Tausende Radfahrer könnten täglich von einem Umbau der Friedrich-Ebert-Straße an der Bärenwiese in Ludwigsburg profitieren. Entscheidet sich der Gemeinderat tatsächlich für eine Einbahnstraßenregelung?
Für Autofahrer in der Ludwigsburger City bahnt sich eine gravierende Veränderung an. Sie könnten auf der Friedrich-Ebert-Straße direkt vor dem Forum eine Fahrspur verlieren. Die Stadtverwaltung plant eine Einbahnstraße: Sie führt nach Osten, weg von der B 27. Gewinner wären die Radfahrer, bei einem positiven Beschluss des Umwelt- und Mobilitätsausschusses am Donnerstag sowie des Gemeinderats am 27. September. Sie könnten sich dann auf immerhin drei Meter breiten Radwegen auf beiden Seiten der Straße bewegen.
Radler werden auf Kopfsteinpflaster durchgerüttelt
Tausende von Radlern passieren bereits jetzt täglich die zentrale Stelle an der B 27 am Eingang zum Stadtkern, darunter viele Schüler auf dem Weg vom und zum Campus. Doch die Friedrich-Ebert-Straße hat ihre Tücken. Wer nach Osten in Richtung Oßweil radelt, wird auf Kopfsteinpflaster durchgerüttelt. Nur wenig besser geht es Nutzern des schmalen Radwegs in Richtung Innenstadt. Sie haben es mit wartenden Abbiegern für die Parkplätze auf der Bärenwiese zu tun und werden aufgehalten.
Der Abschnitt ist Teil des Radschnellwegs nach Waiblingen
Für mehr Fluss soll künftig der Radschnellweg von Waiblingen über Remseck nach Ludwigsburg (RS 8) sorgen. Zu diesem Projekt gehört der fahrradfreundliche Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße durch die Stadt, die für den Abschnitt zwischen Bahnhof und Oßweil zuständig ist.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte im Juni bei einer Umfrage die Stelle als wunden Punkt im Radverkehr identifiziert. „Umständlich und gefährlich“ – so lautete das Urteil der Befragten, die auf diesem Weg morgens in die Innenstadt unterwegs sind. Die Einbahnstraße kann das Problem des Abbiegeverkehrs auf die beiden großen Parkplätze auf der Bärenwiese nicht ganz lösen – aber die Schüler radeln vor allem morgens vor 8 Uhr auf dieser Seite. So früh wird der Parkplatz kaum genutzt.
Selten ist der Umbau von Straßenraum zugunsten von Radfahrern in Innenstädten keineswegs. So hat etwa der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in seiner Stadt systematisch Seitenparkplätze entfernen lassen. Er verschaffte damit Radfahrern mehr Raum zum schnellen und sicheren Vorwärtskommen. Palmer folgt damit dem Beispiel der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, in der es mehr Fahrräder als Einwohner gibt und breite Radautobahnen sowie günstige Ampelschaltungen den CO2 -freien Radlern Vorfahrt einräumen.
Auch in Ludwigsburg haben die Ziele des Klimaschutzes bereits zu einem Ausbau des Radnetzes geführt: zum Beispiel an der Marbacher Straße zwischen Neckarweihingen und dem Residenzschloss. Ob sich aber der 930 000 Euro teure Bau dieses Radwegs auf einer der Hauptverkehrsachsen der Barockstadt gelohnt hat, war nicht klar. Die CDU sah das Projekt vor drei Jahren als Fehlinvestition an – zu wenig Radfahrer nutzten die Strecke. Doch die Zahlen stiegen nach dem Ende der Corona-Politik inzwischen wieder an: von 93 000 Nutzern im Jahr 2019 auf 133 000 im Jahr 2022 an der unteren Zählstelle am Neckar. „Man kann schon sagen, dass hier einige unterwegs sind, und die Zahlen werden sicher noch steigen“, sagt Matthias Knobloch, der Mobilitätsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg.
Politisch war zuletzt im April über die Probleme vor dem Forum diskutiert worden. Das Projekt ging ohne Gegenstimme im Ausschuss durch – im Dezember hatte es noch einzelne Bedenken wegen Verkehrsproblemen in der Oststadt gegeben. Für Bürgermeister Sebastian Mannl ist die Sache klar. „Durch die Einbahnstraße werden die Hindernisse für die Radfahrenden in beide Richtungen deutlich reduziert“, teilt er in der Vorlage für die Sitzung am Donnerstag mit.
Das Parken auf der Bärenwiese verändert sich
Und wie verändert sich das Parken beim Forum? Die Seitenparkplätze an der Kulturstätte fallen weg, aber von der Bärenwiese sollen Autofahrer auch weiterhin gut wegfahren können. Vom ersten, näher an der Stuttgarter Straße gelegenen Parkplatz, kann man künftig immer noch nach rechts abbiegen und auf die B27 fahren. Vom zweiten Parkplatz aus geht es hingegen nur noch über Königsallee und Fasanenstraße hinaus.
Sollten die Stadträte die Planungen der Verwaltung billigen, müssten die Autofahrer aber auch an einer anderen Stelle beim Forum zurückstecken. Die Parallelstraße zur Stuttgarter Straße wird mit zwei Schranken ausgestattet. So kommt nur noch der Anlieferverkehr in die Nähe der Kulturstätte. Autofahrer, die bisher durch die Gasse geschlüpft sind, bleiben ausgeschlossen. Der Grund: Sie würden den Radverkehr kreuzen, was gefährlich werden könnte. Weniger Unfälle sind auch das Ziel, wenn das Forum nur noch in der Gasse zwischen den Schranken angeliefert wird – und nicht mehr an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort wird auch an die Fußgänger gedacht: Bäume trennen künftig Fuß- und Radweg deutlich.
Erfreulich dürfte aus Ludwigsburger Sicht jedenfalls die Kostenseite sein: Die bislang auf 2,2 Millionen Euro geschätzten Ausgaben würden mit 1,93 Millionen Euro durch das Land Baden-Württemberg gefördert.
Wie geht es mit dem Radschnellweg Ludwigsburg-Waiblingen weiter?
Bedeutung
Der Radschnellweg 8 soll auf 15 Kilometern die Kreisstädte Ludwigsburg und Waiblingen verbinden. Es soll mehr Menschen dazu bewegen, ihren Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen. Nach einer Studie liegt das Potenzial bei 2100 Radlern pro Tag.
Stand der Planung
Aktuell werten die Landratsämter Ludwigsburg und Rems-Murr bis Ende des Jahres eine Befragung aus, an der rund 500 Personen teilgenommen haben. Die Hinweise sollen einfließen, damit endgültig eine Strecke bedürfnisgerecht festgelegt werden kann.
Strecken
Bislang hat eine Machbarkeitsstudie drei Korridore zwischen Ludwigsburg und Waiblingen ermittelt: Nord, Mitte und Süd. Als Hauptweg hat sich die Strecke zwischen Waiblingen, Hegnach, Neckarrems und Ludwigsburg herauskristallisiert.