Radioaktivität gemessen Königstraße strahlt, aber nur ein wenig

Von Eva Funke 

Ein Ingenieur hat die Behörden wegen der Radioaktivität in den Granitplatten an der Königstraße alarmiert.   Amtliche Strahlenschützer  geben jetzt Entwarnung. Foto: Peter-Michael Petsch
Ein Ingenieur hat die Behörden wegen der Radioaktivität in den Granitplatten an der Königstraße alarmiert. Amtliche Strahlenschützer geben jetzt Entwarnung. Foto: Peter-Michael Petsch

Wie hoch ist die Radioaktivität in der Königstraße? Amtliche Strahlenschützer haben das jetzt gemessen. Die Dosis ist mit 0,17 bis 0,34 Mikrosievert pro Stunde so minimal, dass weder für Passanten noch für die Mitarbeiter in den anliegenden Geschäften Gefahr durch Strahlung besteht.

Stuttgart - Die Aufregung um die Königstraße war groß. Denn der Diplomingenieur Bernd Laquai hatte festgestellt, dass der Belag radioaktiv ist. Darauf war er gestoßen, als er sich zu Forschungszwecken in die Einkaufsmeile aufgemacht hatte. Mit seinem Handwerkzeug, einem Detektor, wollte er dort keine Goldadern aufspüren, sondern sich vergewissern, ob der Flossenbürger Granit strahlt. Der wurde auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern in der Königstraße verlegt. „Den Versuch brauchte ich für ein Jugend-forscht-Projekt, das ich betreue“, sagt Laquai. Und tatsächlich: Der Böblinger wurde fündig. Sein Geigerzähler zeigte an mehreren Stellen einen Meter über dem Boden 0,3 bis 0,4 Mikrosievert pro Stunde an. Sievert ist die Maßeinheit für die Strahlendosis. Der Ingenieur räumte zwar ein, dass sein Geigerzähler beim Flug über den Atlantik auch nicht stärker ausschlagen würde. „Da meine Geräte nicht geeicht sind, war ich aber der Meinung, dass die Stadt das nachmessen sollte“, sagt Laquai.

Dort liefen zwischen Tiefbauamt, Gesundheitsamt und dem Amt für Umweltschutz die Telefondrähte heiß. Alles drehte sich um die Frage, ob von der Königstraße gesundheitliche Risiken ausgehen: Als 2005 im Gemeinderat die Entscheidung fiel, Flossenbürger Granit zu verlegen, hat kein Mensch an radioaktive Strahlung gedacht. „Wir waren alle schlichtweg überrascht“, sagt Sven Matis von der Stadt und stellt fest, dass man solchen Hinweisen sofort nachgehen müsse. Das Tiefbauamt der Stadt bestand auf ein Gutachten der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe, und das Stuttgarter Regierungspräsidium gab dies umgehend in Auftrag.

Die durchschnittliche natürliche Strahlendosis beträgt in Deutschland 2100 Mikrosievert pro Jahr

Die Karlsruher Strahlenschützer waren von den 0,3 bis 0,4 Mikrosievert jedoch nicht überrascht. „Mit so einem Ergebnis muss man bei Granit rechnen,“ stellt Jochen Kringler, Leiter des Referats Radioaktivität und Strahlenschutz bei der LUBW, fest. Dennoch rückten seine Strahlenschützer aus und fuhren im blauen VW-Bus von 10 bis 13.30 Uhr die Königstraße vom Arnulf-Klett-Platz bis zum Wilhelmsbau im Schritttempo rauf und runter. Messgeräte im Wagen zeichneten die Strahlung auf. Um Fehler auszuschließen, wurde an bestimmten Punkten per Hand mit geeichten Geräten nachgemessen. Das Ergebnis: Der Granit muss nicht wieder herausgerissen werden. Die Werte liegen laut Gutachten zwischen 0,17 und 0,34 Mikrosievert pro Stunde.

Entwarnung in der Königstraße: Die Messergebnisse liegen im grünen Bereich, wie die Übersicht zeigt (Quelle: LUBW)

Zum Vergleich: Die durchschnittliche natürliche Strahlendosis beträgt in Deutschland 2100 Mikrosievert pro Jahr. Würde sich jemand ein Jahr lang rund um die Uhr direkt auf der Königstraße aufhalten, wäre er einer Strahlung von insgesamt höchstens 2978 Mikrosievert ausgesetzt. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Mitarbeiter der anliegenden Geschäfte an 250 Tagen im Jahr acht Stunden dort aufhalten. Das bedeute im ungünstigsten Fall eine Dosis von 680 Mikrosievert im Jahr. Für Passanten liegt die Dosis bei einem Bruchteil dieses Wertes.

Andere Granitarten strahlen weniger als der Flossenbürger Granit aus dem Oberpfälzer Wald

Ob es ihm nur um Effekthascherei ging? Solche Verdächtigungen weist Diplomingenieur Bernd Laquai entschieden zurück: „Ich wollte, dass das Tiefbauamt meine Ergebnisse nachprüft und aus diesen Daten möglicherweise Konsequenzen zieht“, sagt er und stellt fest, dass es auch Granitarten gibt, die weniger Strahlen abgeben als der Flossenbürger Granit aus dem Oberpfälzer Wald. Warum ausgerechnet dieser Stein verwendet werde, leuchte ihm nicht ein. Außerdem kritisiert Laquai, dass per Gesetz nicht auf die Strahlung des Flossenbürger Granits hingewiesen werden muss. „Der wird auch im Innenbereich verwendet, ohne dass die Leute wissen, was sie da verbauen.“

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