Die Schnellwegtrasse wird nicht durch Rommelshausen führen, sondern entlang der Bundesstraße. Foto: /Stadt Fellbach

Der Gemeinderat hat die zentrale Trasse quer durch Rommelshausen abgelehnt. Wo der Radschnellweg Schorndorf-Fellbach bei Kernen nun verlaufen soll.

Kernen - Quer durch den Ort direkt an der S-Bahn-Haltestelle vorbei oder weiter südlich auf einer neu gebauten Expresspiste entlang der Bundesstraße? Der Gemeinderat in Kernen hat sich in seiner jüngsten Sitzung für die Radschnellwegtrasse für den RS 05 außerhalb des Ortes entschieden. Damit wird die sogenannte Trassenvariante Nord realisiert. Diese führt von Weinstadt kommend direkt entlang der Bundesstraße über eine neu zu bauende Radbrücke und Unterführungen unter Waiblinger Straße und Bahn hindurch in Richtung Schüttelgrabenring weiter gen Fellbach.

 

Landratsamt plädiert für Variante Süd

Stefan Hein, Leiter des Dezernats Bauen, Umwelt und Infrastruktur des Landratsamtes, unter dessen Federführung das Projekt des Radschnellwegs RS 05 steht, hatte in der Sitzung nochmals über die Vor- und Nachteile der beiden Varianten und deren Realisierungsperspektive informiert. Letztlich mit einem – auch der Empfehlung der Verwaltung Kernens entsprechenden, recht klaren Plädoyer für die Variante Süd.

Gegen die Variante Nord spreche vor allem der große Flächenverbrauch. Durch die neu zu bauende etwa 1,7 Kilometer lange Radstraße mit mindestens fünf Metern Breite werde rund ein Hektar Landwirtschaftsfläche versiegelt. Dazu kommen als Nachteile der außerörtlichen Variante möglicherweise zeitraubender Grunderwerb für eben diese Flächen und die notwendigen Bauwerke, die auf dieser Trasse erst freie Fahrt auf dem angehenden Radschnellweg ermöglichen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: 365-Euro-Ticket soll kommen

Die Umsetzung der nördlichen Variante erfordert unter anderem Brücken zum Beispiel über den Krättenbach sowie die extra genehmigungspflichtige Unterquerung der Bahntrasse und diejenige der Waiblinger Straße in Richtung Schüttelgrabenring. Neben den deutlich höheren Kosten – die allerdings in diesem Fall nicht Kernens Kasse betreffen – könnte ein recht langwieriges Planfeststellungsverfahren die Realisierung des Radwegs zwischen Schorndorf und Fellbach durchaus um einige Zeit verzögern.

Bedenken wegen Schwerlastverkehr

Die kommunale Radschnellwegdebatte hatte sich zuvor eher um die mutmaßlichen Nachteile der Variante Süd gedreht. Wie sich in den Wortbeiträgen in der Gremiumssitzung deutlich zeigte, hatten vor allem massive Sicherheitsbedenken wegen des dort gegeben Mischverkehrs mit Bevorrechtigung der Fahrradfahrer nicht ausgeräumt werden können. Unter anderem Gefahren durch Schwerlastverkehr und Linienbusse samt sonstigem Gewerbegebietsverkehr waren Bedenken, die im Vorfeld zu Widerspruch und Unterschriftenliste seitens Anwohnern und Gewerbetreibenden geführt hatten.

Auch diese Bedenken hatte Hein in der Sitzung anhand einiger Zahlen über das dortige Verkehrsaufkommen zu zerstreuen versucht. Die Anzahl der Fahrzeuge sowohl bei Fahrrädern als auch Autos oder Lastverkehr seien ebenso wie die Wartezeiten an der Waiblinger Straße weit von dem entfernt, was bei derlei Mischverkehren auf ausgewiesenen Fahrradstraßen als kritisch betrachtet würde: „Vier Fahrräder pro Minute, die Skandinavier lachen über diese Zahlen.“

Neben der unproblematischeren und zeitnahen Machbarkeit hatte die Verwaltung Kernens auf die Vorteile der Trasse Süd für die vorhandene örtliche Radverkehrsinfrastruktur verwiesen. So könne der Bahnhof Rommelshausen mit dem Ortskern und dem Ortsteil Stetten sowie die zukünftige Neubebauung der Hangweide deutlich besser miteinander vernetzt werden.

Mehreren Fraktionen betonten schließlich in der Debatte, dass nach intensiven Diskussionen und Besichtigungen kein einheitliches Votum abgegeben werde. Am Ende lehnten die Gemeinderäte die empfohlene Trassenvariante Süd mit elf gegen sieben Stimmen ab. Anschließend fand die alternative Variante Nord mit zwölf zu fünf Gemeinderatsvoten bei zwei Enthaltungen eine vergleichsweise deutliche Mehrheit.