Der Schwabe Rainer Widmayer (re.) assistiert dem Schweizer Marc Schneider, dem Cheftrainer der SpVgg Greuther Fürth. Foto: Imago// Wolfgang Zink

Rainer Widmayer kennt sich aus im Stuttgarter Fußball. Wie schätzt der neue Co-Trainer der SpVgg Greuther Fürth vor dem DFB-Pokalspiel bei den Kickers den Saisonstart des Bundesliga-Absteigers ein, und für wie herausfordernd hält er die Aufgabe auf der Waldau?

Rainer Widmayer ist Schwabe durch und durch. Seit dieser Saison arbeitet der ehemalige Co-Trainer des VfB Stuttgart in gleicher Funktion beim fränkischen Traditionsclub SpVgg Greuther Fürth. „Die Stuttgarter Kickers werden gegen uns brennen“, sagt 55-Jährige vor dem DFB-Pokal-Erstundenspiel an diesem Samstag (18 Uhr/Sky) im Gazi-Stadion und stellt sich auf eine knifflige Aufgabe ein.

 

Herr Widmayer, wie blickt man in Ihrem Team auf den DFB-Pokal-Auftritt bei den Kickers?

Auf jeden Fall mit großem Respekt. Wir wissen, dass das keine leichte Aufgabe wird. Ich kenne als Schwabe natürlich das Umfeld und die Atmosphäre auf der Waldau. Wenn da die erwarteten 7000 Zuschauer kommen, wird mächtig Stimmung in der Bude sein. Es gibt also überhaupt keinen Grund, den Gegner zu unterschätzen. Da werde ich im Vorfeld schon auch darauf hinweisen, alles andere müssen unsere Spieler erledigen.

Die Kickers taten sich bei der Generalprobe bei Landesligist Spvgg Trossingen schwer.

Sie haben erst kurz vor der Pause das 1:0 erzielt, ich weiß. Aber am Ende haben sie diesen Pflichtsieg im WFV-Pokal souverän mit 4:0 eingefahren. In solch einem Spiel will sich doch keiner verletzen, jeder möchte im DFB-Pokal dabei sein. Gegen uns werden die Kickers ganz anders in die Zweikämpfe gehen, genau da hingehen, wo es wehtut, sie werden brennen.

Sie stellen sich auf einen heißen Tanz ein?

Wir sind selbstbewusst genug und wissen, dass wir im Normalfall die bessere Mannschaft sind. Aber klar, der Außenseiter wird alles geben, um mit Einsatz, Zweikampf- und Laufstärke das Spiel auf seine Seite zu bekommen. Darauf müssen wir vorbereitet sein und dürfen nicht hektisch werden.

Nach zwei Spieltagen wartet Ihr Team noch auf den ersten Sieg. Kommt schon Unruhe auf, zumal das prestigeträchtige Derby beim 1. FC Nürnberg verloren ging?

Nein, gar nicht. In diesem Verein wird seriös gearbeitet. Man weiß genau, was vorhanden ist und was möglich ist. Wir haben ein junges, entwicklungsfähiges Team mit enorm viel Potenzial. Unser Geschäftsführer Sport Rachid Azzouzi macht da einen richtig guten Job.

„Im Derby nicht präsent genug“

Aber die Resultate fehlen noch.

Wir haben gegen Holstein Kiel ein richtig gutes Spiel gemacht, uns aber bei dem 2:2 am ersten Spieltag durch Nachlässigkeiten nicht mit drei Punkten belohnt. Im Derby waren wir vor der Pause nicht präsent genug und haben verdient mit 0:2 verloren. Von daher brauchen wir jetzt ein Erfolgserlebnis, aber das bekommen wir nicht geschenkt.

Dabei haben Sie doch auch erfahrene Spieler im Team wie ihren Kapitän Branimir Hrgota, den früheren Spieler von Union Berlin, Sebastian Griesbeck, Ex-VfB-Profi Julian Green oder Jetro Willems, der mit Eintracht Frankfurt 2018 den DFB-Pokal gewann.

Das stimmt, die Mehrzahl ist aber noch am Anfang der Karriere. Mich erinnert unser Team an die Mannschaft der jungen Wilden des VfB Stuttgart II unter Trainer Rainer Adrion mit Spielern wie Aleks Hleb, Andy Hinkel oder Sami Khedira. Wir geben jungen Talenten eine Plattform, so wie das früher schon bei Joannis Amanatidis der Fall war, der bei Fürth den nächsten Schritt in seiner Karriere machte.

Der neue Schweizer SpVgg-Trainer Marc Schneider (42) passt in diese Philosophie?

Absolut, ich kenne ihn ja schon aus seiner Zeit als Spieler beim FC St. Gallen, als ich dort als Co-Trainer arbeitete. Marc lässt leidenschaftlichen Fußball spielen und passt daher wie die Faust aufs Auge hierher.

Ist der Wiederaufstieg ein Thema?

Wir wollen jetzt erstmal in der zweiten Liga ankommen, so schnell wie möglich unseren ersten Sieg landen und im Pokal so weit wie möglich kommen.

Zur Person

Vita
Rainer Widmayer wurde am 2. April 1967 in Sindelfingen geboren. Als Spieler war er u.a. für den VfB Stuttgart II, die SpVgg 07 Ludwigsburg, den 1. FC Pforzheim und den SSV Ulm 1846 am Ball. Als Co-Trainer arbeitete er für den VfB, Grasshopper Club Zürich, Hertha BSC, TSG 1899 Hoffenheim, Schalke 04 und seit Sommer 2022 für die SpVgg Greuther Fürth.

Privates
Widmayer ist verheiratet und hat zwei Söhne. (jüf)