Cordon bleu, Filet Mignon – die französische Küche ist reich an Fleisch. Foto: Adobe Stock_35947274

In dem Pariser Vorort Epinay-sur-Orge werfen Gewalttäter Steine ins Schaufenster und hinterlassen ihre Signatur: „Stop spécisme“. Die französischen Anti-Speziesisten sehen sich als Kämpfer gegen die Diskriminierung einzelner Tierarten durch den Fleischverzehr.

Paris - Epinay-sur-Orge, ein gesichtsloser Pariser Vorort, ist auf einen Schlag in die Schlagzeilen geraten. Genauer gesagt seine Metzgerei: Nachts wurde sie von Vermummten angegriffen, die Steine ins Schaufenster warfen und in gelber Farbe hinterließen: „Stop spécisme“ – Halt dem Speziesismus. Metzgermeister Cédric Neveu wusste sofort, was los war: Hier waren radikale Veganer am Werk. Sie bezeichnen sich als „Anti-Speziesisten“, als Kämpfer gegen die Diskriminierung einzelner Tierarten (Spezien) durch die fleischverzehrenden Menschen. Seit 2017 werden in Frankreich immer wieder Metzgereien attackiert, aber auch Fischgeschäfte und Restaurants. Im März eröffnete die Justiz ein Strafverfahren gegen eine militante Tierschützerin. Sie hatte nach dem Terroranschlag auf einen Supermarkt bei Carcassonne getwittert, dem dabei getöteten Metzger sei „Gerechtigkeit“ widerfahren, da er sich selbst wie ein „Mörder“ verhalte.

Tierschützer distanzieren sich von den Gewaltakten

Besonders viel Verständnis können die Aktivisten nicht erwarten. Die französische Küche ist nun einmal reich an Fleisch; Filet mignon, Cordon bleu und Lyoner Wurst sind fester Bestandteil der Gastronomie – und damit des Nationalstolzes. Nicht nur im Internet wird die Frage diskutiert, ob die 15 000 Metzgereien bald Polizeischutz brauchen. Auch kompromisslose Tierschützer distanzieren sich. Die Gewaltakte leisteten der ganzen Bewegung einen schlechten Dienst, meint etwa die Vereinigung L214, die gegen die Tötung von täglich drei Millionen Tieren in Frankreich kämpft.

Wie verhärtet die Fronten sind, zeigt ein Vorfall im nordfranzösischen Calais: Dort hat die mächtige Lobby der Rinderzüchter und Jäger jetzt durchgesetzt, dass ein Veganer-Festival im letzten Moment abgesagt wurde. Zwischen den Fronten eingekeilt, nehmen immer mehr Wirte und Köche Rücksicht auf die neuen Sitten. Kaum ein Feinschmeckerlokal führt noch eine Menukarte ohne fleischloses Gericht. Neue und oft sehr kreative Angebote bereichern die Gastronomie im ganzen Land. Auch die Metzgerei in Epinay-sur-Orge bietet Veganer-Steaks an. „Jeder soll essen können, was er will“, erklärte ihr Chef Neveu. Am Tag der Wiedereröffnung kamen aus Solidarität mehr Kunden als sonst. Der Fleischkrieg dürfte weiter gehen.

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