Radler aus Rommelshausen Einmal Deutschland und zurück

Von Michael Käfer 

Das Solarpaneel auf dem Lastenanhänger soll den Strom für Rainer Idlers Pedelec liefern. Foto: Michael Käfer
Das Solarpaneel auf dem Lastenanhänger soll den Strom für Rainer Idlers Pedelec liefern. Foto: Michael Käfer

Rainer Idler startet mit Pedelec und Lastenanhänger zu einer Testreise der solaren Infrastruktur. Der ehemalige Lehrer der Rommelshausener Rumold-Realschule beginnt eine Tour längs durch Deutschland.

Rommelshausen - Ein fehlender Laderegler hat den Start von Rainer Idler bisher verhindert. Ende dieser Woche soll es jedoch endlich losgehen. Der ehemalige Lehrer der Rommelshausener Rumold-Realschule beginnt eine Tour längs durch Deutschland. Das Transportmittel ist ein Pedelec und ein schwer beladener Anhänger, dessen Herzstück eine Solaranlage ist.

Durch diesen Energieumwandler soll sich der Akku des Pedelecs füllen und dem vor wenigen Tagen 64 Jahre alt Gewordenen die voraussichtlich bis August dauernde Reise erleichtern. Zudem ist die Anlage Versuchsobjekt und Werbeträger in einem.

„Es ist ein Deutschlandtest, ein Solarradtest und ein Idlertest“, sagt der ehemalige Pädagoge für Physik und Mathematik, der nach wie vor eine Solar-AG an der Rumold-Realschule leitet. Mit rund zehn Schülern und Elektrikern aus Kernens ungarischer Partnerstadt Dombóvár hat er bereits 2015 die Solaranlage auf dem neuen Jugendhaus und ehemaligen Vereinsheim der Kleintierzüchter installiert.

Sind die Radwege für ein Zweirad samt Anhänger geeignet

Die Solarenergie hat es dem drahtigen Mann angetan. Auf seiner Reise geht er der Kernfrage nach, wie es um die solare Infrastruktur in Deutschland bestellt ist. Lässt sich eine solche Langstreckenfahrt per Pedelec ohne Steckdose, also lediglich mit Strom aus dem Solarmodul, überhaupt bestehen? Sind die Radwege für ein Zweirad samt Anhänger geeignet? Kann man Pedelecs und Anhänger oder Lastenräder vor Ort mieten? Gibt es abschließbare Stellplätze für Pedelecs mit Verlängerung?

Diese und weitere Fragen hat er zu einem Katalog zusammengefasst und will darüber bundesweit Informationen sammeln. Immerhin soll die Reise zunächst entlang von Neckar und Rhein durch die norddeutsche Tiefebene bis nach Hamburg und zurück führen. „Ich mache keine Alpentour“, sagt der ehemalige Marathonläufer, der sich und seinem schweren Gespann allzu heftige Anstiege ersparen will.

Dennoch ist er umfassend ausgestattet. „Ich habe auch ein Feinstaub-Messgerät dabei“, sagt Rainer Idler. Dessen gesammelte Daten lassen sich im Internet nachvollziehen. Ebenso wird er im weltweiten Datennetz laufend über seine Erfahrungen und Erlebnisse berichten.

Beim zwanglosen Plausch wirbt der Pädagoge dann für solare Antriebe und eine Kultur weg vom Kaufen, hin zum Ausleihen oder Mieten

Unterwegs will Rainer Idler auf Rathäusern seine Fragen stellen und auch mal auf einem Marktplatz den mitgeführten Sonnenschirm und einige Stühle aufbauen. Beim zwanglosen Plausch wirbt der Pädagoge dann für solare Antriebe und eine Kultur weg vom Kaufen, hin zum Ausleihen oder Mieten. Der größte Teil seiner Ausrüstung, unter anderem auch das besonders robuste Pedelec, sind ebenfalls gemietet, schließlich plant Rainer Idler nicht jeden Tag eine Deutschlandreise.

Bei deren logistischer Vorbereitung hat es der erfahrene Radler eher locker angehen lassen. Statt in vorgebuchten Hotels plant er im Zelt, möglichst abseits von Campingplätzen, zu nächtigen. Passende Wiesen und Gärten zu finden dürfte sich – so seine Hoffnung – aus den Gesprächen mit interessierten Betrachtern seines auffälligen Vehikels ergeben. Spannend bleibt, ob die Sonnenenergie für das Pedelec reicht. Sollte dies nicht der Fall sein, dann ist Rainer Idler um eine Lösung aber ebenfalls nicht verlegen: „Wenn ich den Akku nur halb voll kriege, dann gehe ich in eine Kneipe, gebe den Akku ab, trinke ein Bier und fahre nach zwei Stunden weiter.“

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