Downhiller machen nur einen kleinen Teil der Mountainbiker aus. Das Gros wünscht sich ein Streckennetz und keine einzelne Downhillstrecke. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Zahl der Radfahrer abseits der zulässigen Wege im Wald ist hoch. Die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen überlegt, eine offizielle Downhillstrecke auszuweisen. Die würde das Problem aber nicht lösen, sagen die Mountainbiker.

L.-E./Stetten - In Stuttgart und in Leinfelden-Echterdingen wird derzeit vermehrt kontrolliert: Polizei, Stadtverwaltung und Forstbehörde haben vor allem die illegal angelegten Abfahrten im Blick, auf denen Mountainbiker und Downhiller unterwegs sind. Im Stettener Wald hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen jüngst zwei sogenannte Trails mit schwerem Gerät dem Erdboden gleich gemacht. Die Radfahrer haben dafür wenig Verständnis. „Da wurden Wurzeln rausgerissen und der Boden stark beschädigt“, sagt Marcus Wartbiegler, ein Mountainbiker aus Steinenbronn, der oft im Siebenmühlental unterwegs ist. Die schweren Fahrzeuge hätten jetzt mehr Schaden angerichtet, als die Fahrräder in den 20 Jahren, in denen es die Trails schon gebe. Wartbiegler glaubt auch, dass die Maßnahme nur bedingt Wirkung zeigt: Wahrscheinlich würden die Gruppen, die auf den Trails unterwegs waren, sich nun andere Strecken durch den Wald im Siebenmühlental suchen und irgendwann, wenn sich die Lage beruhigt hat, die beiden Trails wieder aufbauen.

Unbekannte haben Fallen auf den Trail gelegt

Der Steinenbronner bezeichnet sich als rücksichtsvollen Mountainbiker. Er kennt die Konflikte zwischen den einzelnen Interessensgruppen im Wald auch deswegen, weil er selbst regelmäßig zu Fuß und mit seinem Hund unterwegs ist. „Die Konfrontationen nehmen zu“, sagt Wartbiegler. Als Radfahrer sei er bereits angegangen worden, auch auf Wegen von mehr als zwei Metern Breite, also solchen, auf denen Radfahrer im Wald fahren dürfen.

Und teilweise bleibt es nicht dabei. Immer wieder gibt es Menschen, die Hindernisse über Abfahrten legen oder sogar Drahtseile spannen. So auch aktuell: Am vergangenen Wochenende haben Unbekannte Äste von Bäumen abgesägt und über die verbliebenen Wegstrecken im Siebenmühlental gelegt. Solche Fallen können zu bösen Stürzen führen. „Das ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“, sagt Wartbiegler. Je nach Ausgestaltung der Fallen gab es bereits Fälle, in denen die Polizei sogar wegen gefährlicher Körperverletzung oder versuchten Tötungsdelikts ermittelt hat.

Über die Facebook-Seite „MTB-Siebenmühlental“, auf der sich Wartbiegler und andere Mountainbiker in der Region austauschen, wird vor den Fallen gewarnt. Die Stimmung zwischen den unterschiedlichen Gruppen, die den Wald nutzen, ist angespannt. Vor allem in Corona-Zeiten, so hat es den Anschein, suchen mehr Menschen den Kontakt zur Natur.

Die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen denkt nun darüber nach, eine legale Downhillstrecke auszuweisen. „Die Stadt L.-E. hat jeden Waldbenutzer im Blick und legt dabei großen Wert auf ein friedliches Miteinander aller, die sich im Wald bewegen und diesen Naturraum genießen wollen – natürlich auch die Mountainbiker“, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher zeige sich die Verwaltung aufgeschlossen für Überlegungen, eine offizielle MTB-Downhillstrecke anzulegen, an deren Ausgestaltung die Biker selbst, Spaziergänger und Wanderer, Jäger, Naturschützer, Forstwirtschaftsvertreter, Waldeigentümer oder ortsansässige Vereine mitwirken können. Das Forstamt des Landkreises Esslingen habe bereits seine Unterstützung für diese Überlegungen signalisiert.

Überlegungen für eine legale Downhillstrecke

Marcus Wartbiegler gibt zu bedenken, dass die Downhiller nur einen kleinen Teil der Radsportler ausmachen würden. „Das ist nicht die Masse“, sagt er. Das Gros der Mountainbiker wolle keine großen Sprünge und Schanzen, sondern einfach naturnahe Strecken durch den Wald mit kleinen Hindernissen, die auch von Anfängern gefahren werden können, „und nicht nur die breiten, geschotterten Wege“.

Mountainbiker wünschen sich ein Streckennetz

Bis es eine offizielle Downhillstrecke gebe, könne man dem Offroad-Bike-Spaß im Dirtpark Leinfelden am Randweg 4 neben dem Sportzentrum frönen, sagt die Stadt L.-E.. Eine optimale Lösung sei das nicht, sagt Wartbiegler. „Die Hindernisse sind für die vielen normalen Mountainbiker viel zu extrem.“ Außerdem hat der Park Öffnungszeiten, man kann also nicht jederzeit dort fahren. Auch der Woodpecker-Trail, die legale Strecke in Stuttgart, sei nicht von allen Mountainbikern befahrbar.

Wartbiegler wünscht sich statt einer Downhillstrecke ein Trailnetz, also diverse Wege durch den Wald, auf denen das Mountainbiken erlaubt ist. Im Idealfall auf „eigenen Wegen“ für die Mountainbiker, auf denen sich Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger nicht in die Quere kommen, um Konflikte zu vermeiden. „Ein einziger legaler Trail bringt uns wenig“, sagt Wartbiegler. Denn die Mountainbiker hätten wenig Interesse daran, dieselben paar Hundert Meter immer wieder zu fahren – so wie auch Wanderer nicht immer dieselbe Strecke gehen wollten. Wartbiegler wünscht sich ein mehrere Kilometer umfassendes Streckennetz im Siebenmühlental. „Mit einem solchen Trailnetz würde auch das illegale Anlegen von Hindernissen und Abfahrten abnehmen“, ist er sich sicher. „Die Leute machen das aus der Not heraus, weil es für sie kaum Angebote gibt, ihren Sport legal auszuüben.“

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