Auf der Fahrbahn ist Radfahren im Flughafentunnel verboten, auf dem Weg daneben ist nur wenig Platz. Foto: imago/Arnulf / Hettrich

Landesverkehrsminister Winfried Hermann legt die Idee vorerst zu den Akten, den Flughafentunnel für Autos zu sperren, um Radfahrern mehr Platz einzuräumen. Ganz vom Tisch ist der Plan aber nicht.

Nun ist amtlich, was sich bereits abgezeichnet hat: Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verfolgt den Plan vorerst nicht weiter, den Flughafentunnel zwischen Stuttgart-Plieningen und Filderstadt-Bernhausen für den Autoverkehr zu sperren. Auf diese Weise wollte Hermann Radfahrern mehr Platz zugestehen, die bislang in der Röhre nur einen schmalen Weg vorfinden, auf dem keine zwei Fahrräder aneinander vorbei passen.

 

Unterschiedliche Reaktionen auf die Idee

Die Idee, die in Radkreisen auf große Zustimmung traf, in den Orten rund um den Tunnel aber Bedenken laut werden ließ, der Ausweichverkehr könne die örtlichen Straßennetze über Gebühr belasten, „liegt vorerst auf Eis“, wie es in einer Mitteilung des Verkehrsministeriums heißt.

Am Freitag hatte Verkehrsminister Hermann Oberbürgermeister und Bürgermeister der betroffenen Städte Filderstadt, Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen sowie der Gemeinde Neuhausen in Kenntnis gesetzt.

Ministerium vermisst Zahlen aus Berlin

Das Ministerium begründet das Abrücken von dem Vorhaben vor allem mit der engen Terminschiene. Die Tunneltechnik muss saniert werden. Der Flughafen, der das Vorhaben verantwortet, braucht für die Ausschreibung der Arbeiten bis Herbst dieses Jahres Klarheit darüber, welcher Verkehr künftig durch den Tunnel rollen soll.

Für die weitere Verkehrsplanung benötigt das Land aber die Zahlen der Verkehrsprognose 2040, die der Bund erhebt. Diese liegen wohl erst im Herbst vor und damit aus Sicht des Landes zu spät, um noch Tunnelsanierung und neue Radverkehrsregelung zeitlich unter einen Hut zu bekommen.

Kritiker zufrieden

Kritiker des Vorhabens zeigen sich mit der Entwicklung zufrieden. „Engagement für bessere Ideen setzt sich eben durch“, erklärt Carl-Christian Vetter aus Plieningen, der für die CDU im Stuttgarter Gemeinderat sitzt. Auch Friedrich Haag, FDP-Landtagsabgeordneter und neuer Stadtrat in Stuttgart, äußert sich kritisch: „Zum Glück hat sogar der oberste Fahrradminister erkannt, dass diese Sperrung keinen Sinn ergibt.“ Er vermutet hohe Kosten für den Steuerzahler und fordert: „Jetzt muss geklärt werden, welche Summen unter anderem für zahlreiche Gutachten ausgegeben wurden.“

Für die Radfahrer soll nun der bestehende Weg am Ostrand des Flughafens entlang auf Vordermann gebracht werden. Dies sei aber allenfalls „eine Zwischenlösung für den Radverkehr“, wie das Verkehrsministerium mitteilt.

Ausbau der B 27 soll neue Chancen eröffnen

Denn so ganz will Hermann nicht von der ursprünglichen Idee lassen und setzt dabei auf sich ändernde Rahmenbedingungen. Der Minister hat dabei vor allem den Ausbau der B 27 bei Leinfelden-Echterdingen auf sechs Fahrspuren im Auge. Das führe zu „einer erheblichen Verkehrsentlastung in Bernhausen und im Flughafentunnel. Damit entstehen auch für die Radfahrerinnen und Radfahrer der Region echte Chancen auf bessere Bedingungen, zum Beispiel durch die mögliche Freigabe des Tunnels für den Radverkehr“, sagt Hermann.

Die Erweiterung der Bundesstraße soll bis Anfang des kommenden Jahrzehnts erfolgt sein. Hermann rechnet damit, „dass bis dahin schon weitere, relevante Abschnitte des Radschnellwegs in Richtung Stuttgart und innerhalb Filderstadt fertiggestellt sein werden“.