Mit Reparaturstationen und mit Aktionen will die Fachfrau Antonia Lichtenberg in Neuhausen auf den Fildern mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad bewegen.
Am Radverkehr in Neuhausen hatte es immer wieder Kritik gehagelt. Mit der S-Bahn-Verlängerung, die Ende 2027 in Betrieb gehen soll, kommt nun auch das Radverkehrskonzept in der Fildergemeinde in Fahrt. Um die Umsetzung der vielen Ideen kümmert sich die Radverkehrskoordinatorin Antonia Lichtenberg. Die Bauingenieurin stellte nun im Ausschuss für Technik und Umwelt die Bausteine für einen sicheren und attraktiven Radverkehr in Neuhausen vor.
Derzeit ist es an vielen Stellen schwierig, sicher durch Neuhausen zu kommen. An der Ortsdurchfahrt in der Kirchstraße kommen sich Autos, Fußgänger, Radfahrer und Busse in die Quere. Da will die Gemeinde nun alternative Strecken ausbauen. Rückenwind für die Pläne bekommt die Kommune durch die Aufnahme in das Landesprogramm Radkultur. Die Initiative will mit ausgewählten Projekten Lust auf das Radfahren machen. „Wir haben das kleine Förderpaket ausgewählt“, sagte Lichtenberg in der Sitzung. Das Land fördert dabei Aktionen und Projekte für den Radverkehr mit 20 000 Euro. Dazu steuert die Gemeinde einen Eigenanteil von 5000 Euro bei. Mit diesen Mitteln will sie sogenannte Radservice-Punkte an den beliebten Radlerstrecken aufstellen. Diese sind mit einer Edelstahlpumpe, Schraubenschlüsseln und anderen Werkzeugen ausgestattet, damit Radler im Notfall ihre Reifen schnell flicken können.
Ein Plus der Initiative Radkultur ist nach Lichtenbergs Worten auch das Netzwerk. Die Experten unterstützen Neuhausen bei der Öffentlichkeitsarbeit und beraten, wenn es etwa an die Umsetzung von Aktionstagen geht. Da plant Lichtenberg im Herbst einen Aktionstag rund um das Fahrrad. Auch beim Stadtradeln macht die Fildergemeinde mit.
Das Straßennetz für Radler erschließen
Ihre zentrale Aufgabe sieht die Bauingenieurin aber darin, das Straßennetz für Radler besser zu erschließen. „Es geht darum, das Radfahren im Alltag attraktiv zu machen“, sagt Antonia Lichtenberg. Bei ihrem Studium in München hat sie gesehen, „dass gute und sichere Radwege mehr Menschen dazu bewegen, aufs Rad umzusteigen“. Deshalb hat sie für den Ausbau des Radwegenetzes einen konkreten Zeitplan festgezurrt.
Ein wichtiger Baustein ist der Radweg westlich der Wilhelm-Maybach-Straße. Durch die S-Bahn-Baustelle ist die bisherige Verbindung zwischen Neuhausen und Sielmingen an der Bernhäuser Straße weggefallen. Deshalb wird nun der Feldweg ausgebaut, den schon jetzt einige Radlerinnen und Radler als Ausweichstrecke nutzen. Dafür gibt es auch Fördermittel, unter anderem durch das Landesverkehrsförderungsgesetz 2024. Eidechsenzäune aus schwarzer Kunststofffolie stehen bereits. Im Juli 2024 sollen die Arbeiten beginnen. Dieser Radweg ist auch ein wichtiges Verbindungsglied für den künftigen Radschnellweg über die Filder.
Eine wichtige Verbindung für die Schülerinnen und Schüler ist die Gartenstraße, die zum Egelsee-Schulzentrum in Neuhausen führt. Dort schwebt den Planern vor, eine Fahrradstraße einzurichten. Auf einer solchen haben die Radlerinnen und Radler Vorrang. Wie diese Strecke in der Wohnstraße ausgestaltet werden kann, tüftelt Antonia Lichtenberg derzeit aus. Weitere Bausteine sind in Arbeit. An der Ampel bei der Kreuzung neben der Firma Ottenbruch soll es einen sogenannten Anforderungstaster für Radfahrer geben.
Großen Wert legt die Bauingenieurin Lichtenberg darauf, dass Radfahrer die Landesstraßen in Neuhausen sicher überqueren können. Deshalb bringt sie die Perspektive der Velos bei den Plänen für das künftige Logistikzentrum der Firma Balluff am Plieninger Weg Ost ein. Auch für die Querung der Landesstraße 1209 sucht sie in Abstimmung mit dem Landratsamt Esslingen eine sichere Lösung für den Radverkehr. Durch den geplanten Verkehrsknoten an der künftigen S-Bahn-Haltstelle hofft Lichtenberg, das umweltfreundliche Verkehrsmittel gerade für Alltagsradler und Pendler noch attraktiver zu machen. Dazu muss nach ihren Worten aber das Straßennetz ausgebaut werden.
Wichtige Botschafter für den Radverkehr sind die Vereine in Neuhausen. Der Schwäbische Albverein hat im Frühjahr ein sehr erfolgreiches Sicherheitstraining für Pedelec-Fahrer ab 60 Jahren angeboten. Um diese vorbildliche Initiative zu unterstützen, hatte die Initiative Grüne Liste beantragt, 750 Euro im kommunalen Haushalt bereitzustellen. Dem Antrag ist die Verwaltung nicht gefolgt, da es nach den Worten des Beigeordneten Rainer Däschler noch „keine Richtlinien für die Förderung gibt“. Das Angebot des Albvereins lobte Däschler, der auch das Bauamt leitet, ausdrücklich. Um künftig die Initiativen für den Radverkehr in der Kommune zu bündeln und effektiv zu fördern, will er mit den Gemeinderäten Richtlinien für die Förderung festklopfen.