurde der Raketenstart von dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX Foto: AP/Orlando Sentinel

Elon Musk löst mit dem gelungenen Erstflug seiner Falcon-Heavy-Rakete weltweit Begeisterung aus. Mit an Bord: ein Elektro-Roadster von Tesla. Die neue Rakete des US-Milliardärs soll Transporte ins Weltall deutlich billiger machen.

Cape Canaveral - Ein feuerroter Tesla-Roadster, der zur Musik von David Bowie anmutig durch den Weltraum schwebt – eine bessere Werbung für die kalifornische Elektroautoschmiede kann man sich kaum vorstellen. Die gelungene PR-Aktion wurde dadurch erleichtert, dass der Tesla-Gründer und -Chef Elon Musk zugleich das Raumfahrtunternehmens SpaceX leitet. Musks Weltraum-Ambitionen stehen seinem Ehrgeiz im irdischen Mobilitätssektor in keinster Weise nach. Der exzentrische Milliardär, der sein Vermögen unter anderem als Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal gemacht hat, will in gar nicht so ferner Zukunft Menschen auf den Mars befördern und dort dauerhafte Siedlungen bauen.

Diesem Ziel ist er nun zumindest einen Schritt näher gekommen: Am Dienstag glückte der wegen technischer Probleme mehrfach verschobene Erstflug der neuesten SpaceX-Rakete Falcon Heavy. Mit Elon Musks privatem Tesla-Roadster als Testladung an Bord hob die derzeit größte Weltraumrakete vom US-Space-Center in Cape Canaveral (Florida) ab – und zwar von der symbolträchtigen Rampe, von der einst die Apollo-11-Mondrakete startete.

Zehntausende jubelnde Zuschauer vor Ort und Millionen an den Bildschirmen in aller Welt verfolgten, wie sich die Rakete in einer gigantischen Rauchwolke in den Himmel erhob. Nach 70 Kilometern Flug wurden die beiden Antriebsraketen (Booster) abgesprengt, die der ersten Stufe zusätzlichen Schub verleihen. Die Falcon Heavy ist laut SpaceX die größte und leistungsstärkste Rakete, die derzeit verfügbar ist. Sie ragt rund 70 Meter in die Höhe und kann mehr als 60 Tonnen Nutzlast tragen.

Recycling statt Einweg

Zum Vergleich: die Mondrakete Saturn V war 110 Meter hoch und konnte bis zu 133 Tonnen transportieren. Die Saturn V war aber ein nahezu komplettes Einwegprodukt – alles, was nach dem Mondflug wieder zur Erde zurückkehrte, war die winzige Raumkapsel mit den drei Astronauten. Musks schwere Rakete soll dagegen zu einem guten Teil wiederverwertbar sein. Die erste Stufe und die Booster können zur Erde zurückkehren, nachdem ihr Job erledigt ist.

Beim Jungfernflug funktionierte das aber nur teilweise: Die erste Stufe versank im Meer, statt wie geplant auf einer im Wasser schwimmenden Plattform zu landen. Doch die Rückkehr der Booster klappte problemlos – und lieferte weitere Bilder mit hohem PR-Faktor: Kerzengerade und gebremst von den kurzzeitig gestarteten Triebwerken schwebten die Zusatzraketen nebeneinander sanft zu Boden, bis sie sicher auf ausfahrbaren Stützen ruhten.

Seinen ursprünglichen Plan, mit der Falcon Heavy schon bald Weltraumtouristen in den Orbit zu schießen, hat Musk US-Medienberichten zufolge aber erst einmal zurückgestellt. Dies sei der nächsten Raketengeneration von SpaceX vorbehalten, der Big Falcon Rocket, die sich noch in der Entwicklung befindet. Zunächst geht es vor allem darum, Lasten in den Weltraum zu befördern. Und hier verspricht Musk deutliche Vorteile: Die Kosten pro transportierter Tonne sollen dank dem Recycling wesentlicher Teile deutlich niedriger sein als etwa bei den Ariane-Raketen der Europäer.

Teurer Space Shuttle

Im Rahmen der 2011 endgültig eingestellten Space-Shuttle-Missionen hatte auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf wiederverwertbare Komponenten gesetzt. Doch bevor die Shuttles wieder starten konnten, war jedes Mal eine aufwendige Generalüberholung fällig. Das machte den Transport von Menschen und Nutzlast am Ende extrem teuer. Wie wirtschaftlich Musks Rakete im Realbetrieb ist, wird sich wohl aber erst nach einer größeren Anzahl von Missionen erweisen.

Beim Transport von Satelliten für Forschung und Telekommunikation in den Weltraum herrscht weltweit ein harter Wettbewerb, an dem sich neben SpaceX weitere Privatunternehmen beteiligen. So verfolgen etwa auch der Virgin-Gründer Richard Branson und Amazon-Chef Jeff Bezos eigene Raumfahrtprojekte. Und auch die gute, alte, staatliche Nasa arbeitet an einer neuen Rakete. Hinzu kommen Russland und China.

Dass die Konkurrenz nicht schläft, beflügelt einen wie Musk erst recht. „Wir wollen einen neuen Wettlauf im All“, sagt der Milliardär, der sich auf Erden nach Kräften am Wettlauf um die Mobilität von morgen beteiligt. Um der Erste zu sein, schreckt der 46-Jährige auch nicht vor unkonventionellen Lösungen zurück. Als die alten Autobauer bei der Elektromobilität noch auf der Bremse standen, packte Musk einfach ein paar Tausend Laptop-Akkus zusammen – und stellte damit auf Anhieb ein E-Auto mit praxistauglicher Reichweite auf die Räder. Längst sehen etablierte Konzerne wie Daimler oder VW Tesla als ernstzunehmenden Konkurrenten.

Verlust mit jedem verkauften Auto

Auch beim autonomen Fahren hat Musk den Ehrgeiz, schneller als andere zu sein. Ein tödlicher Unfall, der zumindest teilweise auf das Konto des Tesla-Autopiloten ging, zeigt, dass er dabei auch gerne ins Risiko geht. Finanziell tut er das ohnehin – genauso wie die Aktionäre, die ihm bis jetzt die Treue halten. Nach wie vor verliert Tesla mit jedem verkauften Auto Geld – und der Serienstart des Mittelklassewagens Model 3 verzögert sich weiter. Kritiker werfen Musk vor, er sei vor allem ein Mann großer Ankündigungen, der am Ende vieles doch nicht auf die Reihe bekomme. So gelten seine Pläne für einen Elektro-Lkw in Fachkreisen als völlig unrealistisch.

In dieser Situation kommen dem Milliardär die Bilder vom gelungenen Raketenstart und dem Tesla-Roadster vor der Erdkugel gerade recht. Womöglich tun sich da draußen auch neue Märkte für den Elektroflitzer auf: „Vielleicht wird er von einer zukünftigen außerirdischen Spezies entdeckt“, so Musk.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: