Conny Bucher sagt von sich, sie habe ein "Helmgesicht". Dem können wir nur zustimmen. Und der Fotograf des "Gran Fondo Magazins", der das Bild von ihr gemacht haben, sieht das wohl genauso. Foto: Privat

Sie rast mit dem Fahrrad Hänge hinunter und heimst dafür Preise ein. Was Conny Bucher, die Frau mit dem "absoluten-Helmgesicht", mit Jürgen Klinsmann zu schaffen hatte, sie an ihrer Heimat Stuttgart liebt oder grausig findet und was ihr im Schulsport ein Trauma beschert hat, verrät sie in unserem etwas ungewöhnlichen Interview.

Der Vergleich mit dem verfilmten Kinder- und Jugendbuch "Vorstadtkrokodile" von Max von der Grün bringt für Conny Bucher auf den Punkt, was für sie beim Radfahren im Mittelpunkt steht: "Wir Biker sind eine riesige Gemeinschaft, eine Gang, mit der man abhängt". Freilich misst sie sich im sportlichen Wettkampf auch mal mit anderen. Und das macht die gebürtige Stuttgarterin seit zwei Jahren erfolgreich, wie Top Ten-Platzierungen bei deutschen Meisterschaften oder der Gewinn der Scott-Serie zeigen.

Dass sie außer Bumms in den Beinen auch Sinn für Humor hat, beweist die Grafikerin mit eigenem Studio im Stuttgarter Süden im Interview. Statt Fragen bekam sie nur Begriffe oder kurze Sätze um die Ohren gehauen, zu denen ihr bitteschön postwendend was einfallen sollte. Für die Kreative kein Problem...

Auf die Plätze, fertig, los!

Radfahren in Stuttgart ...

Bedeutet für mich Leidenschaft und Freundschaften zu anderen Bikern. Es ist Fluch und Segen zugleich. In der Stadt ist das Radfahren ein Graus. In der Natur in und um Stuttgart dagegen wunderschön. Erstaunlich ist die wahnsinnig große Radfahrerszene hier. Obwohl Stuttgart nicht fahrradfreundlich ist.

E-Bike ...

Hat seine Berechtigung. Ich für mich versuche alles aus eigener Kraft, aus eigenem Antrieb heraus zu machen. Doch wenn jemand das E-Bike zum Pendeln nutzt oder Fitness-Defizite damit ausgleicht, finde ich das toll. Besser, als nichts zu machen. Es hat aber auch seine Tücken. Etwa, dass Radfahrer mit dem E-Bike in Regionen in den Alpen gelangen, wo sie ohne Antrieb nicht hinkommen würden. Dann passieren leicht Unfälle. Persönlich finde ich Entschleunigung tut gut. Es geht auch ohne Unterstützung - eben etwas langsamer.

Downhill ...

Macht mir große Freude. Der Begriff wird allerdings oftmals falsch verstanden. Downhill ist genauso anstrengend wie Bergauffahren. Es braucht hundert Prozent Konzentration. In jeder Sekunde der Abfahrt passiert etwas. Man muss sehr reaktionsschnell sein. Das fordert unglaublich.

Fallschirm springen ...

(Lacht) Ich lass wenig aus (was unter "Extremsportarten" läuft, Anm. d. Red). Ich habe meinen Eltern tatsächlich erst hinterher von meinem Sprung aus 4000 Meter Höhe erzählt. Erstaunlicherweise war ich zuvor kaum aufgeregt. Es war eine tolle Erfahrung, ein tolles Gefühl. Aber ich muss das nicht immer machen. Es stand auf meiner Bucket List, auf meiner Liste der Dinge, die ich im Leben unbedingt einmal ausprobieren möchte. Punkt abgehakt.

Kleine Zwischenfrage. Woran ist denn noch kein Haken?

Motocross fahren.

Ok, weiter mit den Begriffen... Frauen im Sattel...

Gibt es immer mehr. Ich bin mit sehr vielen ambitionierten Fahrradfahrerinnen befreundet. Wir verabreden uns auch zu Trainingseinheiten in Bikeparks. Frauen sind meiner Meinung nach sehr begeisterungsfähig und puschen sich gegenseitig, bringen sich Dinge bei. Das Verständnis unter Frauen für das, was man schon kann und wovor man noch Respekt hat, ist manches Mal größer, als jenes von Männern. 

Apropos... Männer auf dem Mountainbike...

