Der Bürgerausschuss der Pliensauvorstadt (im Bild der Vorsitzende Andreas Jacobson) sowie viele Einwohner lehnen einen Radschnellweg durch die Weilstraße ab. Foto: Roberto Bulgrin

Bei einer öffentlichen Sitzung des Bürgerausschusses Pliensauvorstadt wird heftige Kritik an der empfohlenen Trasse durch den Stadtteil laut.

Das Mehrgenerationen- und Bürgerhaus in der Pliensauvorstadt platzt am Montagabend aus allen Nähten. Rund 200 Menschen sind der Einladung des örtlichen Bürgerausschusses gefolgt, an der öffentlichen Sitzung zum Thema Radschnellweg teilzunehmen. Bei der teils durchaus emotional geführten Debatte wird schnell klar: Viele von ihnen halten gar nichts von der Radtrasse über die Weilstraße, wie sie von Land und Stadt empfohlen wird.

 

Kritik, Unmut und Unverständnis

Der Bürgerausschuss selbst zeigt sich gleich zu Beginn der Sitzung skeptisch über die neuerdings vom Regierungspräsidium Stuttgart und der Stadt Esslingen empfohlene Route, die auf dem Abschnitt zwischen Alicensteg und Stuttgart südlich des Neckars und durch die Pliensauvorstadt führen soll. Damit trifft er einen Nerv im Publikum: In fast allen der zahlreichen Redebeiträge in der breit angelegten Diskussion wird Kritik laut, Unmut oder Unverständnis. Hauptkritikpunkt ist die Trassenführung durch die verkehrsberuhigte Weilstraße. Eine vier Meter breite Vorrangtrasse für Radler würde hier Kinder auf dem Weg zu Kindergarten und Schule, Senioren sowie Fußgänger ganz generell gefährden, so die Befürchtung. Zudem wird moniert, dass eine solche „Rad-Autobahn“ Veranstaltungen auf dem Roten Platz unmöglich machen, den Stadtteil zerschneiden und in der Fortführung Richtung Weil zu Problemen für die Landwirtschaft führen würde.

Darüber hinaus sehen viele auch ein Platzproblem: Sie fürchten den Wegfall von Parkplätzen, haben Bedenken vor noch mehr Nachverdichtung und sehen keine Option für einen Radschnellweg an der ohnehin als problematisch geltenden Kreuzung von Berkheimer und Brückenstraße. Zumal eine Trasse mit so vielen Konfliktpunkten auch keinem Radler gefallen könne, so der Tenor.

Manch ein Besucher wird durchaus deutlich: „Es ist völlig klar, dass dieser Radweg nie und nimmer durch die Pliensauvorstadt führen kann, das darf einfach nicht sein“, schimpft ein Mann. Ein anderer betont: „Einem Radschnellweg durch die Weilstraße kann kaum jemand etwas Sinnvolles abgewinnen.“ Wieder ein anderer fordert zum Widerstand auf: „Wir müssen gemeinsam hinstehen und Nein sagen.“

Nur ein Befürworter äußert sich

Einige Besucherinnen und Besucher räumen ein, einen Radschnellweg an sich durchaus zu befürworten, aber nicht an der anvisierten Stelle. Es wird angeregt, diesen entlang von Neckar und B 10 verlaufen zu lassen oder aber eine Spur auf der Stuttgarter Straße dafür zu opfern und Autofahrten nur noch in eine Richtung zu erlauben. Lediglich ein junger Mann stellt sich öffentlich gegen die Mehrheitsmeinung: Er halte den Radschnellweg für eine gute Sache und für weit weniger gefährlich als die Autos, mit denen viele Kinder in der Weilstraße zu Schule und Kita gebracht würden, so der Familienvater.