Die als Spitzkehre bekannt gewordene 180-Grad-Wende auf dem Radweg zwischen Böblingen und Dagersheim kommt weg. Bis es tatsächlich so weit ist, müssen sich Radler aber noch gedulden.
Wer mit dem Fahrrad von Böblingen nach Dagersheim unterwegs ist, muss sich auf mindestens ein Abenteuer gefasst machen: die Spitzkehre, eine 180-Grad-Kurve zwischen Gottlieb-Daimler-Straße und Schwippetal. Sie bringt ein bisschen Alpenpass-Gefühl ins beschauliche Gäu, ist aber vor allem unübersichtlich. Dass sie weg soll, steht fest und die Planungen schreiten langsam aber sicher voran. 2026 oder 2027 könnte die Spitzkehre Geschichte sein, wie Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) den Stadträten jüngst verkündete.
Den Grundsatzbeschluss, die Spitzkehre zu entschärfen, hat der Böblinger Gemeinderat vergangenes Jahr getroffen. Die Forderung, die Radler erst gar nicht zum Daimlerknoten zu führen und stattdessen beim Sensapolis eine Radbrücke über die Autobahn direkt ins Schwippetal zu bauen, hatte eine Absage erhalten. Die Stadtverwaltung hatte diese Option geprüft, aber als zu teuer verworfen. Zumal die Zeitersparnis gering und die Vorgaben des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft kaum zu erfüllen gewesen wären, hieß es als Begründung.
Rampe und Brücke statt Spitzkehre
Stattdessen soll eine Kombination aus Rampe und Brücke die Spitzkehre ersetzen und in sanftem Bogen von der Gottlieb-Daimler-Straße hinunter Richtung Schwippe führen. Im Vergleich zum ersten Vorschlag hat sich die Wegführung leicht verändert, weil sich Biotopflächen entlang der Schwippe ausgedehnt haben. Guido Gremler vom Amt für Stadtentwicklung präsentierte den Räten die überarbeiteten Pläne.
Der Grundgedanke ist der gleiche geblieben: Wer von Böblingen kommend am Daimlerknoten Richtung Kläranlage und Mercedes-Benz-Werk abbiegt, wird nach wenigen Metern auf eine Rampe geführt. Diese Rampe führt zum einen geradeaus hinunter – für alle, die zum Mercedes-Benz-Werk wollen. Zum anderen zweigt von ihr eine Brücke ab, die einen Bogen Richtung Schwippe macht und damit für alle Radler gen Dagersheim das Mittel der Wahl sein wird.
Rampe und Brücke sollen vier Meter breit werden. Für Fußgänger ist am Beginn der Rampe eine Treppe vorgesehen.
Räte und ADFC mit Lösung zufrieden
Stadtrat Tim Göhner (Grüne), der auch im Dagersheimer Ortschaftsrat sitzt, zeigte sich mit der angepassten Variante zufrieden. Eine direktere Führung mit einer Radbrücke über die Autobahn wäre zwar attraktiver gewesen, meinte er, „aber aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht möglich.“ Sein Parteikollege Markus Helms bezeichnete die Lösung als „sinnvoll“.
Ähnlich äußert sich auf Nachfrage der ADFC, der seit langem die Beseitigung der Spitzkehre fordert. „Die Radverbindung zwischen Dagersheim und Böblingen sowohl zu Daimler, zum neuen Klinikum, zur Innenstadt und auch auf die Hulb wird dadurch deutlich verbessert“, teilt Peter Grotz mit, der dem ADFC Kreisverbands vorsitzt.
Der Gemeinderat stimmte den Plänen zu. Die Stadtverwaltung will nun das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen einleiten und mit den Grundstückseigentümern, der Stadt Sindelfingen und dem Zweckverband Kläranlage, in Verhandlungen treten. Weil die notwendigen Planungsleistungen voraussichtlich die Schwelle von 221 000 Euro überschreiten, müssen sie laut Stadtverwaltung europaweit ausgeschrieben werden.
Die Bausumme steht noch nicht fest. Sie könnte aber bis zu zwei Millionen Euro betragen, wovon ein Teil über Fördermittel abgedeckt werden könnte.