Obwohl Radfahren im Höhenpark verboten ist, steigt das Gros der Radler nicht ab. Foto: Eva Funke

Gegen Radler im Höhenpark gibt es noch keine wirksame Strategie. Baumaßnahmen würden neue Probleme schaffen.

Stuttgart-Nord - Offizielle Verbote, einstimmiges Votum des Bezirksbeirats Nord und jetzt auch verschärfte Kontrollen – nichts nutzt: Das Gros der Radfahrer steigt an den Eingängen zum Höhenpark Killesberg nicht vom Rad. Seit Mitte Mai bis Ende Juli sind laut Ordnungsamt 189 Radfahrer darauf hingewiesen worden, dass Radfahren im Höhenpark nicht erlaubt ist. In 66 Fällen gab es für ertappte Wiederholungstäter ein Verwarngeld von 25 Euro. Und 30 Mal wurde die Missachtung des Verbots als Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. Trotzdem: Die Radler treten im Park weiter in die Pedale

Mittlerweile sieht Bezirksbeirat Axel Alt (SPD ) kaum noch eine Handhabe, das Radfahren im Park zu unterbinden – außer bauliche Maßnahmen. Dies zu prüfen forderte er per Antrag in der letzten Sitzung des Beirats vor der Sommerpause. Sein Antrag wurde einstimmig angenommen (unsere Zeitung berichtete). Jetzt legte auch die Stadtverwaltung im Amtsblatt nach und weist unmissverständlich darauf hin, dass Radfahren im Höhenpark Killesberg verboten und der Park Fußgängerinnen und Fußgängern vorbehalten ist. Dorothea Koller, die Leiterin des Ordnungsamts, stellt fest:„Der Park ist keine öffentliche Verkehrsfläche, die im ursprünglichen Sinn des Straßenrechtes von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern genutzt werden kann. Das Radfahren ist ausdrücklich verboten.“ Mit einer Ausnahme: Bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen Kinder im Park radeln.

Die meisten Radler wüssten zwar Bescheid, davon ist Stefan Praegert vom Ordnungsamt überzeugt. Damit sich keiner rausreden kann, dass er von dem Fahrverbot nichts gewusst hat, wurden aber auf den Wegen vor den Zugängen zum Park die Verkehrszeichen 239 aufgemalt: ein blauer Kreis und in Weiß Frau mit Kind an der Hand

Kontrollen werden in den warmen Monaten fortgesetzt

Beobachten lassen sich dennoch die immer gleichen Situationen: Zwei ältere Herren radeln auf ihren Sporträdern an dem Verkehrszeichen vorbei. Darauf hingewiesen, dass sie im Park absteigen müssen, versichern sie, dass sie nicht durch den Park fahren – und sind schon drin im Park. Mitten im Park fahren Mitarbeiter der Ordnungsbehörde zwei jugendlichen Radfahrern im Auto hinterher, fordern sie auf, abzusteigen, da ansonsten ein Bußgeld fällig wird. Die Jungs wirken verlegen, schieben ihr Rad zehn Meter weiter. Noch nicht außer Sichtweite der Kontrolleure steigen sie auf und treten kräftig in die Pedale. Und obwohl es einem Kampf gegen Windmühlen gleicht, die Radfahrer zur Ordnung zu rufen, sollen die Schwerpunktkontrollen nicht eingestellt werden. Praegert: „Sie werden in den warmen Monaten fortgesetzt. Wir wissen, wann besonders viele Radfahrer im Park unterwegs sind.“

Skeptisch ist Praegert, was bauliche Maßnahmen zur Verhinderung des Radverkehrs angeht: „Durch Verengungen würde sich der Zugang zum Park für Menschen im Rollstuhl oder Spaziergänger mit Kinderwagen genau so erschweren“, gibt Praegert zu bedenken und stellt außerdem fest, dass die Parkwege öffentlich sind und für alle zugänglich bleiben müssen. „Und was, wenn ein Radfahrer eine Verengung wie eine Schranke oder Poller übersieht und dagegen knallt?“, fragt Praegert und weist auf die Verkehrssicherungspflicht der Stadt hin, auf Grund derer alles getan werden muss, um Gefährdungen im öffentlichen Raum auszuschließen.

Axel Alt hofft derweil nicht mehr auf die Einsicht der Radfahrer. „Eine gewisse Klientel von Radfahrern will durch gelbe Karten an die Stadtverwaltung ihr Recht auf Befahren des Killesbergparks durchsetzen“, stellt er fest. Und das obwohl parallel zum Park an der Stresemannstraße mit Millionenaufwand eine Radwegeverbindung mit Fahrstreifen in beiden Fahrtrichtungen fertig gestellt werde.

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