Vorderradhalter wie am Eingang zur S-Bahn-Station in Untertürkheim bieten Fahrrädern wenig Schutz vor Vandalismus und Diebstahl. Foto: Steegmüller

Der ADAC hat in zehn deutschen Großstädten Bike+Ride-Anlagen miteinander verglichen. Das Angebot am Bahnhof Untertürkheim stieß bei den Prüfern auf wenig Begeisterung. -

Untertürkheim - Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat in zehn deutschen Großstädten sogenannte Bike+Ride-Anlagen unter die Lupe genommen. Sie sollen von Menschen genutzt werden, die ihr Fahrrad an S-Bahn-Stationen abstellen, um dort auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Während die Tester den Bahnhof Bad Cannstatt mit gut bewerteten, fiel das Gesamturteil für das Pendant in Untertürkheim schlecht aus. Und das, obwohl es dort eigentlich zahlreiche Möglichkeiten zum Abstellen der Fahrräder gibt. Das K. o.-Kriterium lieferten die Vorderradhalter zwischen der Bahnhofshalle und dem Abgang zur S-Bahn. Diese bieten nach Auffassung des ADAC weder Sicherheit vor Beschädigung der Räder noch vor Dieben.

Insgesamt hat der Automobilklub von Ende September 2017 bis zum vergangenen März zehn Haltestellen pro Stadt in den Check miteinbezogen. Aufgeteilt sind die ADAC Testkriterien in die vier Hauptkategorien Standort, Ausstattung, Kapazität und Service. Die in Stuttgart überprüften Stationen schnitten dabei unterschiedlich ab, die Note „sehr gut“ erreichte jedoch keine der getesteten Anlagen. Bemerkenswert: Während in allen anderen Städten mindestens eine Station mit „sehr mangelhaft“ benotet wurde, fiel in Stuttgart keine der zehn Anlagen bei den Testern komplett durch. Neben dem Bahnhof Bad Cannstatt stuften die Experten die Stationen am Hauptbahnhof, in der Schwabstraße und in Botnang positiv ein. Die Anlagen in Feuerbach und Stadtmitte kamen immerhin noch mit einem „ausreichend“ davon. Die Abstellplätze in Vaihingen, Plieningen und Heumaden überzeugten die Prüfer nicht. Sie landeten gemeinsam mit Untertürkheim in der zweitschlechtesten Bewertungsstufe „mangelhaft“.

Es gibt großen Optimierungsbedarf

„Der Test zeigt somit, dass es in Stuttgart große Qualitätsunterschiede und Optimierungsbedarf gibt“, stellt Carsten Bamberg vom ADAC Württemberg fest. Hauptkritikpunkt sei an vielen Stationen in Stuttgart und den anderen Städten der geringe Platz zum Manövrieren gewesen. Nicht jedoch an den Bahnhöfen Bad Cannstatt und Untertürkheim. Hier haben Radfahrer viel Raum, um sich zu drehen. Die Abstellbereiche am Karl-Benz-Platz sind zudem größtenteils überdacht und in weiten Teilen gut von außen einsehbar. Negativ fiel den Testern jedoch die Beschilderung auf, außerdem vermissten sie Schließfächer, um Gepäck sicher zu verstauen. Hier hat der Nachbarstadtbezirk die Nase vorn. Pluspunkte bringen der Sauerwasserstadt auch das Reparaturangebot.

Während es in München, Frankfurt, Dresden oder auch Nürnberg kaum freie Stellplätze gibt, hatten alle zehn Anlagen in der Landeshauptstadt zum Testzeitpunkt genügend Kapazitäten. „Es gibt dennoch viel zu tun, um der ständig wachsenden Zahl von Stadtradlern zeitgemäße Parkangebote zu machen“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Carsten Bamberg, „denn gute Bike+Ride-Anlagen könnten für viele Pendler ausschlaggebend sein, das Auto stehenzulassen und auf das Fahrrad sowie den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.“

Das zeigt auch der Blick auf die Testergebnisse: Von 100 Bike+Ride-Anlagen konnte nur eine einzige, die am Zugbahnhof des Düsseldorfer Flughafens, fast in allen Kategorien überzeugen und wurde daher mit „sehr gut“ bewertet. Aus Sicht der ADAC-Experten müssen die Möglichkeiten, Fahrräder kippsicher und wettergeschützt abzustellen, erhöht werden. Noch besser seien Fahrradboxen oder -parkhäuser, damit auch hochwertige Fahrräder vor Diebstahl und Vandalismus geschützt sind. Darüber hinaus müssen Schrotträder schneller identifiziert und mindestens einmal jährlich im Rahmen von angekündigten Säuberungsaktionen im Wissen oder Beisein der Polizei entfernt werden. Auch am Bahnhof in Untertürkheim sind einige Stellplätze von Fahrradleichen belegt.

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