Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Mit der Entführung wollten palästinensische Terroristen deutsche Gesinnungsgenossen freipressen. Doch sie wurden in einer spektakulären Aktion überwältigt, die tief in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingraviert ist. Foto: dpa

Spektakulär stürmte die GSG 9 1977 in Mogadischu die entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ und befreite alle 86 Geiseln. Die RAF-Gründer waren damit am Ende. Jetzt wird die abgewrackte, aber symbolträchtige Maschine nach Deutschland geholt.

Friedrichshafen/Berlin/Fortaleza - Diese Radionachricht am 18. Oktober 1977 ist gleichbedeutend mit der Wende des deutschen Herbstes gewesen: „Null Uhr achtunddreißig, hier ist der Deutschlandfunk mit einer wichtigen Nachricht. Die von Terroristen in einer Lufthansa-Boeing entführten 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden.“ Ein Kommando der deutschen Spezialeinheit GSG 9 hatte die Maschine um 0.05 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Flughafen Mogadischu gestürmt und drei der vier Entführer getötet. Die 86 Passagiere wurden gerettet. Für den Flugkapitän Jürgen Schumann kam die Rettungsaktion allerdings zu spät. Im Gefängnis Stammheim töteten sich, als die Radiomeldung heraus war, die RAF-Terroristen Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader; Irmgard Möller überlebte schwer verletzt. Am 19. Oktober wurde im Elsass die Leiche von Hanns Martin Schleyer gefunden.

Die Befreiungsaktion ist fest im Kollektivgedächtnis der Deutschen haften geblieben – wohl auch, weil sich niemals spektakulärer die Wehrhaftigkeit der Bundesrepublik gegen den RAF-Terror zeigte. Aber die Lufthansa-Maschine mit der Flugnummer LH 181 vom Typ Boeing 737-200 geriet in Vergessenheit. Bis 1985 flog sie noch im Liniendienst für die Lufthansa, dann wurde sie verkauft und immer weiter verkauft. Stationen Boeing waren Frankreich, Indonesien und schließlich Südamerika. Nun kehrt sie nach Deutschland zurück.

Ende Mai zunächst ein Handel im Stillen

2008 wurden die Triebwerke für immer abgeschaltet, eine brasilianische Fluggesellschaft schob die „Landshut“ auf den Flugzeugschrottplatz von Fortaleza. Der dortige Flughafenbetreiber Infraero suchte einen Resteverwerter – und wurde bei bei der Bundesrepublik fündig. Der Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) habe selbst die Rückführung der Maschine eingefädelt, hieß es am Donnerstag aus dem Umfeld des Auswärtigen Amts. Der Grund sei der baldige 40-jährige Jahrestag der Entführung. Wie unsere Zeitung erfuhr, seien für die Maschine gemäß einem Gutachten bereits am 24. Mai 20 000 Euro gezahlt worden.

Bis zum vergangenen Februar reichen die Planungen zur Rettung der schrottreifen „Landshut“ zurück. Beteiligt waren daran auch Nachfahren des Friedrichshafener Zeppelin-Entwicklers und Flugzeugingenieurs Claude Dornier. Die Industrieellenfamilie hat im Jahr 2009 in Friedrichshafen ein Technikmuseum eröffnet, das unter anderem das Verkehrsflugschiff DO X und andere wichtige Maschinen früherer Tage zeigt. Auch Kontakte zu Ulrich Wegener hielten sich, dem Kommando-Chef der GSG 9 bei der Erstürmung der Maschine. Er war als militärischer Berater von Dornier-Nachfolgeunternehmen immer mal wieder am Bodensee.

Ein Sprecher des Museums, das David Dornier leitet, sagte am Donnerstag, die flugunfähige Maschine werde nun zerlegt, nach Deutschland transportiert und restauriert. „Die Finanzierung dafür ist gesichert, unter anderem durch das Auswärtige Amt sowie das Bundesministerium für Kultur und Medien unter fachlicher Mitwirkung der Lufthansa Technik“.

Die Gesamtkosten bleiben geheim

Wie viel Geld die Dorniers beisteuern und wie hoch die veranschlagten Gesamtkosten sind, verraten weder die Stiftungsvertreter noch deutsche Diplomaten. Es sei an eine bundesweite Spendenaktion zur Rettung der „Landshut“ gedacht, heißt es allerdings in Friedrichshafen. Denn mit dem Transport allein ist es nicht getan. Die Maschine soll den jetzt bekannt gewordenen Plänen zufolge rechtzeitig zum 40. Jahrestag der Geiselbefreiung im September im Museum am Bodensee eintreffen. Anschließend wollen die Dorniers die legendäre Boeing dort restaurieren.

Für die Ausstellungsmacher, die aufgrund der finanziellen Situation immer mal wieder mit Fusionsgerüchten im Zusammenhang mit dem Friedrichshafener Zeppelin-Museum konfrontiert sind, verspricht die Landshut ein großer Wurf zu werden. „Diese Attraktion wird viele Besucher nach Friedrichshafen und an den Bodensee locken“, sagte am Donnerstag David Dornier. Wie das museale Konzept aussehen könne, werde bald bekannt gegeben.

Museum in Familienhand

Im Jahr 2009 eröffnete am Rand des Friedrichshafener Flughafens das Dornier-Museum. Getragen wird es von der Dornier-Stiftung für Luft- und Raumfahrt, an der Silvius Dornier, der dritte Sohn des Luftfahrtpioniers Claude Dornier, und die Firma Daimler maßgeblich beteiligt sind. Das Museum präsentiert die Geschichte der Luft- und Raumfahrtentwicklung am Bodensee.

Die Dornier-Stiftung ist 2005 nach bürgerlichem Recht von Silvius Dornier gegründet worden, der in diesem Jahr 90 Jahre alt wurde. In diesem Frühjahr setzte der Stifter den 1962 geborenen David Dornier als Museumsdirektor ein, der zuvor ein Jahr lang der Sprecher der Stiftung war. Obwohl das Museum 2016 gut 100 000 Besucher zählte, sind die Unterhaltskosten immer wieder ein Thema.

Claude Dornier war von 1913 an Ingenieur an der Seite des Grafen Ferdinand von Zeppelin. Später gründete er die Dornier-Werke. Am Bodensee entstanden Flugboote und Bomber. Nach dem Krieg stand der Name Dornier auch für Medizin- und Raumfahrt-Technik. Von 1985 an wurde die Firma stückweise aufgespalten – der Name Dornier verschwand allmählich aus dem Flugzeugbau.

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