Mehr als tausend Radler werden wieder beim Charity Bike Cup in Heimerdingen erwartet. Foto: Andreas Gorr

Der Luxemburger Rad-Profi Andy Schleck sowie der Olympiasieger im Beachvolleyball, Jonas Reckermann, sind am 3. Oktober beim Charity Bike Cup in Heimerdingen als Teamkapitäne im Einsatz.

Ditzingen - Marcel Wüst, Jan Ullrich, Mike Kluge oder Danilo Hondo sind gefragte Männer beim Charity Bike Cup, der am 3. Oktober wieder in Ditzingen-Heimerdingen über die Bühne gehen wird. Die 50 Startplätze in ihrem Team, welches sie als Kapitän anführen werden, sind bereits alle ausgebucht. Doch Radsportbegeisterten, die sich noch anmelden wollen, braucht nicht bange zu sein. Zu diesen vier ehemaligen Radprofis gesellt sich weitere Sportprominenz, die für einen guten Zweck in die Pedale tritt. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt notleidenden Kindern in der Region zugute.

Neben dem Luxemburger Andy Schleck, Tour-de-France-Sieger von 2010 (dem ursprünglichen Sieger Alberto Contador wurde der Titel nachträglich am 6. Februar 2012 wegen Dopings aberkannt), wird erstmals beim Charity Bike Cup auch Jonas Reckermann mit von der Partie sein. Der ehemalige Beachvolleyballer nimmt als Kapitän seines Teams die 60 Kilometer lange Distanz in Angriff. „Wir freuen uns riesig, dass einer der beliebtesten Sportler Deutschlands sein Kommen zugesagt hat“, sagt Patrick Betz vom Veranstalter Radsportakademie in Bad Wildbad. Mit seinem Partner Julius Brink hat Reckermann alles gewonnen, was es im Beachvolleyball zu gewinnen gibt. Die beiden wurden Welt- und Europameister und begeisterten im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen in London nicht nur die Zuschauer vor Ort, sondern auch acht Millionen vor dem Fernseher, als sie als erstes europäischen Duo Gold gewannen. Aus gesundheitlichen Gründen beendete Reckermann Anfang des Jahres seine sportliche Karriere.

In Heimerdingen gesellt er sich als Teamkapitän zu Radsportlern wie Danilo Hondo, Stefan Schumacher, Jörg Ludewig, Olaf Pollak, Steffen Wesemann, Ski-Weltmeister Frank Wörndl oder Tagesschausprecher Marc Bator. „Ich bin zwar nicht Deutschlands größter Radsportler. Aber für einen guten Zweck steige ich natürlich gerne in den Sattel“, sagt Reckermann.

Erstmaliger Kooperationspartner beim Charity Bike Cup ist die Sportjugend des Württembergischen Landessportbundes (WLSB), die ihr Präventionsprogramm „cool and clean“ vorstellt, das für sauberen und fairen Sport steht. Zielgruppe des Programms sind Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren sowie deren Trainer oder Betreuer. „Uns ist es wichtig, dass wir das Thema dort präsentieren, wo es ein Restrisiko gibt. Denn Doping ist nicht nur im Spitzen- sondern auch im Breitensport ein Thema“, sagt Andreas Schmid, Vorsitzender der Württembergischen Sportjugend und Vizepräsident des WLSB. Einige Teilnehmer des Charity Bike Cups haben in der Vergangenheit gedopt oder stehen unter Verdacht, unerlaubte Mittel genommen zu haben. Ganz aktuell wird im Landgericht Stuttgart der Fall des geständigen Stefan Schumacher verhandelt.

Auch Heinz Betz, der Organisator des Charity Bike Cups, wurde bereits als Zeuge vorgeladen. Betz war fünf Jahre lang bis 2009 Manager von Stefan Schumacher. „Stefan wird bei unserer Veranstaltung mitfahren“, sagt Betz, „er war zwei Jahre lang gesperrt und hat damit seine Strafe abgesessen.“ Beim Thema Doping gäbe es nichts zu beschönigen, „doch auch Sportler haben in unserer Gesellschaft das Recht, einen Neuanfang zu starten und resozialisiert zu werden“, sagt der Warmbronner, für den beim Charity Bike Cup allein das Radeln für den guten Zweck im Vordergrund steht.

Kommentar: Fader Beigeschmack

Ambivalente Gedanken kommen auf, wenn ein Sportler, der gedopt hat, als Vorbild auftritt und für einen guten Zweck sammelt. Nathalie Mainka - Namhafte Spitzensportler – aktuelle oder ehemalige – werden am 3. Oktober wieder mehrere tausend Besucher zum Charity Bike Cup nach Heimerdingen locken. Wo Jan Ullrich auftritt, zieht er noch immer die Massen an. Für viele Hobbysportler ist es ein Höhepunkt, in Gesellschaft mit Prominenten eine Runde zu drehen. Und je mehr Teilnehmer an den Start gehen, desto mehr Geld kommt zusammen. Beim Charity Bike Cup geht es um einen guten Zweck. Der Erlös dieser Veranstaltung – in den vergangenen sieben Jahren waren es rund 200 000 Euro – kommt Kindern aus der Region, die in Not geraten sind, zugute. Die Sportler als Vorbilder. Genau dies bekommt bei der Dopingdiskussion – die nicht nur im Radsport geführt wird – einen faden Geschmack. Kann ein Sportler Vorbild sein, wenn er selbst unerlaubte Substanzen eingenommen hat, um seine Leistung zu steigern, und jahrelang gelogen hat?

Aktuell wird der Fall des Nürtinger Dopingsünders Stefan Schumacher im Landgericht Stuttgart verhandelt. Es passt nicht zusammen, wenn der Veranstalter des Charity Bike Cups die Sportjugend des Württembergischen Landessportbundes mit ihrem Präventionsprogramm „cool und clean“ mit ins Boot nimmt, um sich dem Thema Doping „zu stellen“, auf der anderen Seite überführte Dopingsünder als „Zugpferde“ einlädt.

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