Die Gemüsegärtner im Anbaugebiet Esslingen-Weil halten eine Radroute auf den Feldwegen über ihre Äcker für nicht umsetzbar.
Nicht nur in der Pliensauvorstadt verursacht die Nachricht über die Kehrtwende bei der Planung des Radschnellwegs durch Esslingen Aufruhr. Auch die Landwirte im Anbaugebiet Esslingen-Weil melden sich jetzt zu Wort. Sie halten die von Land und Stadt Esslingen neuerdings empfohlene Trasse südlich des Neckars auf dem Abschnitt zwischen Alicensteg und Stuttgart für unrealistisch.
Gemüsegärtner befürchten erhebliche Konflikte
Die im Wasserverband Esslingen-Weil mit Kornhalde zusammengeschlossenen Landwirte befürchten, dass es durch einen Radschnellweg auf den Feldwegen zu erheblichen Konflikten kommen könnte. Diese könnten ihre Betriebe nachhaltig gefährden, geben sie zu bedenken. „Unsere Sorge gilt insbesondere der enormen Unfallgefahr“, heißt es in einem Schreiben des Verbands, der die Gemüsegärtner im Anbaugebiet Esslingen-Weil vertritt und die Bewässerungsanlage dort betreibt. Denn die Feldwege würden intensiv von Schleppern mit breiten Anbaugeräten befahren, die überdies häufig auf dem Weg wenden müssten, der zum Radweg umgebaut werden solle. Das sei nicht vereinbar mit einem Radschnellweg, auf dem Radler möglichst ohne Behinderung fahren sollen. Zudem lasse sich beim Gemüseanbau eine Verschmutzung des Wegs nicht verhindern, was die Unfallgefahr zusätzlich erhöhe. Und schließlich diene der betroffene Feldweg als Zufahrt zu mehreren Betrieben und werde durch regen Anliefer- und Werkverkehr stark frequentiert – zum Teil auch mit großen Lastwagen.
Im Übrigen könnten auch kleine Verluste an Anbaufläche und Behinderungen bei der Bewirtschaftung der Felder dazu führen, dass Betriebsstätten und Ackerland an Wert verlören, befürchten die Landwirte. Schon jetzt werde es wegen fehlender Planungssicherheit schwieriger, die Betriebsnachfolge auf den Höfen zu sichern. Und: „Nur wenn unsere Betriebe in Esslingen wirtschaftlich stark bleiben, sind sie in der Lage, auch unrentable Flächen mit zu bewirtschaften, was insbesondere die Terrassenweinberge und Streuobstwiesen betrifft“, heißt es im Schreiben der Gemüsegärtner. Zumal der Aufbau nachhaltiger Lebensmittelsysteme, wie es sie in Esslingen gebe, sehr wichtig sei: Angesichts der jüngsten Preisentwicklungen und der Unterbrechungen der Lieferketten zeige sich, welche Bedeutung die regionale Versorgung mit Lebensmitteln habe.
Strecke am Nordufer galt lange als beste Option
Gleichwohl betonen die Landwirte, dass sie für die Stärkung des Radverkehrs seien. „Unverständlich für uns ist, warum man nun diese in vielfacher Hinsicht unrealistische und nicht umsetzbare Südvariante prüft“, so der Wasserverband. Tatsächlich galt lange eine Strecke am Nordufer des Neckars als beste Option für den Abschnitt des Radschnellwegs zwischen Alicensteg und Stuttgart. Doch nun empfehlen das Land und die Stadt Esslingen eine Route durch die Pliensauvorstadt. Anders als die Landwirte sowie viele Anwohner können die örtlichen Radverbände der Trasse zwar etwas abgewinnen, würden die Nordroute aber bevorzugen.