Auch in der Einbahnstraße Kirchstraße geht es in Gerlingen für Radfahrer eng zu. Foto: Simon Granville

Die Stadt Gerlingen prüft zahlreiche Maßnahmen zur Umsetzung eines innerstädtischen Radverkehrsnetzes. Der Gemeinderat diskutiert kontrovers darüber.

Die Stadt Gerlingen will die Bedingungen für Radfahrer in der Stadt deutlich verbessern. Dazu soll in den nächsten Jahren ein innerstädtisches Radverkehrsnetz aufgebaut werden. Kern des Konzepts sind zwei Fahrradstraßen, die im Gemeinderat nicht bei allen Begeisterungsstürme auslösen.

 

Die wenigen Radwege und -streifen im Gerlinger Stadtgebiet eine Radinfrastruktur zu nennen, wäre Schönfärberei. Radwege, die aus dem Umland nach Gerlingen führen, enden am Stadtrand. Andere brechen so abrupt ab, wie sie begonnen haben. Dass die Strohgäu-Stadt noch weit davon entfernt ist, eine Fahrradstadt zu sein, haben die Verantwortlichen erkannt. Die Entscheidung, im Rahmen eines kommunalen Mobilitätskonzeptes ein dicht geknüpftes Radverkehrsnetz aufzubauen, ist längst gefallen.

Zwischen Weilimdorfer und Benzstraße künftig Tempo 30?

Eine intensive Debatte darüber, wie dieses Radverkehrsnetz konkret gestaltet sein soll, dürfte der Entscheidung allerdings noch vorausgehen. Sicher ist: Es soll im innerstädtischen Bereich aus einem Haupt- und einem Nebennetz bestehen. Damit das künftige Hauptnetz möglichst fahrradfreundlich und sicher wird, hat die Stadtverwaltung nun im Gemeinderat ein ganzes Bündel an Maßnahmen vorgestellt, die es zu prüfen gilt.

So soll, nach den Vorstellungen der Stadt, in der Max-Eyth-Straße zwischen Benz- und Dieselstraße beidseitig eine Piktogrammspur auf der Fahrbahn angebracht werden. Zwischen Weilimdorfer und Benzstraße soll künftig Tempo 30 gelten. Ebenso wird angeregt, dass das Landratsamt auf den Landes- und Kreisstraßen Ditzinger, Leonberger (bis Rosenstraße) sowie Solitudestraße Piktogramme anbringt.

Piktogramme in Tempo-30-Zonen nicht erlaubt

Diese weißen Markierungsketten am rechten Fahrbahnrand, die aus einem Fahrradsymbol und einem Fahrtrichtungspfeil bestehen, sollen dem Radfahrer den Routenverlauf verdeutlichen und Autofahrer auf den Radverkehr hinweisen. „In Tempo-30-Zonen sind die Piktogramme allerdings nicht erlaubt“, wie am Mittwoch bei der Vorstellung der Maßnahmen im Gemeinderat Michael Brunsch, der Mobilitätsmanager der Stadt Gerlingen, erklärt.

Letzteres sorgt in den Reihen der Stadträte für reichlich Kopfschütteln, weil die Piktogramme, obwohl vielfach gewünscht, damit in weiten Teilen der Gerlinger Innenstadt nicht infrage kommen. Grundsätzlich plant die Stadt keine gesonderte Radinfrastruktur, wo Tempo 30 gilt. Grund: Die betreffenden Straßen seien in der Regel ohnehin sicher. Hier genügten Wegweiser.

In Fahrradstraßen gilt generell Tempo 30

Kern des neuen Hauptradnetzes könnten zwei Fahrradstraßen sein, in denen, so betont Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos), auch Autos weiterhin fahren und parken dürfen. In Fahrradstraßen gilt generell Tempo 30. Radfahrer sind bevorrechtigt und können nebeneinanderfahren.

Einen Radweg gibt es hier – und anderswo in Gerlingen – nicht. Foto: Simon Granville

Konkret schlägt die Stadt vor, eine Fahrradstraße im Bereich des Schulzentrums anzulegen. Betroffen wären Urbanstraße, die Straße Beim Brückentor, Richthofen-, Hasenberg-, und Jahnstraße. Eine weitere Fahrradstraße im Verlauf der Schiller- und Kupferwiesenstraße soll ebenfalls geprüft werden. Sie würde das künftige Neubaugebiet Bruhweg II anbinden.

Kommt Anfahrtsweg zum Feuerwehrhaus nicht infrage?

Vor allem dieser Vorschlag stößt im Gemeinderat aber auf Widerstand: Stadtrat Martin Maisch (Freie Wähler), der auch in der freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, kritisierte die Idee scharf. Maisch betont, dass bei rund der Hälfte der Einsatzkräfte die Schillerstraße den Anfahrtsweg zum Feuerwehrhaus darstelle. Er fürchtet, dass rücksichtslose Radfahrer hier im Einsatzfall ein rasches Vorankommen mit dem Privat-Pkw behindern würden. „Diese Prüfung brauchen wir deshalb überhaupt nicht durchführen“, so der Stadtrat.

Rebecca Stotz (Junge Gerlinger) bezeichnet den Abschnitt der Weilimdorfer Straße auf Höhe des Stadtmuseums wegen der engen Fahrbahn als ungeeignet für eine Hauptroute. Sie regt an, den Radverkehr hier über die Hofwiesenstraße auf die künftige Fahrradstraße in der Schillerstraße zu leiten. Barbara Günther (SPD) plädiert dafür, in die Planungen den Jugendgemeinderat und den ADFC einzubeziehen.

Das Maßnahmenpaket der Stadt wurde am Mittwoch im Gemeinderat nach einer leidenschaftlich geführten Debatte mehrheitlich zur Prüfung angenommen. Die beiden vorgeschlagenen Fahrradstraßen verfehlten das einstimmige Votum. Fünf Stadträte stimmten gegen die Fahrradstraße in der Schillerstraße, drei gegen jene im Bereich des Schulzentrums.