Rainer Fetting in der Galerie Thomas Fuchs Zur Feier des Tages

Von Nikolai B. Forstbauer 

Malerstar ist Rainer Fetting seit den späten 1970er Jahren. So sind die Erwartungen an neue Werke besonders hoch. Die „Clowns“ und „Monster“, die der Berliner Fetting in der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart auftreten lässt, belegen die ungebrochene Intensität in Fettings Bildwelt.

Stuttgart - Ein feines Blau, das sich ins Gelb auflöst, ein eigentümlicher Rosé-Ton fast, fast aus dem Nichts – und doch ganz selbstverständlich richtig an seinem Ort. Das Zentrum des Bildes ist ganz Malerei, ist ganz Spiel des Lichts und der Farbe. Und doch nur Teil eines Ganzen, das sich „Boy mit E-Gitarre“ nennt – und eben dieses zeigt: einen Jungen im räumlichen, vielleicht gar landschaftlichen Irgendwo, der auf einer elektrischen Gitarre spielt. Es ist eine Pose, die dem Bild Struktur gibt – die aber zugleich in das rein Malerische zurücktritt.

Kometenhafter Aufstieg

Noch stärker betont Rainer Fetting, 1949 in Wilhelmshaven geboren und in den späten 1970er Jahren kometenhaft aufgestiegener Schüler von Karl Horst Hödicke an der Berliner Hochschule der Künste, die Dynamik der Gegenkräfte von figurativem Impuls und malerischer Raffinesse in der Szenerie „Clown am Meer“. Ein Bild, das allein schon den Besuch der Ausstellung mit neuen ­Arbeiten Fettings in der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart lohnt.

Mit der Wut des „Clowns“ katapultiert sich Fetting aus manch durchaus auch selbst gesuchter (Motiv-)Ruhe nach den Stürmen, die den Maler bis Mitte der 1980er Jahre auf höchste internationale Gipfel geführt hatte. Gerade so, als wolle er die tausendfach gelegten falschen Fährten um eine für die unter der Schubladen-Flagge „Neue Wilde“ um die 1977 von ihm mitbegründete Phalanx junger Berliner (und Karlsruher!) Maler verwischen und vergessen machen, hatte sich Fetting ja einige Zeit auch Blumenstillleben nicht verschlossen.

Bilder wie gute Songs

Die Neue Figuration aber ist eben gerade nicht die historische Leistung jener Künstler, die in Berlin die Selbsthilfegalerie am Moritzplatz gründeten. Die Neue Figuration nimmt Ende der 1950er Jahre Form an, wird Spukgestalt, wird von einem Neuen Realismus gekontert, der im komplexen künstlerischen Denken der 1970er Jahre zur nurmehr historischen Größe wird. Das Naive sieht seine Chance – bis Rainer Fetting (vollgepackt mit Eindrücken aus der New Yorker Clubszene), Helmut Middendorf oder auch Salomé aus Stadt, Bar, Bühne, Punk und Sexualität Bilder entwickeln, die wie gute 2,30-Minuten-Songs wirken.

Mit den „Clowns“ ist Rainer Fetting zurück – und zeigt bei Thomas Fuchs zugleich, dass er der einst gefeierten Nacht der Städte nun in gleicher Intensität den Tag und die Landschaft („Ebbe“) entgegensetzt. Die ­Figur in „Andrea Fernrohr“ wirkt noch ­etwas unsicher, ob die neuen Dramen am Strand ihre Spannung halten. Zu Unrecht.

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