OB Fritz Kuhn und Baubürgermeister Peter Pätzold fahren vorneweg. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bei den 13. Fahrradaktionstagen am Wochenende fällt auch der Startschuss für das Stadtradeln. Stuttgarts OB Fritz Kuhn übt aber auch ein wenig Selbstkritik.

Stuttgart - Nedeljko Solaja war ein bisschen zu spät dran am Donnerstagvormittag, um noch am Prolog am Rathausplatz beim elften Stadtradeln mitzumachen. Während die Gruppe um Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn zum Auftakt des Stadtradelns eine Runde durch das Dorotheen-Quartier drehte, meldete sich Solaja bei Koordinatorin Mareike Eitel für die Gruppe „66 Tiefbauamt“ an. Sie kann dann ab Samstag Kilometer sammeln. Vom 9. bis 29. Juni ruft die Aktion Klima-Bündnis wieder die Kommunen auf, gemeinsam für den Klimaschutz in die Pedale zu treten, und möglichst viel geradelte Kilometer zu sammeln.

Zwei Personen reichen bereits für ein Team

Wer will, dass seine Fahrten in die Wertung einfließen, muss sich unter der Adresse www.stadtradeln.de im Internet anmelden. Man kann sich wie Solaja Nedeljko einem der bereits vorhandenen Teams anschließen – oder ein eigenes gründen. Zwei Personen reichen schon, um als Gruppe zugelassen zu werden. Mitmachen kann jeder, der in Stuttgart wohnt, arbeitet, zur Schule geht, oder einem Stuttgarter Verein angehört. Im vergangenen Jahr engagierten sich auch zahlreiche Unternehmen für die gute Sache. Mehr als 222 000 Frauen und Männer sind 2017 beim Wettbewerb Stadtradeln im Aktionszeitraum von drei Wochen bundesweit jeden Tag durchschnittlich neun Kilometer mit dem Fahrrad gefahren. Zusammen waren sie rund 42 Millionen Kilometer unterwegs und vermieden dabei fast 6000 Tonnen Kohlendioxid. Solaja Nedeljko radelt täglich von Untertürkheim zu seinem Arbeitsplatz in die Rotebühlstraße. „Das sind 22 Kilometer und am Wochenende kommen noch viel mehr dazu“, sagt Solaja. Er ist damit einer von bislang 167 Angestellten der Stadt Stuttgart, die sich in 17 Teams für die diesjährige Kampagne „Aufs Rad“ gemeldet haben. 2017 waren es nur halb so viele. Bis Donnerstag hatten schon 150 Gruppen mit 1200 Startern gemeldet – das sind mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr.

Die Stadt Stuttgart kann in diesem Jahr auf einen Fahrradetat von 5,8 Millionen Euro zurückgreifen, um die Bedingungen für Radfahrerinnen und Radfahrer in Stuttgart kontinuierlich zu verbessern. Sei es mit dem Ausbau des Hauptradroutennetzes, neuen Fahrradstraßen oder Abstellanlagen. „Wir sind noch keine Fahrradstadt im großen Stil, aber wir werden noch eine“, sagt Fritz Kuhn und verweist auch auf die rege Nutzung der Leihmöglichkeit der Regio-Räder.

Fahrrad statt Feinstaub

Die Stadt geht natürlich auch mit einem gewissen Ehrgeiz ins Rennen – Tübingen und Berlin starten zeitgleich ihr Stadtradeln. Eingebettet ist der Wettbewerb in die 13. Stuttgarter Fahrradaktionstage am 9. und 10. Juni auf dem Schlossplatz. Erste Kilometer sammeln kann man beim „Radel-thon im Doppelpack“ des Allgemeinen Deutscher Fahrrad Clubs (ADFC), der am Samstag ab 11 Uhr vom Schlossplatz zum Neckar führt (Info: www.adfc-bw.de). Dort werden zwei Gruppen gebildet – die eine fährt im Uhrzeigersinn den Kesselrand entlang, die andere in der Gegenrichtung, bis man sich am Katzenbacherhof trifft. Der ADFC stellt auch eine Gruppe beim Stadtradeln – angeführt von Tourenkoordinator Paul-Werner Schreiner. „Wir werden strampeln was das Zeug hält, um möglichst viele Kilometer zu sammeln“, sagt Schreiner. Die nächste Gelegenheit für die Stuttgarter Kilometer zu machen, gibt es bei der Radsternfahrt am Sonntag. Hier fahren Radler unter dem Motto „Fahrrad statt Feinstaub“ in die Landeshauptstadt. 2017 waren 6000 Teilnehmer dabei. Schreiner will sich im Vorfeld nicht auf eine Starterzahl festlegen, hat aber konkrete Wünsche an die Stadt Stuttgart: „Wir benötigen dringend eine radfahrerfreundlichere Ampelschaltung und es wäre wünschenswert, wenn es mit der Fahrradschnellstraße von Bad Cannstatt in die Innenstadt funktionieren würde.“

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