Harald Einsle fertigt alles selbst, was er für seine Bienenhaltung braucht. Die Holzteile, die er in einer Scheune fand, sind dem Tüftler allerdings ein Rätsel. Foto: factum/Bach

Der Hobbyimker Harald Einsle aus Ludwigsburg stößt in Bönnigheim auf rätselhaftes Bienenzubehör. Nun versucht er, das Geheimnis zu lüften. Das ist eine Herausforderung.

Ludwigsburg - Die Schatzsuche von Harald Einsle beginnt an einem Samstag im Januar. Da weiß er allerdings noch nicht, dass es eine Suche wird. Er denkt, er habe einen Schatz gefunden. Er steht im Schuppen eines alten Hauses in Bönnigheim-Hohenstein und blickt in Kartons voller sorgfältig gezimmerter Holzrähmchen und auf Latten geleimten Kunststoffklötzchen. Es ist das Erbe eines Imkers, der viele Jahre in dem alten Haus gelebt hat.

Seither sind fast zwei Monate vergangen. Was genau er aus der Scheune in Hohenstein nach Hause gekarrt hat, weiß Harald Einsle noch immer nicht. Obwohl er bei seiner Recherche keine Instanz der Imkerszene ausgelassen hat. Mit jedem „keine Ahnung, was das sein soll“ jedoch wuchs bei Einsle die Gewissheit, etwas ganz Großem auf der Spur zu sein. Wer sich mit dem 44-Jährigen unterhält, ertappt sich dabei zu hoffen, dass er recht hat.

Ratlose Experten

Harald Einsle lebt in Ludwigsburg, ist Grafiker – und irgendwie ein Alleskönner. Er produziert Saft mit beinahe historischen Geräten, die er selbst ertüchtigt hat. Er hat Schnaps aus Äpfeln, die, wie die für den Saft, von seinen Streuobstwiesen stammen, die er selbstverständlich auch hegt und pflegt. Und Bienen, man ahnt es, hält er auch. Die sogenannten Beuten, in denen seine Völker summen, schreinert er selbst. Die Wachswaben, in die sie ihren Honig lagern, presst er ebenfalls selbst. In diesem Sommer will er mit der Zucht von Königinnen beginnen.

Ein Sieb mit Balkonen?

Nachvollziehbar, dass Einsle auch aus den Errungenschaften aus Hohenstein etwas machen will. So wie der Erblasser, den er leider nicht mehr fragen kann, mutmaßlich auch. Aber was? Ein gezimmertes Holzrähmchen, 40 auf 33 Zentimeter, mit einem stramm gespannten Gitter auf der einen Seite und an den Kanten vier Klötzchen. Wie ein quadratisches Sieb mit Balkonen sieht das aus. Dazu ein kleiner Kunststoffblock mit Schlitz und Loch, angebracht an einem Brett mit Rinnen und Ritzen. Wie der labyrinthartige Vorbau zu einem, tja, zu was? „Das kann man bestimmt vervollständigen“, sagt Harald Einsle und wendet die Teile fragend in seinen Händen. Pläne hat er ja keine. Zwei Mal musste er sein Auto vollladen, bis er alle Fundstücke in einem Hüttle auf seiner Wiese verstaut hatte. Die ist jetzt so voll, dass er sie kaum noch betreten kann. Schon deshalb wäre die Lüftung des Bienenzubehör-Geheimnisses toll.

Harald Einsle hat Rat beim Fachhändler für Imkereibedarf gesucht. „So was schon mal gesehen?“, fragte er die versammelten Experten bei einem Tag der offenen Tür. „Nein, noch nie“, antworteten alle kopfschüttelnd. „Eine Idee, was das sein könnte?“, fragte Einsle den Bienensachverständigen seines Imkervereins. „Hmmm, vielleicht . . ., hmmm, . . . nein“, sagte der Verständige, der sonst auf alle Fragen eine Antwort weiß. „Sagt dir das was?“, fragte er einen Imker, der an der Pädagogischen Hochschule einen Lehr- und Forschungsbienenstand unterhält. Sagte ihm nichts. Nicht mal bei Facebook fand sich jemand, der das Rätsel hätte entschlüsseln können.

Bienensauna und Honig-Zapfhahn

Das ist deshalb erwähnenswert, weil Imker ziemlich kreativ sein können. Eine Bienensauna – gibt es: Das Gerät heizt den Bienen ordentlich ein und soll so die tödliche Varroamilbe vertreiben. Einen Beuten-Zapfhahn – gibt es: Aus ihm fließt der Honig direkt aus dem Bienenstock ins Glas. Einen Honigtrockner – gibt es: Die Konstruktion entzieht dem süßen Gold Feuchtigkeit und macht es besser haltbar. Wer weiß, womöglich verbirgt sich hinter dem Schatz aus Hohenstein eine weitere Erfindung, die nur ihrer Vollendung harrt?

Harald Einsle hat inzwischen den Sohn des Erblassers ausfindig gemacht. Demnächst wird er ihn besuchen. Der Mann hat offenbar noch jede Menge kleine Holzkisten gefunden. Vielleicht passen die ja zum restlichen Bienenzubehör. Und womöglich ist das Geheimnis bald gelüftet.

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