Mountainbike, Lastenrad, Pedelec, Rennrad, Faltrad: Welches Fahrrad passt zu wem? Und worauf sollte man beim Kauf achten? Der Händler Dirk Albrecht aus Schönaich (Kreis Böblingen) gibt Tipps.
Schönaich - Wenn jemand in das Fahrradgeschäft von Dirk Albrecht kommt, sagt der Chef erst einmal nicht viel. Er beobachtet. „Ich schaue, wie die Leute laufen. Wenn jemand gebrechlich wirkt, kann derjenige kein Herrenrad mit hoher Rahmenstange fahren“, erklärt Albrecht. „Und ich höre genau zu, frage nach, was für ein Fahrrad man bisher gefahren ist und welche Wünsche man an das Neue hat.“ Dann sei schnell klar, was für ein Rad zu der Person passe.
Der Anteil der Pedelecs wächst und wächst
Dirk Albrecht verkauft seit 30 Jahren Fahrräder, seit 22 Jahren in der Ortsmitte von Schönaich im Kreis Böblingen. Außerdem ist er bei vielen Radmarathons mitgefahren. Manchmal wird der Fahrradprofi aber auch heute noch überrascht: „Kürzlich meinte ein Kunde, er wolle ein Bio-Bike kaufen. Da musste ich fragen, was das denn sei.“ Na, ein Fahrrad ohne elektrischen Antrieb, klärte ihn der Kunde auf.
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Tatsächlich werden immer weniger solcher klassischen Fahrräder verkauft. Mehr als jedes dritte Rad, das 2020 erworben wurde, verfügte über einen elektrischen Antrieb. Dirk Albrecht verkauft aber auch ganz normale Mountainbikes, Trekkingräder und Kinderfahrräder. Er will ein Vollsortiment anbieten, sagt er, „ein Familienvater soll bei mir fündig werden“. Die perfekte Person also, um sich erklären zu lassen, welches Fahrrad zu wem passt – und worauf man beim Kauf achten sollte.
Mountainbikes mit Elektromotor auch für Ältere
Für ein Pedelec sollte man mindestens 2000 Euro ausgeben, sagt Dirk Albrecht. Von Exemplaren aus dem Kaufhaus oder dem Discounter für 1500 Euro rät er ab. Diese könnten gar nicht gut sein, außerdem seien sie oft schwer zu reparieren, mahnt er. In seinem Fahrradgeschäft in Schönaich gibt es Pedelecs ab 2400 Euro. Der Verkaufsrenner – vor allem unter den etwas älteren Kunden – sei das Victoria E-Adventure: Dieses Pedelec für rund 3900 Euro hat einen starken Motor und den größten Akku, den es momentan gibt mit 625 Wattstunden. „Damit kommt man im Eco-Modus locker 180 Kilometer weit“, sagt Albrecht. Pedelecs sind aufgrund ihrer Akkus recht schwer – das Victoria E-Adventure wiegt 25,8 Kilo – allerdings haben sie immer eine Schiebehilfe, sodass man auch durch Fußgängerzonen kommt.
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Wer nicht mehr ganz jung sei, sollte auf einen sogenannten Wave-Rahmen setzen, empfiehlt Dirk Albrecht. Denn im Gegensatz zum Herrenrad mit horizontaler Stange könne man auf ein Rad mit nach unten geschwungenem Rahmen ganz bequem aufsteigen. Für mehr Sicherheit beim Fahren sorgen zudem dicke Reifen.
Es gibt auch E-Mountainbikes für sportliche Fahrer. Die eignen sich zum Beispiel für Menschen, die gern Downhillstrecken fahren – aber anschließend nicht stundenlang den Berg wieder hochstrampeln wollen.
City-Bikes mit Elektromotor für viel Gewicht
Wer im Alltag viel zu transportieren hat, dem empfiehlt Dirk Albrecht ein Straßenrad mit Elektromotor. Diese gibt es inzwischen sogar mit zwei Akkus, sodass man den ganzen Tag im Turbomodus fahren kann, ohne den Akku zwischendurch laden zu müssen. „Das eignet sich für Menschen, die mehr als 140 Kilo wiegen, für Personen, die mehrere Kinder mitnehmen – oder für Briefträger, die 30 Kilo Post tragen müssen“, erklärt Albrecht.
