Die Bahn betreibt weiter das Verleihsystem. Aber nicht mehr unter dem Namen Call a bike, sondern als Regio-Rad-Stuttgart. Foto: dpa

Es ist ein Großauftrag, der fast neun Jahre läuft und ein Volumen von mindestens 8,3 Millionen Euro umfasst: das neue Fahrradleihsystem in Stuttgart und Region. Deshalb wird mit harten Bandagen gekämpft. Jetzt hat die Vergabekammer entschieden.

Stuttgart - Das neue Fahrradverleihsystem in Stuttgart und der Region wird wohl von der Deutschen Bahn betrieben. Die Bahntochter DB Connect GmbH hatte bereits Ende Juli den Zuschlag für den fast neun Jahre laufenden Vertrag mit der Stadt Stuttgart bekommen, an dem sich auch interessierte Kommunen in der Region beteiligen können. Die Vergabekammer Baden-Württemberg wies jetzt einen Antrag des unterlegenen Konkurrenten, der Nextbike GmbH aus Leipzig, zurück und bestätigte damit die Entscheidung des Verwaltungsausschusses des Gemeinderats. DB Connect rangierte mit einem Gesamtpreis von 8,3 Millionen Euro für den Radverleih in der Landeshauptstadt vor Nextbike (10,3 Millionen) und einem weiteren Bewerber.

Bisherige Systeme nicht kompatibel

Die Bahn ist schon für das bisherige System Call a bike in Stuttgart zuständig. Nextbike betreibt in 15 Städten rund um Stuttgart ein anderes Verleihsystem, das mit Unterstützung des Landes und der beteiligten Kommunen aufgebaut wurde. Das neue Angebot soll unter dem Namen Regio-Rad-Stuttgart vom 1. März 2018 an in der Landeshauptstadt und danach in bis zu 80 Kommunen in der Region angeboten werden. Mit der regionsweit einheitlichen Lösung ist die Hoffnung auf mehr Nutzer verbunden. Die Systeme Call a bike und Nextbike sind nicht kompatibel. An der Ausschreibung waren auch 19 Kommunen aus der Region beteiligt, die zusammen rund 3,4 Millionen Euro zusätzlich für das Radverleihsystem aufbringen müssten. Die Summe liegt deutlich unter den dafür kalkulierten 5,3 Millionen Euro.

Weiteres Vorgehen noch offen

Ob das Verfahren mit dem Spruch der Vergabekammer wirklich beendet ist, hängt jedoch davon ab, ob Nextbike beim Oberlandesgericht Karlsruhe bis Ende August Beschwerde einlegt. Dazu will sich die Firma am Montag äußern.

Eigentlich sollte das neue System in Stuttgart schon in Betrieb sein. Doch die erste europaweite Ausschreibung scheiterte, weil die Vorstellungen der Stadt unrealistisch waren. Jetzt zahlt das Rathaus pro Jahr mehr als 750 000 Euro, bei Call a bike waren es zuletzt rund 230 000 Euro. Dafür werden 750 neue Räder (blau statt wie bisher rot), darunter 150 Pedelecs, angeschafft. Die Zahl der Verleihstationen in Stuttgart soll von 45 auf 60 steigen. Für die Kunden ändert sich nicht so viel: Die ersten 30 Minuten Ausleihe sind weiterhin kostenlos, für jede weitere halbe Stunde müssen bis zum Tageshöchstsatz von 15 Euro ein Euro bezahlt werden. Pedelecs kosten von Anfang an zwölf Cent pro Minute, der Tageshöchstsatz beträgt 22,50 Euro.

Der Radverkehr in Stuttgart spielt auch wegen der hohen Feinstaub-Belastung eine große Rolle. Die zehn wichtigsten Fakten dazu sehen Sie im Video:

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