Beim Treff der Radwege AG in Böblingen wurde deutlich, dass die drängenden Probleme nicht so schnell gelöst werden können.
Böblingen - Robust, bereit, die Komfortzone auch einmal zu verlassen, engagiert und äußerst diskussionsfreudig: Die Radlerfraktion in Böblingen ist ein besonderes Völkchen. Zum 81. Mal lud die Stadt jetzt die Bürgerinnen und Bürger, die das Fahrrad dem Auto häufig vorziehen, in der AG Radverkehr zum Austausch und Dialog. Das Treffen hat gezeigt, dass aus dem verschworenen Häuflein früherer Tage längst eine respektable Bewegung geworden ist, die der Kommune bei der Verkehrsplanung kritisch auf die Finger schaut. Manches davon dokumentiert eine gewisse Detailverliebtheit und einen Hang zur ausgeprägten Korrektheit, aber häufig legen die Fahrradfahrer den Finger in die verkehrlichen Wunden der Stadt und verschaffen der Radlerperspektive eine Stimme im Rathaus. Eine lange Liste mit Verbesserungsvorschlägen landete dieses Mal auf dem Tisch der Verwaltung. Für die größten Baustellen, soviel wurde deutlich, wird es keine raschen Lösungen geben. Dennoch gab es viel Lob für die Arbeit der Verwaltung. „Dass es solch eine AG gibt, ist nicht selbstverständlich“, sagte ein Teilnehmer zum Schluss.
Dunkel ist es unter der Autobahn 81
Schickhardstraße: Die Fahrt auf dem Radstreifen durch die Autobahnunterführung ist eng, unübersichtlich, dunkel und wird begleitet von den vielen Trucks, die zwischen der Hulb und Daimler pendeln. Genutzt wird dieser Weg von vielen Dagersheimern, die zur S-Bahn wollen und Schülern, die ins Schulzentrum Stockbrünnele radeln. „Da können wir nicht viel ändern“, räumte Dieter Weidmann vom städtischen Baureferat ein. Die Radler werden sich wohl mit hellerem Licht und einer Leuchtmarkierung am Radweg bescheiden müssen.
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Schönbuchstraße: Radweg, Gehweg, Parkstreifen, Autospur. Für Roland Schmitt vom ADFC ist es schlichtweg ein „Durcheinander“, das die Stadt dort den Verkehrsteilnehmern zumutet – gefährlich vor allem für alle, die nicht auf vier Rädern unterwegs sind. Eine schnelle Lösung ist hier ebenso nicht in Sicht. Die Verwaltung nahm das Chaos zur Kenntnis.
Durcheinander auf der Hulb
Hulb: Auch dort, so der Befund, sind die Radler gefährdetes Objekt zwischen starkem Verkehr, untauglichen Radwegen und gefährlichen Hof- und Parkplatzausfahrten. „Wir sind uns bewusst, dass die Hulb sehr unattraktiv für Fahrradfahrer ist“, bekannte Anne Rummert, „wir brauchen hier ein Gesamtkonzept.“ Dass das dauert ließ die städtische Verkehrsplanerin ebenfalls nicht unerwähnt.
Kreisel: Nichts ist so gefährlich für die Radler wie die beiden Doppelkreisel in der Unterstadt. Aus diesem Grund hat die Stadt die Fahrradfahrer am Listkreisel auf den Gehweg verbannt. „Das ist ein Unfallschwerpunkt für Radfahrer“, erklärte Ordnungsamtsleiterin Gisa Gaietto. Die Zahlen machten das deutlich. ADFC-Vertreter Roland Schmitt empfand das nicht als „glückliche Lösung“. Er kritisierte, dass dieser wie auch der Mercaden-Kreisel „unzumutbar“ sei für den Radverkehr. Dem pflichtete Dieter Weidmann bei: „Das ist keine tolle Lösung“. Man werde das Geschehen beobachten, versicherte er und kündigte an, dass die Wissenschaft sich diesem demnächst widme: Ein Uni-Projekt wird die Kreisel genauer untersuchen. Auch hier werden die Radfahrer in den nächsten Jahren erst einmal Geduld mitbringen müssen.
Mächtige Hindernisse für Radschnellweg
Verbindung nach Dagersheim: Eine bessere Verbindung vom Flugfeld Richtung Dagersheim steht auf dem Plan der Verwaltung. Radwegeplaner Guido Kremler berichtete von einer Machbarkeitsstudie, die derzeit zwei Varianten prüfe: eine Brücke und ein Verbindungssteg aus dem Schwippetal hinauf zur Kreisstraße.
Radschnellweg: Die rasche Ost-West-Durchquerung der Stadt ist eine Herausforderung. Die Hulb und die Bahnlinie sind mächtige Hindernisse auf diesem Weg. Auch hier ist die Stadt laut Guido Kremler am Planen. Vier Varianten werden derzeit untersucht, zunächst mit provisorischen Querungen der Bahnlinie. Die Lösungen sollen demnächst dem Gemeinderat präsentiert werden.
Winterdienst: Wenn’s schneit, sind die Radler verloren. Statt sie zu räumen, schieben die Schaufellaster häufig den Schnee auf die Radwege und machen ein Durchkommen für Radler unmöglich. Die Stadt verspricht Besserung: In der kommenden Wintersaison sollen acht Kilometer mehr Radwege geräumt werden als bisher. Ein Schmalspurfahrzeug soll die Räumtrupps dabei unterstützen.