Mountainbikes für Sportliche
Wer gerne abenteuerlich unterwegs ist, dem empfiehlt Dirk Albrecht ein sogenanntes Fully. Fully steht für „full suspension“, also volle Federung. Sowohl am Vorderrad als auch am Hinterbau gibt es eine Federung. Dadurch ist das Rad geeignet für Downhillstrecken und Singletrails mit vielen Unebenheiten und Hindernissen. Ein sogenanntes Hardtail eignet sich eher für moderatere Downhillstrecken, dafür aber besser für längere Touren. Geht es viel bergab, lohnen sich hydraulische Scheibenbremsen, weil die am stärksten ziehen. Wer ein leichtes Mountainbike unter zehn Kilo sucht, sollte auf einen Carbonrahmen setzen, rät der Experte.
City-Räder für gemütliche Fahrer
Ein City-Rad mit drei Gängen, Nabenschaltung und nach unten geschwungenem Rahmen war eigentlich lange etwas für ältere Damen. Mit solchen Rädern kommt man gut durch die Stadt, sie sind bequem und leicht zu reparieren. Seit Kurzem kommen diese City-Bikes aber auch gut bei Zwölf- bis 15-jährigen Mädchen an, sagt Albrecht. Vor allem dann, wenn man einen Vorderradgepäckträger installieren kann oder einen Korb vorne.
Rennräder für Geschwindigkeitsfans
Der Name verrät es schon: Mit einem Rennrad kann man lange Strecken in relativ kurzer Zeit zurücklegen. Damit das gelingt, sind Rennräder sehr leicht, die Reifen sind hart aufgepumpt und dünn. Man sitzt sehr gebückt darauf. Rennräder sind für die Straße geeignet, nicht aber für Waldwege oder Schotterstraßen.
Trekkingräder und Gravelbikes für Unentschlossene
Zwischen Mountainbikes und Rennrädern gibt es eine sehr große Bandbreite: Ein Mittelding sind Trekking- und Fitnessräder, die gut für Alltagswege geeignet sind. Man kann relativ schnell mit ihnen fahren, muss aber im Wald nicht absteigen, weil die Reifen für unebene Untergründe geeignet sind. Gravelbikes sind Rennräder mit Reifen, die ebenfalls auf Schotterstraßen und moderaten Waldwegen funktionieren. Tourenräder passen zu Menschen, die eine Weltreise mit dem Fahrrad machen wollen – am besten mit einem Stahlrahmen, weil Stahl langlebiger als Aluminium oder Carbon ist.
Lastenräder für Eltern und Umweltbewusste
Lastenräder eignen sich einerseits für Eltern, die eines oder mehrere Kinder damit transportieren wollen, andererseits für Personen, die ihr Auto abschaffen und mit dem Rad auch Großeinkäufe erledigen wollen. Das kann sich für Familien übrigens richtig lohnen: Die Stadt Stuttgart erstattet 800 Euro des Kauf- oder Leasingpreises eines Lastenrads. Wenn im geförderten Haushalt kein Auto angemeldet ist, gibt es nach drei Jahren nochmals 500 Euro zusätzlich.
Falträder für Campingfans
Wer gerne campt und sein Rad regelmäßig ins Auto lädt, für den könnte ein Faltrad das Richtige sein. Man muss meist nur zwei Hebel öffnen, klappt anschließend den Lenker um und den Rahmen mittig zusammen. Übrigens gibt es inzwischen auch Falträder als Pedelec.
Kinderfahrräder für junge Abenteurer
Mit etwa zwei oder drei Jahren könnten Kinder mit dem Radeln beginnen, sagt Dirk Albrecht. Man sollte unbedingt darauf achten, dass das Fahrrad wirklich passe, betont er. Der typisch schwäbische Gedanke, dass die Kinder das Rad länger nutzen könnten, wenn es beim Kauf etwas zu groß sei, sei falsch und könne im schlechtesten Fall zu Fahrradstürzen führen. Bei Kleinkindrädern sei es zudem wichtig, dass der Hinterbau gedämpft sei: „Dann können die Kinder über Stock und Stein und Bordsteine fahren.“ Außerdem bräuchten sie zwingend eine Handbremse, die auch für kleine Hände leicht bedienbar sei. Und natürlich sei für Kinder die richtige Farbe wichtig, weiß Albrecht.
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