Am Ende des neuen Stegs soll einmal nach links ein Radweg führen. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Das Land und die Stadt Stuttgart haben sich bei der Planung eines Radwegs am Rosenstein ineinander verhakt. Es sind noch Fragen des Denkmal- und des Naturschutzes zu klären. Radler müssen derzeit entweder einen Umweg fahren oder eine Treppe überwinden.

Die Wege für Radfahrer am Rosenstein bleiben beschwerlich – und das länger als ursprünglich geplant. Der neue, etwa 500 Meter lange Radwegabschnitt, der auf dem Weg in Richtung Innenstadt den beschwerlichen Aufstieg aus dem Neckartal hinauf zum Schloss Rosenstein überflüssig machen soll, lässt weiter auf sich warten. Die Verhandlungen zwischen der Stadt, die den Radweg bauen möchte, und dem Land, dem die Grundstücke gehören, ziehen sich hin.

 

Radweg soll auf bestehender Baustraße entstehen

Wer heute mit dem Fahrrad vom Neckarufer in die Innenstadt möchte, muss einen Umweg in Kauf nehmen oder schieben. Denn die neue Brücke für Fußgänger und Radler über die Neckartalstraße endet an einer provisorischen Treppe, die hinauf zu den Wegen im Rosensteinpark führt. Schon seit Längerem plant die Stadt, eine Baustraße am Fuß des Hangs zum Radweg umzugestalten und diesen auf Höhe der Anlagenseen ans Wegenetz anzuschließen. Damit könnte die Treppe entfallen. In der Vergangenheit war man im Rathaus zuversichtlich, dass die neue Radlerpiste bis Ende dieses Jahres fertig ist.

Daraus wird nichts. „Eine Fertigstellung des Radwegs und der Abbau der Treppe ist nach heutigem Planungsstand in der zweiten Jahreshälfte 2024 möglich“, sagt Oliver Hillinger, Sprecher der Stadtverwaltung. Das mag auch damit zusammenhängen, dass viele Stellen ein Wort mitzureden haben. Man befinde sich derzeit „in Abstimmung mit den Beteiligten aus Bahn, dem Land Baden-Württemberg, der Naturschutzbehörde und dem Denkmalamt“, so Hillinger.

Der Redebedarf ergibt sich aus den Gegebenheiten vor Ort. Der geplante Radweg beginnt vor dem historischen Portal des ersten Bahntunnels unter dem Rosenstein hindurch, der längst stillgelegt ist. Der Tunnelmund stehe genau wie der zu durchquerende Rosensteinpark unter Denkmalschutz. Die zu bauenden Anlagen seien „mit dem Eigentümer sorgfältig abzustimmen“, so Hillinger.

Hier kommt das Land ins Spiel, dem der Rosensteinpark gehört. Vertreten wird es in den Planungen durch das Amt Vermögen und Bau und die Wilhelma. Beide hätten zu Details des Vorhabens „im September 2023 eine Rückmeldung an das Tiefbauamt der Stadt gegeben“, sagt Jasmin Isaku vom Finanzministerium, das die Liegenschaften des Landes verwaltet. Eine Stellungnahme der Stadt und der Bahn stehe noch aus.

Quer durchs geschützte Areal

Die Bahn ist involviert, weil sie die Baustraße, die einmal zum Radweg werden soll, einst angelegt hatte, um die Baustelle der neuen Neckarbrücke, aber auch die der beiden neuen Tunnelröhren unter dem Rosenstein andienen zu können. Zwischen der Piste für die Baugeräte und den bestehenden Wegen im Park muss für die Radler eine kurze Lücke geschlossen werden. Die zu querenden Grünflächen im Park genießen allerdings den Schutzstatus eines Fauna-Flora-Habitat-Gebiets (FFH). Daher sei „eine naturschutzrechtliche Genehmigung erforderlich, die noch beantragt werden muss“, erklärt Rathaussprecher Hillinger.

Naturschutzrechtliche Bedenken hatten schon erste Ideen für einen neuen Radweg zunichtegemacht. Die sahen einen Weg auf halber Höhe entlang des Hangs am Rosenstein vor. „Dieser ursprünglich angedachte Weg wäre aus naturschutzrechtlichen Gründen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht realisierbar, da dieser durch das FFH-Schutzgebiet führen würde“, gab die Stadtverwaltung in eine Vorlage bereits im Juni 2022 zu bedenken. Man empfehle „deshalb in Abstimmung mit dem Land, den ursprünglich geplanten Hangparallelweg durch eine alternative Wegeführung in der Lage der heute bestehenden Stuttgart-21-Baustraße zu ersetzen“, lautete der Rat aus der Verwaltung vor anderthalb Jahren.