Eine der möglichen Routen für den Radschnellweg in Esslingen führt über die Stuttgarter Straße in der Pliensauvorstadt. Foto: Roberto Bulgrin

Die Stadt Esslingen hat jetzt vier potenzielle Trassen für den Radschnellweg auf Esslinger Gemarkung präsentiert. Diese sollen nun intensiv untersucht und auf Konfliktpunkte überprüft werden. Bis Ende des Jahres soll die Route stehen.

Statt einen Spurt hinzulegen, hat man sich in Esslingen bei der Planung des Radschnellwegs in den vergangenen Jahren mühsam abgestrampelt. Allerdings bislang vergebens: Nach wie vor ist unklar, wo die Trasse auf Esslinger Gemarkung entlang führen soll. Nun aber will man Tempo in die Sache bringen: Bis Ende des Jahres soll die Streckenführung stehen. Die Stadt hat auf Grundlage der Beiträge einer Onlineumfrage jetzt vier mögliche Routen vorgestellt.

 

Vier mögliche Routen auf Esslinger Gemarkung Foto: Zapletal

Bereits Anfang des vergangenen Jahres hat das Land die Vorzugstrasse für den Radschnellweg RS 4 zwischen Reichenbach und Stuttgart festgezurrt. Allerdings wurden dabei zwei strittige Abschnitte auf Esslinger und Plochinger Gemarkung ausgeklammert. Während in Plochingen die Streckenführung beim Landschaftspark Bruckenwasen noch nicht abschließend geklärt ist, konnte man sich in Esslingen noch nicht auf eine Route zwischen der Stadtgrenze Stuttgart und dem Alicensteg einigen.

Mehr als 250 Kommentare bei Onlinebeteiligung

Jetzt aber will man in Esslingen kräftig in die Pedale treten. Auf Grundlage einer Onlinebeteiligung hat man vier potenzielle Routen identifiziert, die nun genauer untersucht werden sollen. An der Onlinebefragung konnten sich alle beteiligen, die von dem Radschnellweg tangiert sind – und viele nutzten diese Möglichkeit. Laut Stadtverwaltung gingen mehr als 250 Kommentare von rund 150 verschiedenen Personen ein. Obwohl Anregungen und Kritik zur gesamten Strecke des RS 4 möglich waren, lag der klare Fokus mit mehr als 200 Kommentaren auf der Esslinger Gemarkung – und hier vor allem auf der Pliensauvorstadt und Weil.

Neben Hinweisen auf Konfliktpunkte und Kritik an bestimmten Trassenverläufen gingen laut Sasan Aslani von der Esslinger Stabsstelle Mobilität auch zahlreiche Ideen für Alternativrouten aus der Bevölkerung ein. Insgesamt habe man etwa 30 Trassenvorschläge aus den Beiträgen der Bürger herauskristallisiert. Diese habe man dann mit eigens erarbeiteten Ausschlusskriterien abgeglichen.

So seien etwa Routen durch Gewerbegebiete wegen des hohen Aufkommens von Schwerlastverkehr tabu, ebenso Strecken mit viel Verkehr, durch wertvolle Grünflächen oder durch Gebiete mit vielen schützenswerten Arten. Auch Trassen mit größeren Steigungen oder Bereiche, deren Erhalt für die Bevölkerung sehr wichtig ist wie etwa der Rote Platz in der Pliensauvorstadt, gelte es zu meiden. Zudem sei die Wirtschaftlichkeit zu beachten: Zu hohe Kosten für den Bau einer Radtrasse seien ein Ausschlusskriterium, erklärte Aslani im jüngsten Mobilitätsausschuss.

Übrig geblieben sind letztlich vier potenzielle Routen auf Esslinger Gemarkung, die teils untereinander kombinierbar sind. Diese sollen nun weiter untersucht und gegebenenfalls modifiziert werden. Allerdings mahnte Aslani: „Wir werden die Trasse finden, die am verträglichsten ist, nicht aber eine ohne Konfliktpotenzial – denn die wird es nicht geben.“ Konkret geht es um eine Trasse nördlich und drei südlich des Neckars (siehe Grafik). Dabei würde Route 1 von Stuttgart aus am nördlichen Neckarufer entlang und dann offenbar über die Mettinger Straße, die Schelztorstraße und die Wehrneckarstraße bis zur Kiesstraße und von dort in die Fahrradstraße Hindenburgstraße führen. Route 2 würde um den Stadtteil Weil herum und dann wohl über Feldwege auf die Stuttgarter Straße in der Pliensauvorstadt führen und bei der Vogelsangbrücke zur B 10 gelangen. Route 3 ist offenbar als Abzweig von Route 2 oder Route 4 über die Parkstraße angedacht. Und Route 4 könnte über den westlichen Teil der Weilstraße bis zur Karl-Pfaff-Straße in der Pliensauvorstadt führen, wo sie auf Route 2 oder 3 übergehen könnte.

Resonanz der Stadträte ist durchwachsen

Die Resonanz im Mobilitätsausschuss war durchwachsen. Während Grüne, SPD und Linke die Routenvorschläge begrüßten und das geplante weitere Vorgehen lobten, zeigten sich Freie Wähler, FDP und CDU skeptisch. So erklärte etwa Hermann Falch (Freie Wähler): „Die Onlinebeteiligung hat gezeigt, dass das Thema hochproblematisch ist.“ Denn die Ideen und Vorschläge seien höchst unterschiedlich und zeigten, wie sehr die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer divergierten. Zudem seien die geforderten Standards für den Radschnellweg, etwa Kreuzungsfreiheit und vier Meter Breite, in Esslingen völlig unrealistisch.

Ähnlich äußerte sich CDU-Rat Herbert Schrade: „Für uns hat sich gezeigt, dass ein Radschnellweg bei uns eigentlich gar nicht möglich ist.“ Und die FDP-Fraktionschefin Rena Farquhar wünschte sich mehr Beachtung der Nordroute. Denn die Pliensauvorstadt südlich des Neckars sei extrem verdichtet und berge hohes Konfliktpotenzial: „Hier müssen die Menschen im Vordergrund stehen, nicht nur der Artenschutz“, befand sie. Andreas Fritz hingegen monierte: „Jeder will an den Radweg angebunden sein, aber wenn es konkret wird, gibt es Konflikte.“ Und Andreas Koch (SPD) erklärte: „Ich würde mir mehr Begeisterung für den Radschnellweg wünschen.“ Es sei ein Ermöglichungsgeist vonnöten und nicht die Suche nach Konflikten. Unterdessen betonte Baubürgermeister Hans-Georg Sigel: „Es ist keine der Routen in Stein gemeißelt, wir sind mitten im Prozess.“

Suche nach der richtigen Route

Prüfung
 Nach der Onlinebeteiligung, die von Juli bis September 2023 stattgefunden hat, sowie der daraus abgeleiteten möglichen Radtrassen soll es jetzt weitergehen mit der Routenfindung für den Radschnellweg auf Esslinger Gemarkung. Die vier potenziellen Strecken sollen nun intensiv geprüft werden.

Begehung
 Bis zum Herbst soll eine Begehung der Routen samt anschließendem Workshop von Vertretern der Stadt Esslingen und des Regierungspräsidiums Stuttgart mit der Bevölkerung stattfinden. Dabei sollen Eindrücke der Strecken gewonnen sowie Anregungen gesammelt werden. Bis Ende 2024 soll eine Trasse stehen.