Find ich cool (lacht). Kann jede Art von Rad sein, ist in jedem Fall für mich ein Hingucker. Ich habe viele gute Freunde, die Radfahren. Einige Freundschaften sind bei mir eben durchs Radfahren entstanden. Durch Jungs bin ich auch zum Biken gekommen. Das war während meines Informations- und Kommunikationsdesign-Studiums in Schwäbisch-Gmünd.

Schokolade...

Liegt bei mir in der Schublade. Hilft mir über manches Nachmittagstief hinweg. Ich genieße die Freuden des Lebens. Als Sportlerin bin ich zwar bewusst unterwegs, was Training und Ernährung anbelangt. Aber ich verkneif mir nicht alles. Es muss Spaß machen.

Die beste Radtour Ihres Lebens...

Von Kanada war ich schwerst beeindruckt. Und von Neuseeland. Ich war dort für zwei Monate im Winter. Das ist ein absolutes Fahrrad-Mekka. Stand auf meiner Bucket List, wird aber nochmal gemacht (lacht).

Ausschlafen

Kommt ein bisschen zu kurz bei mir. Selbst am Wochenende, da wir im Freundeskreis meistens mit dem Rad unterwegs sind. Ich habe schon ein bisschen Hummeln im Hintern. Manchmal bin ich froh, wenn es regnet und ich nicht raus kann oder muss.

Stuttgarts schönste Ecke...

Der Wald. Ansonsten fällt es mir leider zunehmend schwer, mich auf Stuttgart einzulassen. Ich empfinde es als laut und eng. Flüchte tatsächlich öfter in den Wald. Fühl mich allerdings auch wohl am Marienplatz. Von dieser Art öffentlichem Raum sollte es mehr geben in Stuttgart. Die Stadt kommt mir inzwischen offener vor was Menschen anbelangt. Es leben mittlerweile viele "bunte Vögel" hier.

Sommer...

Für mich natürlich ein Highlight! Das bedeutet ganz lange Tage und dadurch ganz viel Zeit zum Draußen sein. Im Winter versuche ich zwar genauso viel Radzufahren. Aber im Sommer, das ist schon ein anderes Lebensgefühl. Die Menschen sind freundlicher, man kann grillen, irgendwo oder am liebsten am Marienplatz einfach auf dem Boden sitzen und quatschen. Ach und Eis essen! Das gehört für mich unbedingt zum Sommer.

"Ich habe ein Helmgesicht"

Fahrradhelm...

Gehört für mich obligatorisch dazu. Habe diesbezüglich sogar einen leichten Fetisch (lacht) und besitze viele unterschiedliche. Wie ich finde, habe ich ein Helmgesicht (lacht wieder). Zudem auch ein Käppi- bzw. Mützengesicht. Ein Helm ist für mich ein Schmuckstück und richtig und wichtig.

Langweiligste Sportart...

Formel 1. Und Bändertanz. Ich wurde in der Schule damit gequält. Musste mir im Sportunterricht eine Choreografie ausdenken zu "Eternal Flame" von den "Bangels". Schrecklich.

Jürgen Klinsmann...

Als Kind fand ich ihn interessant. Da war er noch beim VfB. Er gab Autogramme und ich hab mich für eine Freundin, die Geburtstag hatte, in die Schlange gestellt. Als ich dran war, bat ich ihn in ihr Buch zu schreiben: "für Yvonne, alles Gute zum Geburtstag". Er hat mich angeschaut, gegrinst und gemeint: "bisch du net zu jung für a Freundin?". Und ich gab zurück: "ich bin fei a Mädle". Zur Erklärung: damals hatte ich kurze Haare und Klinsi hielt mich wohl für einen Jungen.

Wanderer und Spaziergänger...

Ich bin für einen respektvollen Umgang miteinander. Was wir als Biker machen, ist aufgrund der Zwei-Meter-Regelung nicht unbedingt legal in Stuttgart. Wenn ich etwa in der Pfalz fahre, empfinde ich die Situation viel entspannter zwischen allen Waldnutzern. Ich grüße - egal wo ich unterwegs bin - immer freundlich, fahre langsamer, wenn sich Wanderer nähern und bremse nicht abrupt ab. Durch diese ganze öffentliche Diskussion von wegen was erlaubt ist für Biker und was nicht, ist in Stuttgart vielleicht erst das unentspannte Verhältnis zwischen Radfahrern und Spaziergängern entstanden. Dabei können Wanderer meiner Meinung nach viel besser nachvollziehen, was wir Radfahrer so lieben. Schließlich sind sie auch gerne in der Natur unterwegs. Ich bin überzeugt davon, dass ein gutes Miteinander möglich ist.

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