Beim Supercross gibt es mehr Vergiftungs-Verdachtsfälle als ursprünglich angenommen. Die Serie von Anschlägen seit dem Cannstatter Volksfest wird dabei immer rätselhafter.
Ist die Häufung der K.-o.-Tropfen-Alarme bei Großveranstaltungen in Stuttgart ein Zufall – oder gehen etwa Serientäter um? Bei der Kriminalpolizei gibt es zum jüngsten Verdachtsfall am Wochenende beim ADAC Supercross in der Schleyer-Halle neue Erkenntnisse. Dazu gehört die Feststellung, dass die Dimension etwas größer ist als am Sonntag noch angenommen. Es gibt nicht nur drei Geschädigte, die plötzlich über Unwohlsein, Schwindel oder gar Ohnmacht klagten. „Inzwischen kennen wir zwölf Besucher des Events, denen es nicht gut ging“, sagt Polizeisprecherin Daniela Treude auf Nachfrage unserer Zeitung.
Dabei gibt es auch eine eher ernüchternde Erkenntnis für die Ermittler des Drogendezernats der Kripo: Der Ort und der Zeitrahmen der mutmaßlichen Anschläge lassen sich nicht weiter eingrenzen. Zwar gaben acht der zwölf Betroffenen an, nach der sportlichen Veranstaltung Supercross bei der sogenannten After Race Party in einer Bar im benachbarten Carl-Benz-Center gewesen zu sein. Und die hatte laut Programm erst am Samstag gegen 22 Uhr begonnen. Allerdings gab es vier mutmaßlich Geschädigte, die nicht auf dieser Party waren – mithin im Bereich der Schleyer-Halle ins Visier geraten sein mussten. Die Tatzeiten könnten außerdem – je nach Wirkungsweise des verwendeten Stoffs – viel früher liegen.
Erste Erkenntnisse vom Cannstatter Volksfest
Ob es einen Schnittpunkt für beide Gruppen der Veranstaltungsbesucher gab oder unbekannte Täter womöglich an beiden Örtlichkeiten unterwegs waren: Bisher ist alles Spekulation. Räumlich enger beisammen liegt die Veranstaltungshalle an der Ulmer Straße im Stadtbezirk Wangen, wo elf Besucher einer Halloween-Party am 31. Oktober über verdächtige Gesundheitssymptome klagten. Hatte man ihnen Gamma-Hydroxybutyrat, Ketamin oder Benzodiazepin in die Drinks gemischt? Die Laborergebnisse von Urin- und Blutproben werden von der Polizei erst in den nächsten Wochen erwartet.
Ob die allerdings groß weiterhelfen, ist eher fraglich. Dies zeigt sich beim K.-o.-Tropfen-Alarm, den es Ende September beim Cannstatter Volksfest gegeben hat. Demnach hatten zwei Frauen am späten Freitagabend und ein Mann am Sonntag gegen 22 Uhr körperliche Beschwerden bei der Polizei angezeigt. Hier gibt es eine Zwischenbilanz: Beim Volksfest sind insgesamt sechs Verdachtsfälle gemeldet worden: „Ein Laborergebnis steht noch aus, vier weitere Ergebnisse liegen aber vor“, sagt Polizeisprecherin Treude. Und die sind negativ. Beim sechsten Fall habe man aufgrund der Bewertung der Umstände keine Laborprobe veranlasst.
Kein Nachweis von K.-o.-Tropfen bisher. Also alles nur Hysterie? Nicht unwahrscheinlich ist freilich, dass sich die zumeist flüchtigen Substanzen bereits im Körper abgebaut hatten, noch ehe die Proben genommen wurden. Das könnte auch ein schlechtes Omen für die Ermittlungen zum Supercross am Wochenende sein: Die Polizei war erst am Sonntag gegen 10.30 Uhr von dem Verdacht informiert worden.